38 Jahre lang standen Anneliese (70) und Erhard Steinert (75) hinter dem Tresen, sorgten stets dafür, dass es ihren Gästen an nichts mangelte. Doch damit ist jetzt Schluss: Die Steinerts verabschieden sich in den wohlverdienten Ruhestand.

Groß Börnecke l Mit einer kleinen Gaststätte am Kugelfang fing die gastronomische Karriere der Steinerts im Dorf an. Das Gebäude ging dann aber an die Schützen, so dass Anneliese und Erhard Steinert sich ein anderes Domizil suchen mussten. Durch einen glücklichen Zufall konnten sie 1978 das Grundstück samt Haus an der Oberen Kirchstraße kaufen, auf dem sich auch heute noch Hotel und Restaurant "Bördequell" befinden. Am neuen Standort ging es gleich mit einer goldenen Hochzeit los. "Dabei waren wir gerade erst mit der Renovierung fertig geworden. Wir haben praktisch die Handwerker zur Hintertür heraus gelassen und zur Vordertür die Gäste hereingebeten", erinnert sich Erhard Steinert.

Gefeiert haben im "Bördequell" im Laufe der Jahre aus vielen Börnecker Familien gleich mehrere Generationen, unter den verschiedenen Festen waren Jugendweihen, Konfirmationen, Hochzeiten und Hochzeitsjubiläen, auch Trauerfeiern. "Bei den großen Bauernhochzeiten war immer am meisten los, da ging richtig die Post ab", erzählt Anneliese Steinert heute. Neben den vielen Familien aus Groß Börnecke und der näheren Umgebung wie Schneidlingen und Tarthun haben die Steinerts auch mit vielen Betrieben zusammengearbeitet: "Wenn es eine Feier zu Weihnachten oder auch anderen Gelegenheiten gab, haben wir uns natürlich immer gefreut, wenn wir sie ausrichten konnten."

Auch bei zahlreichen Festen wie Zwiebelmärkten und Heimatfesten in der Nähe haben die Steinerts dafür gesorgt, dass niemand hungrig oder durstig bleiben musste. "Beim Zwiebelmarkt oder auch beim Motocross-Rennen in Westeregeln waren immer mehrere Tausend Besucher, da hatten wir eine ganz schön große Verantwortung", weiß Anneliese Steinert. Aufgetischt wurden bei solchen Gelegenheiten Gulasch, Buletten, Schaschlik und vieles mehr.

Fanden die Feierlichkeiten im großen Saal des Restaurants statt, ging nichts ohne das Frikassee der Hausherrin: "Da mussten schon mal 700 Klößchen für 200 Portionen geformt werden, aber das Frikassee durfte nicht ausfallen, darauf haben unsere Gäste immer bestanden", freut sich Anneliese Steinert rückblickend.

Überhaupt seien sie nie aneinander geraten mit ihren Gästen. Erhard Steinert erinnert sich: "Wir hatten nie Probleme mit Schlägereien, wenn sich mal zwei Leute nicht ganz grün waren, haben wir sie gebeten, ihren Streit vor der Tür auszutragen. Das hat auch immer geklappt, weil uns die anderen Gäste immer unterstützt haben, auch und besonders die Jugendlichen. Das war für uns immer etwas ganz Besonderes."

Der Frieden im Hause hatte noch ganz andere Vorteile als die reine Ruhe: "Wir mussten uns darum auch zu DDR-Zeiten keine Gedanken machen, woher wir neues Geschirr und neue Gläser nehmen mussten, wir brauchten ja keine neuen anschaffen, weil unsere Gäste so pfleglich damit umgegangen sind. Der Zusammenhalt war einfach prima."

Doch mit dem Leben in der Gaststube ist es nun vorbei, seit Ende Juli bleibt die Tür im "Bördequell" geschlossen. Sechs Jahre lang haben die Steinerts erfolglos nach einem Nachfolger gesucht. "Natürlich ist es nicht ganz einfach für uns aufzuhören. Unser Geschäft war ja immer unser Lebensinhalt. Dieses Lebenswerk jetzt zu beenden ist schon schwierig. Aber wir erinnern uns immer gern an die Zeit hier im Hotel und Restaurant und unterwegs, und die vielen Feste mit unseren Gästen werden uns immer in Erinnerung bleiben", erklärt Anneliese Steinert. Sie möchte noch ein Dankeschön loswerden: "Wir haben all die Jahre so gut mit den Betrieben in der Nähe und den Leuten im Ort und in der Umgebung zusammen gearbeitet. Man hat uns da eine Menge Vertrauen entgegen gebracht, für das wir uns noch einmal ganz ausdrücklich bedanken wollen."

Kochen werden Anneliese Steinert und ihr Mann Erhard jetzt nur noch für sich und die Familie. Für ihre Kinder, Enkel und Urenkel haben sie nun mit dem Ruhestand mehr Zeit. Auch einem ruhigen Weihnachtsfest ohne Bedienstress hinter der Theke im "Bördequell" steht nun nichts mehr im Wege.