Wer dieser Tage auf dem mittleren Bahnsteig des Staßfurter Bahnhofes anreist, der könnte unter Umständen in eine missliche Situation kommen. Dies zumindest, wenn derjenige schlecht zu Fuß ist oder gar im Rollstuhl sitzt. Der Grund hierfür: Seit geraumer Zeit ist der Fahrstuhl defekt.

Staßfurt. Horst Rasch wird 80 Jahre alt. Er ist schlecht zu Fuß. Seit vielen Jahren hat er einen schwerbehinderten Ausweis. Oft ist er auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Zum Beispiel die Deutsche Bahn. Gelegentlich fährt er von Staßfurt in Richtung Magdeburg. Bisher war das kein Problem.

Doch jetzt sind derartige Ausflüge zur Tortur geworden. "Seit vier Wochen ist in Staßfurt der Fahrstuhl am mittleren Bahngleis kaputt", erzählt er. Die Alternative ist eine Treppe mit gut 40 Stufen. Eine Eisentreppe, die aufgrund des Wetters auch noch außerordentlich glatt ist. "Man muss nicht gehbehindert sein, um sich da das Genick zu brechen", sagt er verärgert.

Rollstuhlfahrer über die Gleise getragen

Für Rollstuhlfahrer gibt es derzeit keine Möglichkeit auf den mittleren Bahnsteig zu gelangen, geschweige denn ihn zu verlassen. "Ich habe gesehen, wie ein Rollstuhlfahrer von zwei Personen über die Gleise getragen wurde", erzählt Horst Rasch. "Lebensgefährlich ist das", schimpft er. Es sei gar nicht auszudenken, was dabei alles passieren könnte.

"Katastrophal", findet das auch Gabriele Meyer, Mitarbeiterin der Stadt im Fachbereich Stadtsanierung und Bauen. Allerdings seien ihr derzeit die Hände gebunden, sagt sie.

An dem Fahrstuhl ist die Lichtschranke defekt. Die Reparatur sei bereits in Auftrag gegeben worden. Allerdings werde dafür ein spezielles Bauteil benötigt, das zwar bestellt worden ist, jedoch sei es noch nicht eingetroffen. "Wir rechnen jede Minute damit, dass das Ersatzteil geliefert wird", so Meyer. Es werde dann selbstverständlich umgehend eingebaut.

Wie Rollstuhlfahrer bis dahin den Bahnsteig erreichen oder verlassen können, weiß sie jedoch auch nicht.

Zuständig sei hierfür eigentlich die Bahn, sagt Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann. Eine Anfrage an die Pressestelle der Deutschen Bahn Sachsen-Anhalt blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. "Wir müssen den Sachverhalt erst prüfen", so die Pressesstelle gestern. An einer Stellungnahme werde aber umgehend gearbeitet.

Problem: Vandalismus in den Fahrstühlen

Das Problem "Fahrstuhl" ist in der Stadtverwaltung bereits bekannt. "Es ist nicht das erste Mal, dass der Aufzug defekt ist", erzählt Gabriele Meyer. "Wir können gar nicht so schnell reparieren, wie er wieder kaputt gemacht wird."

Zu 90 Prozent geschehe dies durch Vandalismus. "Fahrradfahrer beispielsweise fahren mit dem Rad in den Aufzug und treten dann mit den Füßen die Knöpfe", erzählt die Mitarbeiterin der Stadt. Andere nutzen den Aufzug als Spielplatz oder zum Aufwärmen.

Wie man dem Einhalt gebieten kann, weiß die Stadtverwaltung leider nicht. Die Polizei fährt in diesem Bereich zwar vermehrt Streife, doch es will einfach nicht gelingen den Vandalismus auszumerzen.

Wie wichtig solch ein Fahrstuhl auf dem Bahnhof ist, zeigt sich erst, wenn er nicht mehr funktioniert. So fluchte gestern so manch Reisender, der das schwere Gepäck die 40 Stufen hochschleppen musste. Aber immerhin konnten diese Personen das. Rollstuhlfahrer haben keine Alternative.

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