Eine große Hilfe, wenn der Ernstfall eintritt, kann der Flyer sein, den jetzt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises vorgestellt hat. In dem Faltblatt, das an öffentlichen Stellen ausliegt, gibt es Auskunft, wo Hilfesuchende Unterstützung bekommen können.

Bernburg. Es ist zwar nur ein kleines, gefaltetes Stück Papier, das Astrid Müller und Mandy Seidel in den Händen halten. Aber es könnte Frauen im Ernstfall eine große Hilfe sein: Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden. Seit einigen Wochen gibt es den neuen Flyer "Hilfenetz vor Ort". Zum gestrigen Frauenhaustag wurde er im Gemeindesaal der Kanzler von Pfau‘schen Stiftung in der Kustrenaer Straße in Bernburg vorgestellt.

"Frauen leben im Haushalt am gefährlichsten", sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Astrid Müller. Sie würden dabei häufiger verletzt, als bei Unfällen oder durch Krankheit. Statistiken zufolge sei jede fünfte Frau in Sachsen-Anhalt von häuslicher Gewalt betroffen. Auch im Salzlandkreis sind die Zahlen ähnlich. "Alter, Bildung und Religion spielen dabei keine Rolle", sagt Astrid Müller. Die Leiterin des Bernburger Frauenhauses Mandy Seidel hat die gleichen Erfahrungen gemacht. "Wir bieten Frauen und ihren Kindern, die körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt erlebt haben, Unterkunft, Beratung und Begleitung", sagt Seidel. "Es dauert aber lange, bis die Frauen den Mut haben, zu uns zu kommen."

Wo sie Hilfe bekommen und an wen sie sich wenden können, erfahren sie in dem Flyer, der vom Arbeitskreis Häusliche Gewalt in Bernburg, Aschersleben und Staßfurt erarbeitet wurde und an öffentlichen Plätzen – also beispielsweise in der Landkreisverwaltung, in Kindertagesstätten und Schulen und bei Frauenärzten – ausliegen soll. Aufgelistet werden Adressen und Telefonnummern von Ansprechpartnern für Gewalt- und Stalking-Opfer, beim sozialen Dienst in Magdeburg und bei der Polizei. Aufgeführt ist auch die Adresse der ambulanten Beratungsstelle in Bernburg, die es seit April dieses Jahres gibt. Auch Männer, die gewalttätig geworden sind, finden auf dem Faltblatt einen Hinweis darauf, an wen sie sich wenden können, wenn sie etwas gegen ihr aggressives Handeln etwas tun wollen.

Misshandlungen würden von der Umgebung schon wahrgenommen, sagt Frauenhausleiterin Mandy Seidel. Schreie aus der Nachbarschaft etwa oder "unnatürliche" Verletzungen würden durchaus bemerkt. "Aber viele wissen nicht, wie sie handeln sollen, sind unsicher, wie sie richtig reagieren." Denn der oder die Zeugen wollten das Opfer schließlich nicht noch zusätzlich in Gefahr bringen.

Beim gestrigen Frauenhaustag haben darüber Referenten in der Kanzler von Pfau‘schen Stiftung informiert, denn der Schwerpunkt des diesjährigen Frauenhaustages lag auf Signalen bei häuslicher Gewalt und einem richtigen Handeln. So sprach die Leiterin der Beratungsstelle Wildwasser Dessau Michaela Böttcher zu "Selbstverletzungen von Mädchen und Frauen als Folge körperlicher und sexueller Gewalterfahrungen". Zum Thema "Kinderschutz" referierte Cornelia Zimmermann, die leitende Mitarbeiterin des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes und Koordinatorin des Lokalen Netzwerkes Kinderschutz aus dem Jugendamt des Salzlandkreises. Und der Leiter des Polizeirevieres Salzlandkreis Eckehard Peters informierte, wie man reagiert, wenn körperliche Gewalt auf Frauen bemerkt wird und wie die Polizei nach solchen Hinweisen vorgeht.

Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, können sich unter Telefon (0 34 71) 31 11 35 Tag und Nacht melden. Hilfe finden sie auch in der ambulanten Beratungsstelle in Bernburg jeden Mittwoch.

Das Frauenhaus Staßfurt ist erreichbar unter den Nummern (0 39 25) 30 25 95 oder (01 62) 1 59 97 41.