Ein großer Findling, etwas versteckt im Wald bei Borstel, erinnert seit 17 Jahren an im Krieg gefallene Fallschirmjäger. Der Ehrenstein ist jedes Jahr zum Volkstrauertag Ziel für ehemalige Kameraden, die mit ihrem Gedenken auch stets die Erinnerung an Kriegsleid wachhalten.

Stendal. "Der Gedenkstein hier am Borsteler Flugplatz wird die Welt nicht verändern.Aber er beeinflusst so manche Sicht der Dinge, manche Deutung der Gegenwart", betonte Oberst a.D. Dieter Michel vom Bund deutscher Fallschirmjäger am Volkstrauertag. Der Stein erinnere nicht nur an das Leid, das im zweiten Weltkrieg verursacht wurde, und an die gefallenen Fallschirmjäger, sondern sei auch "eine Brücke für die junge Generation, die immer mehr Interesse an der Aufarbeitung der Geschichte zeigt".

Auf dem Stendaler Flugplatz, der 1934 gebaut wurde, begann 1936 die erste Fallschirmjägerausbildung in Deutschland, weshalb Borstel als "Wiege der Fallschirmjäger" gilt. Unter den Soldaten, die hier eine Grund- und Sprungausbildug erhielten, waren auch bekannte Sportler wie zum Beispiel der Boxer Max Schmeling.

Als sich nach der Wende die Fallschirmjägerkameradschaft in Stendal gründete und eine Gedenkstätte suchte, kam der Platz am ehemaligen Haupteingang zum Flugplatz unterhalb der Villa des Kommandanten in Frage. Nach Zustimmung des Bundesvermögensamtes war es überwiegend der Borsteler Alfred Schulz, der das Areal für diese Stätte herrichtete. Ein großer Findling aus der Gegend bei Erxleben wurde vom Borsteler Steinmetzmeister als Gedenkstein bearbeitet und 1993 aufgestellt.

Bewegende Worte des Sohnes

Der damalige Fallschirmjäger Fritz Giese aus Darmstadt, der noch jedes Jahr zur Gedenkfeier nach Stendal kommt, war der Stifter des Steines. Daher kam es am diesjährigen Volkstrauertag zur Begegnung und zum Gespräch zwischen ihm und dem Stendaler Peter Adelsheimer. Der 69-jährige Adelsheimer zeigte dem Gast ein Foto von seinem Vater Ludwig Adelsheimer, der 1938 der ersten Fallschirmjägereinheit in Borstel angehörte. Dabei schilderte der Sohn in bewegenden Worten, dass er seinen Vater kaum kennengelernt habe, denn dieser fiel bereits im Alter von 24 Jahren 1944 als Oberleutnant bei Kreta und wurde auf einem griechischen Dorffriedhof beigesetzt.

"Ich bin besonders dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dankbar, dass dieser das Grab meines Vaters aufspürte und die sterblichen Überreste auf dem großen zentralen Soldatenfriedhof in Monte Cassino (Italien) zur letzten Ruhe bettete", sagt Adelsheimer. Nach der Maueröffnung besuchte er erstmalig das Grab seines Vaters und stand bewegt vor dem grauen Grabstein. "Im Gedenken an meinen Vater und die anderen gefallenen Soldaten, die im unsinnigen Krieg ihr Leben gelassen haben, aber auch als Anklage gegen den Krieg nehme ich regelmäßig an den Gedenkveranstaltungen teil", so Peter Adelsheimer.