Seinen 80. Geburtstag feiert heute Wolfgang Simon aus Hakeborn. Der Jubilar kann auf ein sehr bewegtes Leben zurück blicken. Neben der Musik zählt auch das Arbeiten in seiner Werkstatt zu seinen Hobbys. Wolfgang Simon pflegt eine alte Familientradition. Seit 58 Jahren ist er als Stellmacher tätig.

Hakeborn (ner). Auf den Tag genau vor 80 Jahren erblickte Wolfgang Simon in Hakeborn das Licht der Welt und es sollte ein bewegtes Leben werden. Nach dem Besuch der Schule erlernte er von 1946 bis 1948 den Beruf des Stellmachers und das hatte Tradition. Schon sein Ur-Urgroßvater, Urgroßvater und sein Vater, der kurz vor Beendigung des zweiten Weltkrieges gefallen war, waren als Stellmacher tätig.

22 Jahre war er, als er 1952 den Betrieb seines Vaters mit der Auflage übernehmen musste, den Meisterbrief im Laufe eines Jahres abzulegen. Die Meisterprüfung verzögerte sich durch die Wirren des Aufstandes von 1953 ein wenig, wurde dann aber 1954 erfolgreich abgeschlossen. Obwohl für Wolfgang Simon die Fortsetzung und der Abschluss der Schulausbildung geplant waren, er so gern Förster geworden wäre, wurde 1952 die Stellmacherei zu seinem Betrieb.

Deren gefühlter Chef ist er immer noch – seit nunmehr 58 Jahren. "Es hätte schlimmer kommen können", sagt Wolfgang Simon mit einem Augenzwinkern.

Musik sorgt für genügend Motivation

Er erledigte Holzarbeiten für den gesamten Ort. Zu seinen Kunden zählten auch die Firmen und Bauern in der Umgebung. Trotz immer schlechter werdender Ersatzteilversorgung half er immer, wo er konnte. "Es kann nicht schaden, auf ein zweites Standbein zu setzen", sagte der Hakeborner und übernahm die Lohnschrotmühle und schrotete für die Bevölkerung in Hakeborn und Umgebung.

Nach vielversprechendem Start und sehr harter Arbeit in den ersten Jahren des Wiederaufbaus kamen in den 60er Jahren die ersten Sorgen: "Was wird aus meinem Betrieb, was wird aus mir und meiner Familie?". Das private Handwerk passte nicht in die sozialistischen Wirtschaftsstrukturen und so wurden "die Privaten" in Produktionsgenossenschaften des Handwerks umgewandelt.

Auch den Stellmachermeister hat diese Frage stark beschäftigt. Doch diesen Schritt wollte er nicht gehen.

Im Jahre 1966 kam dann das Aus für den Betrieb. Fortan war er in der LPG des Ortes tätig. Anfangs in der Werkstatt für sämtliche Holzarbeiten, später dann auf dem "Boden", wo geschrotet und das Futter für die Tiere angemischt wurde.

Erstaunlich, woher er seinen nie versiegenden Humor nimmt. Für ihn ist das Glas immer halbvoll, nie halbleer. Und da gibt es etwas, was neben seiner Ehefrau Irmgard und seiner Familie für genügend Motivation sorgt: Es ist die Musik. Wolfgang Simon sagt es so: "Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder!"

Wolfgang Simon denkt nicht ans Aufhören

Die Musik ist seit den siebziger Jahren zu einem festen Bestandteil seiner Freizeit geworden. Er ist Mitglied der "Hakeborner Dorfmusik" und das mit einer Hingabe, die seinesgleichen sucht. Getreu seinem Wahlspruch "Nicht jeder kann ein Mozart sein", spielt er sein Tenorhorn mit einer Leidenschaft und was des öfteren zu beobachten ist: So zu den Titeln zu singen und die Zuschauer mitzunehmen – das kann nur er.

Neben diesem Hobby ist er seit langen Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und auch hier mit ganzem Herzen bei der Sache.

Ans Aufhören denkt der heute 80-Jährige noch lange nicht. Die Werkstatt, die seit 2009 in neuem Gewand erstrahlt, ist sein Leben. Manche Hochzeitskutsche hat er in den letzten Jahren auf seinem Hof gehabt. Er baut dann wie immer Wagenräder, so wie er es vor vielen Jahren schon getan hat.

Auch wenn die Mühle heut‘ keinen Ton mehr von sich gibt, wenn man ganz genau hinhört, ist es noch zu hören: Das Brummen der Motoren – oder ist es doch die Blasmusik? "Holz, Mühle, Blasmusik - Ja, das ist mein Leben. Und das wird auch erst mal so bleiben", erklärt der Hakeborner.