Unterschiedlich wird der Bundesfreiwilligendienst im Kinder- und Jugendbereich im Landkreis in Anspruch genommen. Während sich in Staßfurt und in der Egelner Mulde zwölf Freiwillige engagieren, werden im Altkreis Schönebeck gar nicht erst solche Stellen angeboten.

Schönebeck/Staßfurt l "Hier zeigt sich schnell, wer die Zeichen der Zeit erkannt hat", sagt Sven Hause (Alternative Liste Calbe) im Gesundheits- und Sozialausschuss des Kreises. Dabei bezieht er sich auf eine Vorlage, die über die Leistungen des Bundesfreiwilligendienstes in den Kinder- und Jugendeinrichtungen im Landkreis informiert. In diesem Papier wird schnell deutlich, dass die Möglichkeit, freiwillig Engagierte für die Jugendarbeit zu gewinnen, im Landkreis eher durchwachsen angenommen wird (siehe Infokasten). Schönebeck, Barby, Bördeland und Calbe sowie Hecklingen und Saale-Wipper stechen mit einer Null in der Liste hervor. Derweil engagieren sich in Staßfurt, der Egelner Mulde, Nienburg und Seeland insgesamt 31 besetzt. Beantragt haben die Gemeinden 45 Stellen.

"Die Inanspruchnahme ist unterschiedlich, weil die Ressourcen verschieden sind", versucht Sozialdezernentin Petra Czuratis diese Diskrepanz im Ausschuss zu erklären. Für Sven Hause ist das nicht unbedingt nachvollziehbar. "Dass der Bundesfreiwilligendienst auch in kleinen Gemeinden funktioniert, zeigt das Beispiel Nienburg", führt er aus. Und auch Ausschussvorsitzender Ralf-Peter Schmidt (Linke) springt für die Bundesinitiative in die Bresche. "Der Jugendbereich bröckelt", betont er die Notwendigkeit. Denn in vielen Jugendeinrichtungen, zum Beispiel im Bereich Förderstedt, können Einrichtungen kaum noch offen gehalten werden, weil das Jobcenter keine geeigneten Kandidaten mehr für dortige 1-Euro-Stellen hat.

Das vom Ausschussvorsitzende genannte Problem ist den Verantwortlichen in der Verbandsgemeinde Egelner Mulde ebenfalls bekannt. Sie sind davon betroffen. "Wir haben 2011/Anfang 2012 keine Personen für die Maßnahmen mehr zugeweisen bekommen", sagt Evelin Lohmann vom Hauptamt auf Volksstimme-Nachfrage. "Dadurch konnten wir einige Clubs nicht mit Personal besetzen", sagt sie. Deshalb habe die Verbandsgemeinde, deren Mitgliedsgemeinden Träger der Kinder- und Jugendeinrichtungen ist, den Antrag auf Bewilligung des Bundesfreiwilligendienstes gestellt. "Wir hatten auch schon einige Leute in der Hinterhand, die das machen wollten", informiert Lohmann. So seien fünf der neun bewilligten Stellen zeitnah besetzt worden. Überwiegend gehören diese Freiwilligen zum älteren Semester und waren meist schon vorher im Rahmen einer Maßnahme in den Einrichtungen aktiv.

"Ich bin sehr froh über diesen Umstand", fügt Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr hinzu.

Eine Unterstützung durch den Bundesfreiwilligendienst könnte sich Stefan Meier vom Verein Rückenwind für seine Einrichtungen ebenso vorstellen. Doch für ihn gibt es eine Hürde, die für die Egelner Mulde beispielsweise gar nicht bestand. "Bei der Beantragung gibt es eine Regel, demnach ein Verein, der im Wohlfahrtsverband Mitglied ist, den Antrag über diesen Dachverband laufen lassen muss", erklärt der Schönebecker. Für das Weiterreichen des Antrages sei dann aber eine Gebühr notwendig. "An der Stelle sind wir so ehrlich, dass wir uns das nicht leisten können", sagt Meier, der die Jugendarbeit im Verein koordiniert.

Auch wenn solche Freiwillige eine gute Ergänzung seien, so "ist das in Verbindung mit der Geldaufwendung für uns nicht lukrativ", gibt er zu. Im Bereich Förderstedt - hier betreut Rückenwind die Clubs in Atzendorf, Förderstedt, Brumby und Glöthe - hat Meier vorerst Ehrenamtliche gewinnen können, durch die die Einrichtungen wenigstens an drei Tagen in der Woche geöffnet werden.