Kritik üben sieben Gassigeher am Schönebecker Tierheim. Die Zustände seien teilweise inakzeptabel. Dezernent Schulke verweist auf die Diskrepanz zwischen den Vorstellungen der Tierfreunde und den laut Gesetz nötigen Aufgaben eines Tierheimes.

Schönebeck l Der Brief, der der Volksstimme vorliegt, enthält harte Kritik. Sieben sogenante Gassigeher, also Personen, die Hunde des Schönebecker Tierheimes ausführen, beschreiben die Zustände in der Einrichtung der Barbyer Straße als zumindest teilweise inakzeptabel.

Mehrere Themen werden in dem Brief angeführt, etwa die Sauberkeit der Zwinger. Die würden stark nach Urin stinken. Nasse Decken würden in den Hütten liegen, die bei Frost festfrieren. "Da müssen wir als Gassigeher immer wieder darauf drängen, dass sie auch mal ausgetauscht werden", heißt es in dem Schreiben. Es gebe Ratten in der Anlage. Zudem lasse die medizinische Versorgung zu wünschen übrig. Ein Hund mit der hochansteckenden Räude habe tagelang unter anderen Hunden gelebt, bevor er endlich in Quarantäne kam.

Zudem sollten Mäntelchen für kleine Hunde gekauft werden, damit sie nicht frieren. "Wir haben aber immer nur zitternde kleine Hunde, die gar nicht für die Zwingerhaltung geschaffen sind, hinter den Gittern gesehen", blicken die der Volksstimme namentlich bekannten Briefschrieber auf die kalten Wintermonate zurück.

Schlimm würde es vor allem den sogenannten Listenhunden und auffällig gewordenen Tieren ergehen. Niemand kümmere sich um sie. "Diese Hunde sind lebendig begraben", heißt es. Überhaupt müsste mit den Problemhunden mehr gearbeitet werden, um ihre Vermittlungschancen zu erhöhen.

Den Tieren werde Futter zugeworfen, als wären sie Hühner.

Von übervorgestern sei die Internetseite des Schönebecker Tierheimes. Viele hier noch abgebildete Hunde seien bereits vor Monaten vermittelt worden oder inzwischen verstorben. Neuzugänge würden erst gar nicht erscheinen.

"Wir können noch so viele Missstände aufführen, die uns immer wieder wütend und traurig machen. Es ist ein Fass ohne Boden", heißt es und abschließend der Appell: "Unser Hoffen und Wünschen ist, dass das Leid der Tiere einmal an der Tierheimtür aufhört und nicht erneut beginnt."

Die Kritiker meinen außerdem, dass es für die vielen Spender interessant wäre zu erfahren, was weiterhin aus- und umgebaut worden ist auf dem Gelände.

Träger des Tierheimes ist der Tierschutzverein Schönebeck und Umgebung. Das Betreiben der Anlage nimmt er im Auftrag der Stadt Schönebeck wahr. Vorsitzende des Vereins ist Kerstin Kauert. Mit den genannten Vorwürfen konfrontiert, verweist sie zuerst einmal auf provozierende Anrufe, die sie seit November 2012 erhalte. Die Anrufer verlangen von ihr, sie solle von ihrem Amt zurücktreten. Diese Forderungen begannen iher Aussage nach zeitgleich mit einer größeren Spendenzuweisung nach einer TV-Berichterstattung.

Prinzipiell räumt Kerstin Kauert ein, dass es immer etwas zu verbessern gibt, das gelte natürlich auch für das Tierheim Schönebeck. "Aber ein Riesendefizit sehe ich nicht", relativiert sie. Doch der Reihe nach.

Ja, es seien Mäntelchen für kleine Hunde angeschafft worden. Die Decken in den Hundehütten würden täglich gewechselt, auch bei den Katzen. "Dafür verbürge ich mich." Um die Hunde vor der bitteren Winterkälte zu schützen, seien Unterlagen aus Styropor in den Freigängerhütten angelegt worden. Dass Futter einfach zugeworfen werde, bestreitet Kerstin Kauert. Und ja, der Internetauftritt sei schlecht. "Das ist richtig. Wir werden den Anbieter wechseln und die Homepage komplett umkrempeln. Dann wird sie auch wieder aktuell sein", verspricht die Vereinsvorsitzende.

Sie gibt zu bedenken, dass es den Mitarbeitern des Tierheimes vorrangig darum gehe, die Tiere zu versorgen. Für eine Art Hundeschule hätten sie kaum Zeit.

Nach einem Gespräch zwischen Kerstin Kauert und Vertretern der Stadt nimmt der zuständige Dezernent Joachim Schulke den Tierschzuverein Schönebeck und Umgebung in Schutz. "Der Verein ist für uns ein zuverlässiger Partner und zwar 24 Stunden am Tag", betont er. Schulke zeigt auf, dass hier wohl die Gedanken einiger Tierfreunde mit den nach Gesetz zu leistenden Aufgaben in einem Tierheim kollidieren. "Wir nehmen unsere Kontrollpflicht wahr, ich bin häufig im Tierheim. Natürlich würde ich meine eigenen Tiere anders halten." An die Adresse der Kritiker möchte Schulke appellieren: "Redet bitte miteinander, werdet Mitglied im Verein und bringt dort die Kritiken ein." Ungereimtheiten bei der Verwendung der Mittel liegen auf jeden Fall nicht vor, hebt Schulke hervor.

Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz zeigt sich angesichts des Disputes diplomatisch staatsmännisch. "Die Gassi-Geher wie die Mitarbeiter des Tierheimes leisten insgesamt eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe", lobt er beide Seiten. Wannewitz versichert, dass es aus veterinärmedizinischer Sicht keine Beanstandungen bei der Haltung der Tiere gibt.