Bücher, Tassen, Teller, Schnaps – typische Gastgeschenke, wenn Oberbürgermeister Klaus Schmotz offiziellen Besuch bekommt. Mit manchen der Gaben aber verbinden sich ganz emotionale Momente, bewegende Begegnungen oder kuriose Begebenheiten. Eine Geschichte über den ideellen Wert von Geschenken.

Stendal. Sollte der Stadt mal das Geld für Bewirtungskosten ausgehen – Herr Schmotz hätte da noch was in petto. Darf‘s ein chinesischer Schnaps sein oder doch lieber ein Kirschwasser aus dem schweizerischen Zug in dekorativer Turmflasche? Zumindest gegen den Durst findet sich im Sammelsurium der Gastgeschenke für Stendal das eine oder andere Schmankerl. Doch in all den Jahren, in denen der Schnaps schon Klaus Schmotz als Stadtoberhaupt gehört – er würde ihn nie anrühren.

"Es sind Gastgeschenke, damit sollte man nicht achtlos umgehen", ist seine Devise. Dass nicht alles, was Delegationen und Besucher als freundliche Geste überreichen, von künstlerisch hohem Wert ist, ist unbestritten. Aufgehoben aber wird alles. Manches im Büro des Oberbürgermeisters, manches – wie die signierten Handbälle aus Lemgo – in den passenden Ämtern, der Großteil jedoch im Altmärkischen Museum.

Mit vielen Geschenken, die der Oberbürgermeister schon entgegengenommen hat, verbinden sich kleine Geschichten, Erinnerungen, bewegende Momente.

Auf den ersten Blick langweilig erscheint zum Beispiel die "Urkunde Nr. 19", die Klaus Schmotz zusammen mit einer Medaille im Juni 2006 von seinem Amtskollegen in der polnischen Partnerstadt überreicht bekam – für Verdienste um die Stadt Pulawy. Schmotz hatte dem Rolandfest abgesagt, um bei der Feier des 100-jährigen Stadtrechts dabei zu sein. Wie schwierig das Verhältnis zu Deutschland zuweilen immer noch ist, wurde ihm dabei bewusst. So ließ er sich zwei, drei Sätze zur Begrüßung auf Polnisch beibringen. "Das", so sagt Schmotz, "brachte mehr Aufmerksamkeit als hundert Geschenke."

Mit einem unauslöschlichen Eindruck verbunden ist auch der Pokal zur Deutschen Meisterschaft im Motorkunstflug 2004. Schmotz sollte zur Siegerehrung da sein, "in nicht zu feinem Zwirn", wurde ihm empfohlen. Dass er dann mit einem Kunstflugpiloten einmal die komplette Palette fliegen sollte, konnte er höchstens ahnen. "Wir fingen mit Looping an", erzählt Klaus Schmotz lachend, "das ist mir bekommen, also haben wir dann alles gemacht, Rolle, Abschwung, das ganze Programm."

<6>Nicht jeder Gast bringt ein Geschenk mit. Das findet der Oberbürgermeister aber nicht schlimm. "Da bin ich vielleicht eher nüchtern", sagt er. Aber auch beim Amtsmenschen Schmotz schimmert ein wenig das Kind hervor, wenn er auf einen Stuhl klettert und ein Gastgeschenk, das auf dem Schrank steht, etwas weiter hervorzieht. Das Modell des ICE, der am 13. Januar 2003 auf den Namen "Stendal" getauft wurde. "Ich finde, das ist eine schöne Idee", sagt Schmotz und erklärt noch, dass der Miniaturzug auch wirklich fahren kann. Ein Modelleisenbahner habe das ausprobiert.

Je länger Klaus Schmotz an dem Tisch mit den extra aus dem Museum geholten Gastgeschenken steht, desto mehr Geschichten fallen ihm ein. Es ist eben doch fast alles etwas Besonderes. Was in dem chinesischen Schnaps in der dekorativen Flasche drin ist, lässt ihm denn auch keine Ruhe. "Man hat es mir erklärt, aber ich hab‘s vergessen", sagt er und fügt lakonisch an: "Manchmal tun die Chinesen ja merkwürdige Dinge in ihren Schnaps."

Die Redaktion hat nachgeschlagen und festgestellt: Fenjiu ist ein Hirseschnaps aus Shanxi, der es in der Tat in sich hat: bis zu 65% nämlich.

   

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