Von Frank Eckert

Stendal. Gegen die Eigentümer der 564 Wohnungen in Stendal Süd liegt nach Informationen der Stendaler Volksstimme eine Strafanzeige eines Mieters aus der Hanseallee "wegen gemeinschaftlichen Betruges und Unterschlagung" bei der Polizei Stendal vor. Der M&E Real Estate GmbH wird vorgeworfen, "seit geraumer Zeit die ihnen treuhänderisch von den Mietern überwiesenen Betriebskosten" zu unterschlagen und "nicht ordnungsgemäß an die Versorgungsunternehmen weitergeleitet, sondern für private Zwecke" verbraucht zu haben.

Der Stendaler Geschäftsstellenleiter von M&E, Jörg Glewwe, konnte dies gestern nicht bestätigen. Ihm sei bislang keine Anzeige zugegangen, sagte er der Volksstimme. Er selbst wird in der Anzeige als ein Vertreter der angezeigten Firma namentlich aufgeführt. Vielmehr konnte er bestätigen, dass das Unternehmen, welches er vertritt, seit Wochenbeginn über die Wärmeversorgung mit dem Vertragspartner Techem verhandelt. Vorübergehend war die Wärmelieferung in Stendal Süd am vorigen Wochenende unterbrochen worden. Ob es zu einer endgültigen Lösung im Streit um Abschlagszahlungen kommt, konnte Glewwe nicht sagen.

Immerhin gab es aber gestern doch eine schnelle Übereinkunft in der Frage der ausstehenden Zahlungen in Höhe von 115000 Euro an den Wärmelieferanten. "Wir haben jetzt 50000 Euro an Techem überwiesen. Da bereits 65000 Euro auf einem Sperrkonto liegen, auf welches Techem Zugriff hat, ist die Summe damit soweit beglichen", sagte Glewwe gestern Nachmittag.

Für den Fall, dass jedoch erneut Heizungen und Warmwasser blockiert werden sollten, hat nun die Stadt eine eigene Vorsorge getroffen. Für die betroffenen Anwohner wird die Sporthalle in Süd zum Aufwärmen, nicht jedoch zum Übernachten, im "Rahmen der Gefahrenabwehr", wie Stadtsprecherin Sibylle Stegemann betonte, bereitgehalten. Sportvereine können die Halle deshalb derzeit nicht nutzen. "Oberbürgermeister Klaus Schmotz hofft, dass sich die Probleme jetzt endgültig lösen lassen und die Mieter nicht weiter Leidtragende sind", ergänzte Sibylle Stegemann.

Fakt ist in jedem Fall: Da noch immer nicht die komplette Kaufsumme von den Besitzern der ersteigerten Wohnungen überwiesen worden ist, hat die Gläubigerbank Delta Lloyd AG aus Mainz erneut ein Zwangsversteigerungsverfahren eröffnet. Nach wie vor soll ein erheblicher Betrag offen sein. Die Gesamtsumme der Versteigerung vom 13. Juli 2009 belief sich auf 2,8 Millionen Euro. Erst ein geringerer Teil ist an die Gläubigerbank beglichen worden. Hierzu konnte Glewwe keine Auskunft geben. Das alles sei Sache der Eigentümer.

Nach Informationen dieser Zeitung steht die Wiederversteigerung kurz bevor. Zwar wurde dafür noch kein Termin anberaumt. Ein Block sei davon betroffen, der noch nicht bezahlt worden ist, hieß es gestern.