Bei eisigem Novemberwind wandelten gestern in Güsten Mitglieder des Ortsverbandes Saale-Wipper auf den Spuren des von der Bundes-Linkspartei angekündigten "heißen Herbstes". Grund für diesen Protest: das Sparpaket der Bundesregierung, das nach Meinung der Linken zu stark zu Lasten der Sozialleistungen gehe. Ortsverbandsvorsitzender Ernst-Hermann Brink war zufrieden mit der Resonanz der Bürger, die auch eigene alternative Vorschläge zur Berliner Sparpolitik unterbreiten konnten.

Güsten. "Ich hätte viele Ideen", meint Wolfgang Praschak, dessen Beschäftigungsmaßnahme in drei Wochen zu Ende geht. "Wenn man das hört – fünf Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger. Jetzt werden wieder die Krankenkassenbeiträge erhöht. Man müsste langsam mal wieder auf die Straße gehen, damit die Herrschaften in Berlin merken, dass nicht immer nur die Kleinen bluten können", so der Rathmannsdorfer.

Brigitte Osterwald aus Förderstedt, die den Besuch bei ihrer Schwester nutzte, um auch ihren Protest kund zu tun, erklärt: "Als ich noch gearbeitet habe, konnte ich meinen Kindern und Enkelkindern immer mal was zustecken. Jetzt reicht die Rente gerademal, um über den Monat zu kommen."

Ihr Alternativ-Vorschlag zum Sparpaket: "Kindergeld sollte es nur für Familien geben, die es brauchen. Wer 10 000 Euro Einkommen im Monat hat, muss keine staatliche Unterstützung bekommen."

Ihre Schwester Waltraud Bölke beschreibt ihre Sparvorschläge kurz und knapp: "Diäten-Erhöhungen stoppen. Raus aus Afghanistan."

Die Linken hatten auf ihre Handzettel Vorschläge geschrieben, die man ankreuzen konnte. Eine junge Kleinunternehmerin, die ihren Namen nicht nennen wollte, setzte ihre Kreuze. Auch Wolfgang Kretschmer ist dafür, Konzerne stärker zu besteuern, den Spitzensteuersatz anzuheben oder Banken- und Versicherungsabgaben zu realisieren. Das Feld für die Erhöhung der Erbschafts- und Schenkungssteuer ließ der Gleisbauer aus Güsten aus. Mit seiner Unterschrift unterstützte Kretschmer schließlich noch die parallel laufende Aktion zum Erhalt des Staßfurter Krankenhauses.

Nach etwa zwei Stunden beendeten die einheimischen Linken die Umfrage. "Mit 93 Handzetteln haben wir drei mehr gesammelt, als am Dienstag in Bernburg", rechnete Ernst-Hermann Brink einen für ihn und seine Genossen gelungenen Vormittag ab.

Die Handzettel werden nun über den Landesverband nach Berlin geschickt.

 

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