Für die 16 Erzieherinnen der Kita "Regenbogenland" gab es kürzlich Zertifikate. Diese stellten den Abschluss eines einjährig-andauernden Qualifikationskurses dar. In dem erarbeiteten sie gemeinsam mit einer Referentin neue pädagogische Ansichten. Damit ist "Regenbogenland" die erste der städtischen Kitas, die diese Weiterbildung durchführte.

Stendal. Kinder einfach mal machen lassen, nicht immer Angst bei jedem Schritt der Kleinen haben, ihnen vertrauen: Das ist eine Erkenntnis, welche die Erzieherinnen der Kita Regenbogenland gewonnen haben.

Innerhalb eines Jahres absolvierten die 16 Erzieherinnen allesamt eine 100-stündige Fortbildung. Diese Qualifizierungskurse des Betreuungspersonals fanden nun sein Ende. Durch sechs Module arbeiteten sich die Erzieherinnen, darunter wurden Themen wie die Förderung frühkindlicher Bildungsprozesse, pädagogische Professionalität oder Gestaltung von Übergängen bearbeitet.

"Wir können nun auf Situationen besser reagieren"

Die Referentin, die auch aus der Praxis kam, war Anke Kröning vom Verein Bildung und Leben, und sie ist Leiterin der Stendaler Kita "Märchenland". "Sie führte mit uns einen intensiven, fachlichen Diskurs über die praktische Arbeit", sagt Regenbogenland-Leiterin Kerstin Wille.

Anlass der Qualifizierung sei der in der Geschichte veränderte Bildungsbegriff. Immer wieder seien andere Aspekte der Bildung betont wurden. "Das neue Bildungsprogramm von Sachsen-Anhalt gab uns Werkzeug in die Hand, um auf die veränderten Situationen besser reagieren zu können", sagt Wille. Bildung verstehe sich heute nicht mehr als bloße Anhäufung von Wissen, es gelte vielmehr zu verstehen, dass Bildung ein lebenslanger und selbsttätiger Prozess ist. Die Kinder setzen sich bereits seit ihrer Geburt mit der Welt, die sie umgibt, aktiv und neugierig auseinander. Jedes Kind entwickele dabei individuelle Taktiken.

Diese Erkenntnisse und das veränderte Bild vom Kind hätten die Kita Regenbogenland herausgefordert, nicht einfach nur "nachzuplappern", was das Bildungsprogramm vorgibt. So sei es dann zur Teilnahme am Qualifizierungsprojekt gekommen.

"Ich habe nicht mehr soviel Angst wenn Kinder spielen"

"Die Erkenntnis, dass eigene Arbeit auch stets und täglich reflektiert werden muss, ist uns klarer geworden und stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Wir Erzieherinnen sind uns bewusst, dass wir dafür Sorge zu tragen haben, den Kindern eine bildungsstimmulierende Umwelt zur Verfügung zu stellen", sagt eine Erzierhin in der Abschlussrunde.

Zu der waren neben den Erziehrinnen und der Referentin auch Amtsleiter für Jugend, Sport und Soziales Torsten Mehlkopf und Sachgebietsleiterin Bärbel Janssen zu Gast. In der Runde berichteten die 16 Erzieherinnen den anwesenden Stadtvertretern aus ihrer Zeit in dem Jahr der Fortbildung. "Es ist nämlich vorgesehen, dass auch die Erzieherinnen der anderen städtischen Kindertagesstätten solche einen Qualifizierungskurs absolvieren", verriet Mehlkopf.

Sie habe nicht mehr soviel Angst, wenn Kinder spielen. Außerdem sorgte der einjährige Fortbildungskurs für ein noch besseres Klima unter den Erzieherinnen. "Unsere Kinder sehen wir heute überwiegend als selbständige Akteure ihrer eigenen Entwicklung", äußerte sich eine Erzieherin positiv.

Dabei verliere die Kompetenz der sie begleitenden Erwachsenen aber nie an Bedeutung, vielmehr sei das Gegenteil der Fall. Erzieher und Erzieherinnen seien hier viel stärker gefordert als früher.

"Weitere Veränderungen wird es selbstverständlich geben, denn auch wir befinden uns stets in Bewegung. Ich wünsche mir auch, dass wir die Räumlichkeiten in der Kita gemeinschaftlich umgestalten", sagt Wille und erhält zustimmendes Nicken ihrer Kolleginnen.

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