Kommt die neue Brücke über der Osterburger Straße nun 2011 oder kommt sie nicht? Die Deutsche Bahn AG zieht den Zeitplan in Zweifel. Die Stadt sieht das Projekt im Plan.

Stendal. Der für kommendes Jahr geplante Neubau der Eisenbahnbrücke an der Osterburger Straße scheint in weite Ferne zu rücken. Das zumindest befürchtet die Deutsche Bahn AG. Nach Informationen, die der Volksstimme vorliegen, rückt das Schienenunternehmen vom Zeitplan für das kommende Jahr ab, mit welchem das Projekt bis nächsten November realisiert werden sollte.

Danach hätten im Februar 2011 erste Baumfällungen erfolgen müssen; auch weil die Straße breiter geplant wird. Für die Zeit zwischen dem 1. und 11. November läge zudem eine Zusage für eine Streckensperrung Richtung Borstel an der Bahnlinie Stendal–Wittenberge vor. Dann sollte der Brückenrahmen gefertigt werden. Ab 12.November hätte der Verkehr wieder rollen können, so die Bahn AG.

Es geht um 30 Zentimeter. Seit 2003 haben die Hansestadt und der Berliner Konzern zusammen einen Plan für den Brückenneubau entworfen. Dabei wurde in einer Vereinbarung mit allen Beteiligten eine lichte Weite von 13,20 Metern und eine lichte Höhe von 4,20 Metern festgeschrieben. Alle weiteren Entwürfe hätten sich, so die Auskunft der Bahn und ihrer Planer gegenüber dieser Zeitung, daran orientiert. Bis zum Oktober 2010, als parallel längst eine so genannte Kreuzungsvereinbarung verfasst wurde. Vor zwei Monaten nun habe die Stadt ihren Änderungswunsch eingereicht. Plötzlich, so argumentiert die Bahn-Seite, sollte die lichte Höhe auf 4,50 Meter steigen; eine Forderung des Tiefbauamtes. Wer dafür die Kosten übernimmt, weiß die Bahn AG auch – die Stadt muss die Mehrkosten tragen, heißt es. Denn Umplanungen seien jetzt notwendig, und die gäbe es nicht zum Nulltarif. Bei Gesamtkosten von rund zwei Millionen Euro ein eigentümlich anmutendes Geplänkel.

Die Bahn aber nennt die Änderungen zudem kurzfristig und droht schon mal mit Konsequenzen – im Hinblick auf den bereits vereinbarten Fertigstellungstermin. So wäre nach gegenwärtigem Stand ein Neubau aus Sicht des Reise- und Logistikkonzerns nicht vor 2014 möglich.

Das hält Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) für reichlich übertrieben. "Größere Änderungen sind durch unseren Vorschlag nicht notwendig", sagte das Stadt-oberhaupt gestern der Volksstimme. Die Straße könne weniger hoch aufgeschottertet werden. Schon würde sich das Problem erledigen, bekräftigte Schmotz. Das beeinträchtige den Brückenbau kaum.

Die neue Höhe, argumentiert Schmotz, resultiere aus den Unfällen an der Brücke in der jüngeren Vergangenheit. Zuletzt war am 11. April dieses Jahres ein mit Sperrmüll beladener Lastkraftwagen gegen das Geländer der Brücke geprallt und hatte es erheblich beschädigt. Deshalb also jetzt der neue Sicherheitsabstand.

Schmotz räumte gestern ein, dass der Änderungswunsch der Stadt zwar kurzfristig angemeldet wurde. Doch der Bau sei aus seiner Sicht nach wie vor 2011 realisierbar. Man könne noch immer miteinander reden und alles Wichtige vereinbaren.