Die Gemeinde Altmärkische Wische bemüht sich seit einiger Zeit um die Rückübertragung des Wendemarker Wöllmerstiftes. Die Immobilie, zu der rund 200 Hektar Land gehören, wurde zu DDR-Zeiten enteignet und befindet sich heute überwiegend im Besitz der BvvG.

Wendemark l In der Wische gibt es viele uralte Gehöfte, deren Geschichte nicht selten bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Angelegt wurden die einstigen Bauernhöfe von jenen frühen Siedlern, die sich der gewaltigen Aufgabe widmeten, der Natur Ackerland abzuringen, das seinerzeit noch regelmäßig von den Hochwassern der Elbe heimgesucht wurde. Als Baugrund für die Gehöfte dienten höher gelegene Geländestücke, die bei Hochwasser wie Inseln aus den Fluten ragten. Die Lebensbedingungen waren jedoch extrem schwierig für die Landbewirtschafter. Darum wechselten oft die Eigentümer. Einen herben Rückschlag gab es für die Bewohner der Wische im 30-jährigen Krieg. Viele Orte und Siedlungen wurden völlig zerstört. Erst in den Jahrzehnten danach begann der Wiederaufbau.

Aus Königs-Falckenhof wurde später Wöllmerstift

Eine ähnliche Geschichte hat auch das Wöllmerstift in Wendemark. Im Jahr 1750 kaufte Nikolaus Falcke auf dem Einhof in Wendemark den ehemals Rindtorffschen Meierhof. Das Land blieb vergleichsweise lange im Besitz der Familie Falcke und vergrößerte sich unter anderem durch Eheschließungen im Laufe der Zeit - auch bis in andere Gemarkungen hinein. Im Mai 1841 kehrte sogar König Friedrich Wilhelm IV. auf einer Besichtigungsfahrt durch sein Reich auf dem Hof ein und nahm Einblick in den für seine Zeit vorbildlich geführten großbäuerlichen Betrieb.

Aus diesem Anlass trug das Gehöft später den Namen Königs-Falckenhof. Eine Gedenktafel wurde an einer Eiche vor dem Gehöft angebracht. Die riesige Eiche steht heute noch dort. Die Bäuerin Falcke überließ ihrem Insepektor Wöllmer 1863 den Stammhof zu sehr günstigen Bedingungen.

Damit begann die Geschichte des Wöllmerstifts. Der Hof liegt an der Werbener Straße, zirka einen Kilometer von der Dorfmitte entfernt und hatte ursprünglich eine Nutzfläche von 154 Hektar. Neben der geschichtlichen Bedeutung hat dieser Hof für das Dorf Wendemark auch eine wichtige soziale Bedeutung. Dazu zählten seit 1873 die Falckische Schulstiftung und von 1906 bis 1950 die Friedrich-Clara-Wöllmerstiftung. Letztere wurde durch eine Verfügung des 1901 vertorbenen Gutsbesitzers Friedrich Wöllmer ins Leben gerufen. Im Vorstand der Stiftung waren damals der Bürgermeister (bzw. Ortsvorsteher) von Wendemark, der Ortsgeistliche sowie der Amtsvorsteher des Amtsbezirks (Landrat).

"Zweck der Stiftung ist es, siechen, alterssschwachen und kranken Personen beiderlei Geschlechts, welche in bedürftigen Verhältnissen leben, ein Unterkommen zu gewährleisten. Unter Wohnung wird verstanden: Wohnung, einschließlich Heizung und Beleuchtung, Beköstigung und je nach Lage des Falles Verpflegung...", heißt es unter anderem im Stiftungsstatut. Eine Diakonisse wurde als Krankenpflegerin eingesetzt. Sie leistete auch Pflegedienste im Ort. Das zum Hof gehörende Land - rund 200 Hektar - wurde verpachtet; der Gewinn ging an die Stiftung.

Enteignung durch die DDR nach Abschluss der Bodenreform

Doch die Geschichte dieser mildtätigen Stiftung sollte nur wenige Jahrzehnte währen. Sie wurde zu DDR-Zeiten enteignet. So erging es allerdings auch den meisten anderen Grundbesitzern und Stiftungen (mit Ausnahme der kirchlichen). Doch die Enteignung des Wöllmerstiftes erfolgte laut Urkunde erst am 17. April 1950. Die Bodenreform der DDR war gesetzlich jedoch bereits am 7. Oktober 1949 abgeschlossen. Darum ist der Gemeinderat der Überzeugung, dass die Enteignung unrechtmäßig war.

"Grundbesitz, der nach dem 7. Oktober 1949 enteignet wurde, ist laut Einigungsvertrag von 1990 dem Eigentümer zurück zu übertragen", ist sich Karsten Reinhardt, Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Wische, sicher. Den Antrag auf Rückübertragung hatte die damalige Gemeinde Wendemark in den 1990er Jahren gestellt. Doch der Antrag wurde von der Treuhand abgelehnt. Da die Gemeinde keinen Widerspruch gegen die Entscheidung einlegte, gilt des Verfahren zwar als abgeschlossen. Doch nun will die Gemeinde einen Anlauf nehmen, das Verfahren neu zu eröffnen und die Ablehnung der Rückübertragung anzufechten. Dafür hat sie sich einen erfahrenen Anwalt genommen. Reinhardt: "Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde der rechtmäßige Eigentümer des Wöllmerstiftes ist. Wir werden für die Rückübertragung kämpfen."

Sollte die heutige Gemeinde Altmärkische Wische die Ländereien tatsächlich einmal zurückerhalten, müsste das Wöllmerstift als Stiftung weitergeführt werden. "Dazu wären wir verpflichtet", so Reinhardt. Der Bedarf dafür wäre aus Sicht des Bürgermeisters jedenfalls gegeben. "Wir haben in der Region heute wieder mit Altersarmut zu kämpfen. Die ältere Bevölkerung hat mit einer hohen Immobilität zu tun, die unter anderem zu einer medizinischen Unterversorgung führt. Und aufgrund der demografischen Entwicklung werden diese Probleme künftig dramatisch zunehmen. Einrichtungen wie das frühere Wöllmerstift könnten künftig wieder dazu beitragen, die Altersarmutsprobleme in den ländlichsten Regionen wie der Wische etwas abzumildern", meint Reinhardt.