Die Begegnung mit der gnadenlosen Naturgewalt aus Schnee und eisigem Wind vom Donnerstagabend steckte gestern noch zahlreichen betroffenen Kraftfahrern in den Knochen. Aus den Erlebnissen spricht aber auch große Dankbarkeit gegenüber den selbstlosen Helfern und für das einzigartige Gemeinschaftsgefühl. Wie sie das berührte, schilderte beispielsweise Annemarie Schuster aus Löderburg, die quasi vor ihrer Haustür mit dem Auto drei Stunden im Schnee feststeckte.

Staßfurt. "Bei allem, was die Kraftfahrer am Donnerstag zwischen dem Löderburger See und der Groß-Börnecker Chaussee erlebt haben, die stundenlang in den Schneewehen steckten: Irgendwie berührt mich das großartige Gemeinschaftsgefühl, das wir erfahren haben, am meisten", erzählte Annemarie Schuster aus Löderburg gestern noch tief beeindruckt davon, was ihr und den Leidensgenossen in der eisigen Kälte geschah. "Das war schon fast wie eine rührende Weihnachtsgeschichte."

Die Löderburgerin wollte eigentlich nach Hecklingen nur einen kurzen Weg erledigen. "Doch dann war vor uns ein BMW im tiefsten Schnee stecken geblieben. Die Straße am See vorbei war nur aus Richtung Hecklingen gesperrt. Im Nu bildete sich ein Stau. Drei Stunden haben wir festgesessen. Ich habe Todesängste ausgestanden", berichtet Annemarie Schuster. Umso mehr wurde sie von den Männern begeistert, die beim Freischippen der Autos "Höchstleistungen vollbrachten". Und dafür möchte sie sich ausdrücklich bedanken. "Nicht zuletzt bei meinem Mann und dessen Kollegen Mensching. Ich habe meinen Mann angerufen", schildert die Löderburgerin. Der hätte wie seine Kollegen vom Sodawerk die Weihnachtsfeier, auf der sie weilten, ja auf jeden Fall verdient. Aber sie zögerten nicht lange, fuhren zum Baumarkt und kauften extra noch ein paar Schippen. "Auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und andere Kraftfahrer halfen. Alle waren so nett und alles hat geklappt. Es war eine ganz tolle Sache, dass wir da trotzdem noch so glücklich herauskamen aus der Chaos", beendet Annemarie Schuster ihren Bericht.

Wie der Löderburgerin erging es am Donnerstag etlichen Autofahrern rund um Staßfurt. Zwischen Rathmannsdorf und Hohenerxleben befreiten die Feuerwehren Rathmannsdorf und Staßfurt einige Kraftfahrer. Die Straße war gestern Mittag noch gesperrt, um die fast einen Meter hohen Schneeverwehungen auf der Strecke zwischen Rathmannsdorf und Abzweig Friedrichshall zu beräumen. Vollenden konnte der Schneepflug sein Werk bis zum Abend allerdings nicht.

Den Helfern, deren Namen in dem Chaos meist unbekannt blieben, ist unterdessen nicht genügend zu danken. Von Donnerstagmittag bis in den späten Abend hinein halfen zum Beispiel zwei Rathmannsdorferinnen zahlreichen Kraftfahrern, die kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Güsten im Schnee steckten (Volksstimme berichtete). Beim vierten Auto hörten Ramona Fugmann und Anett Heinrich auf zu zählen. Schließlich kam dort gegen 22 Uhr noch das THW zu Hilfe und zog einen Lkw aus dem Schlamassel. Dessen Fahrer, ein Sachse, hatte zuvor andere mit befreit, wie auch ein Geländewagenfahrer aus dem Raum Goslar.

 

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