Stendal l Wechsel an der Spitze der Stendaler Stadtratsfraktion Die Linke/Bündnisgrüne! Helga Zimmermann gibt Anfang Januar den Vorsitz ab. Ihr Nachfolger wird Mario Blasche, den die zwölfköpfige Fraktion einstimmig wählte. Darüber informierte die Frak- tionsspitze gestern in einem Pressegespräch.

Es sei Halbzeit der Legislaturperiode und damit sei der Wechsel ohne Stress zu vollziehen, erklärte Zimmermann den Zeitpunkt. 17 Jahre habe sie an der Fraktionsspitze gestanden. Nun sei es Zeit für "frischen Wind", so die 66-Jährige. Schmunzelnd schickte sie hinterher: "Ich will nicht irgendwann aus dem Rathausfestsaal rausgetragen werden."

Deshalb tritt sie nun in die zweite Reihe. "Sie macht einen halben Schritt zurück", korrigierte Blasche und machte klar, dass die Fraktion und er nicht auf die Mitarbeit der erfahrenen Frontfrau verzichten möchten. "Helga Zimmermann hinterlässt riesengroße Fußstapfen. Sie ist nicht von heute auf morgen adäquat zu ersetzen", schätzte ihr 44-jähriger Nachfolger ein.

Deshalb soll die Arbeit im Fraktionsvorstand auf mehr Schultern verteilt werden. Er wurde von drei auf vier Mitglieder erweitert, die sich jeweils Spezialgebieten widmen. Mario Blasche hat vornehmlich das Dienst- und Beamtenrecht im Blick. Zimmermann, die ab Januar als eine von drei Stellvertretern agiert, widmet sich vornehmlich Kultur, Sozialem und Schule. Adolf Gröger (50 Jahre) beschäftigt sich vorrangig mit Finanzen, Ökologie und Energie. Und Enrico Schild (38), der neu in den Vorstand gewählt wurde, beackert Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung und Sportthemen.

Während des Pressegespräches ging das Quartett auf Schwerpunkte seiner Tätigkeit ein. So setzt Zimmermann auf bessere Informationen der Bürger. Einwohnerversammlungen sind wichtig, auch um Politikverdrossenheit abzubauen. Kröger sprach sich dafür aus, einen Bürgerhaushalt zu etablieren, bei dem die Einwohner der Stadt die Investitionsliste festlegen. 2013 sieht er dafür als guten Einstieg, weil dann eine neue Form der Buchführung in der Stadtverwaltung Einzug hält. Schild will dafür sorgen, dass mögliche Fördermittel für die Erschließung eines Gewerbegebietes in Borstel nicht aus den Augen verloren werden.

Als wichtige Aufgabe seiner Fraktion bezeichnete Blasche das "Engament für sozial Schwache". Da ist auch ein Anliegen ihrer Tätigkeit als Fraktionsvorsitzende gewesen, machte Zimmermann klar. Sie möchte jeden am gesellschaftlichen Leben der Hansestadt Stendal teilhaben lassen, fügte sie an. Und sie kam auch auf ihren Anspruch zu sprechen: "Wenn ich etwas anfasse, dann richtig oder gar nicht. Das kostet viel Kraft."

Vielleicht auch ein Grund für den Schritt in die zweite Reihe? Aber auch da wird es für sie wohl noch genügend zu tun geben. Ihre Genossen jedenfalls statteten sie mit einem Kochlöffel aus, damit "ich noch so manche rote Suppen anrühren kann", erzählte Zimmermann.

 

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