Die Lohner sind empört: Direkt vor ihren Gartenzäunen soll in der Kieskuhle eine Bauschuttdeponie entstehen. Dort, wo Wild äst und sich ein Feuchtbiotop in landschaftlicher Idylle ausbreitet, will der neue Betreiber schwach belasteten Abfall der Klasse 1 einlagern.

Lohne l Die 10 Hektar große (Grundfläche) und zirka elf Meter tiefe ehemalige Kieskuhle am Lohner Ortsrand stand am Montagabend im Mittelpunkt der Debatte in der Gaststätte Kaul. "Es gibt noch keine konkreten Pläne und kein Genehmigungsverfahren", versuchte Diplomingenieur Holger Gose, beauftragter Planer des neuen Betreibers von der Bauservice Altmark GmbH, die Wogen zu glätten. Man wolle erst mit den Einwohnern sprechen, über das Vorhaben informieren und Probleme im Vorfeld ausräumen.

"In der Grube sollen schwach mit Schadstoffen belastete Abfälle vom Straßenbau, von Bauruinen, Fliesen und Ähnliches eingelagert werden", erklärte er. "Auf keinen Fall Sondermüll", versicherte er. Um das Umfeld zu schützen, seien die vorgeschriebenen Sicherungsmaßnahmen einzuhalten. Dazu gehörten eine meterstarke Basisabdeckung am Boden, darauf eine Kiesschicht- und darüber noch eine Sickerwasseraufschüttung.

"Das Wasser, was mit dem Abfall direkt in Berührung kommt, wird mit Tankwagen abtransportiert", kündigte er an. Das reine Niederschlagswasser werde in Sickerbecken aufgefangen und fließe vor Ort ins Erdreich.

"Nach oben wird die Deponie mit einer Kuppel abschließen, wie hoch, steht noch nicht fest", so Gose. Natürlich begleiten Landschaftsschutzmaßnahmen die Arbeiten. "Auch den Emissionsschutz müssen wir beachten, was vor allem Lärmbelastungen betrifft", ergänzte er.

Doch spätestens hier, aber auch in Sachen Kontrolle der Schadstoffbelastung schieden sich die Geister. "Ich glaube kaum, dass der Kreis in der Lage ist, alle Abfallladungen auf ihren Schadstoffgehalt durchgängig zu kontrollieren", führte Detlef Butzkies ins Feld. Es könne aber auch nicht angehen, dass die Firma selbst sich überprüfe.

Butzkies wohnt in seinem Haus neben Familie Schulze unmittelbar an der Kieskuhle und wäre mit als Erster betroffen von Lärm, Belästigung und der Landschaftszerstörung.

"Bisher ist Lohne frei von Massentierhaltung, Solaranlagen oder Funktürmen und Mülldeponien - so soll es bleiben", machte René Schackert deutlich. Auch er und Dirk Pehlke wohnen am Rand der Kieskuhle. Die ist mit den Jahren zu einem echten Feuchtbiotop geworden, in dem sogar das Wild äst. Ein Reh mit Kitz komme sogar bis an ihr Grundstück. "Diese Naturoase darf nicht zerstört werden." Er erhielt auf seine Frage nach Mindestabständen zur Wohnbebauung keine Antwort.

An der Alten Heerstraße, nur knapp 100 Meter entfernt von der Kieskuhle, wohnen Margit und Detlef Scholz. Die Sorge um den Wald- und Wildbestand treibt auch sie um angesichts der Deponiepläne. "Und wenn dann der Schwerlastverkehr täglich durch Lohne rollt, ist es mit der Ruhe vorbei", befürchtete er während der Einwohnerversammlung.

Die Fahrzeuge kämen aus Kerkau und würden im Ort kaum stören, versicherte Holger Gose. Er versuchte alle Bedenken zu zerstreuen, was aber nicht gelang. Einhellig sprachen sich die Lohner gegen die Pläne aus. Der Ortschaftsrat von Kleinau berät morgen Abend über seine Stellungnahme, die dann noch den Stadtrat in Arendsee passieren muss.

Im Falle eines Genehmigungsverfahrens - der Antrag geht an den Altmarkkreis Salzwedel - müssen die Pläne öffentlich ausgelegt werden. Neben Trägern öffentlicher Belange können auch Bürger dagegen Einspruch erheben. Ob es dazu kommt, ist offen. Noch sei kein Antrag gestellt, die Planung noch nicht gestartet, so Gose. Die Firma wolle kein Geld investieren, wenn keine Aussicht auf Erfolg bestehe.

Allerdings haben die Vermessungsarbeiten bereits begonnen. Die neuen Grenzpfähle sind sichtbar rings um die Kieskuhle und an den betroffenen Grundstücken schon eingeschlagen.

"Wenn die Deponie kommt, ziehen wir weg", so Schackert. Andere wollen verkaufen.

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