Die Sanierung des maroden Klenzmann-Staus an der Jeetze bei Beetzendorf wird wohl doch noch etwas auf sich warten lassen. Schuld ist die Kleine Bachmuschel - eine unter Schutz stehende Tierart, deren Bestand am Klenzmann jetzt erst einmal untersucht werden soll.

Beetzendorf l Der Klenzmann ist das Herzstück des ausgeklügelten Stausystems, das den Zufluss von Jeetze-Wasser in die zahlreichen Gräben und Kanäle ringsum Beetzendorf, besonders die Wasserversorgung des berühmten Parks, reguliert. Doch das Bauwerk an der Abzweigung von Umflutkanal und alter Jeetze ist marode und dringend sanierungsbedürftig. Weil es seiner eigentlichen Aufgabe kaum noch gerecht werden kann, fließt immer weniger Wasser durch den alten Flussarm. Mit Folgen für den Park und die einzigartige Sumpfzypressenallee, deren Bäume zunehmend unter Trockenheit leiden.

Damit es nicht so weit kommt, hat die Gemeinde den Unterhaltungsverband Jeetze eingeschaltet. Mit Erfolg: Der Umbau des Verteilerbauwerks wurde beim Landesverwaltungsamt beantragt und soll komplett aus Haushaltsmitteln für Maßnahmen zur naturnahen Gewässerentwicklung aus dem Programm des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) finanziert werden. "Die Leistungsphasen 1 und 2 der Ingenieurarbeiten sind bereits durchgeführt, das Baugrundgutachten wurde erstellt", berichtete der Unterhaltungsverband in einem Schreiben an die Gemeinde.

Doch im Augenblick stockt das Umbauprojekt. Und das liegt an der Kleinen Bachmuschel, die im betroffenen Bauabschnitt entdeckt wurde. Das Tier mit seiner bis zu zehn Zentimeter langen Schale und dem lateinischen Namen Unio crassus ist streng geschützt und steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Ursprünglich in den Bächen und Flüssen stark verbreitet, ist der Bestand der Kleinen Bachmuschel vor allem durch den vermehrten Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft stark dezimiert worden.

Um zu untersuchen, inwieweit die Tiere und weitere Großmuschelarten, die dort in der Jeetze anzutreffen sind, bei der Sanierung des Staubeiwerks möglicherweise beeinträchtigt werden, wurde jetzt eine Kartierung des Bestandes vorgenommen. Die Untersuchungsergebnisse sollen in die weiteren Planungen mit einfließen. Zudem will der Unterhaltungsverband die Stellungnahme der Oberen Naturschutzbehörde einholen und sich mit der unteren Naturschutzbehörde beim Altmarkkreis abstimmen.

Wie lange sich der Planungsprozess verzögert und wann mit dem Bau begonnen werden kann, konnte Beetzendorfs Bürgermeister Heinrich Schmauch auf Nachfrage von Ratsmitglied Jürgen Benecke während der jüngsten Zusammenkunft der Gemeindevertreter nicht sagen. "Das hängt jetzt von der Bachmuschel ab, mit der sich die Obere Naturschutzbehörde befasst", erklärte der Ortschef.

Im Vordergrund der Umbaumaßnahme am Klenzmann steht für den Unterhaltungsverband die Fließgewässerentwicklung, da das Projekt im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU) erfolge. "Bei dieser Maßnahme sind aber auch die Wasserverteilungsfunktionen für den Park Beetzendorf (Zypressenallee und Teiche) zu beachten", heißt es in dem Schreiben von Geschäftsführer Uwe Heinecke an die Gemeinde. Unter diesen Gesichtspunkten sei die Planung "sehr gewissenhaft durchzuführen, um alle Belange beachten zu können". Erst wenn die rechtlichen und fachlichen Eckpunkte erarbeitet sind, solle die Öffentlichkeit beteiligt werden. "Aber so rechtzeitig, dass Hinweise und Anregungen in der Phase der Genehmigungsplanung mit berücksichtigt werden können", erklärte Heinecke.

Die Sanierung des Klenzmanns soll insgesamt rund 180000 Euro kosten und auch die ökologische Durchlässigkeit des Bauwerks für Fische garantieren, die bisher nicht gegeben ist. Das ist Grundbedingung dafür, dass das Vorhaben vollständig von Bund, Land und EU gefördert wird.

Bilder