Für die Neuwegersleber Telegrafenstation ist die Winterpause beendet. Am Sonntag ist sie wieder von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen. Mitglieder der Interessengemeinschaft bereiten derzeit alles für diesen Tag vor.

Neuwegersleben l Noch gleicht der Stationsraum im ehemaligen Telegrafenturm in Neuwegersleben einer Baustelle. Die geschlossenen Fensterläden, die kahlen Wände und fehlenden Arbeitsutensilien erinnern noch immer an die lange Winterpause. Derzeit gibt einzig und allein der Signalmast, der sich vom Erdgeschoss über das Obergeschoss bis hin auf das Dach erstreckt, mit seinen Stellhebeln im Stationsraum und Indikatoren auf dem Dach einen kleinen Einblick in die optisch-mechanische Nachrichtenübermittlung der königlich-preußischen Telegrafenlinie Berlin-Koblenz. Doch das wird sich ändern. Am Sonntag wird die Station wieder für Besucher geöffnet und auch die dazugehörige Ausstellung zu sehen sein. Und zwar in der Zeit von 14 bis 17 Uhr.

Über eine Gesamtstrecke von 587 Kilometern und 62 Telegrafentürmen wurden mit dieser Telegrafenlinie in der Zeit von 1833 bis 1849 militärische Nachrichten übermittelt, die von Station zu Station mittels Fernrohr gelesen und durch jeweils drei Flügelpaare weitergegeben wurden. Wie die Nachrichtenübermittlung im Detail funktionierte, erklären die Mitglieder der Interessengemeinschaft "Optische Telegrafie" in der Station Nummer 18 in Neuwegersleben, wenn das technische Denkmal am Sonntag erstmals nach der Winterpause geöffnet ist.

Fenster werden geputzt und Räume gesäubert

Bis dahin steht noch jede Menge Arbeit an. Die Fenster müssen geputzt, die Räume gesäubert und der Stationsraum eingeräumt werden. Neben zahlreichen Bildern sind die beiden Fernrohre die wohl wichtigsten damaligen Arbeitsutensilien, denn ohne den zielsicheren Durchblick der einstigen Telegrafisten zur vorherigen und nachfolgenden Station hätte diese Art der Nachrichtenübermittlung wohl niemals funktioniert.

Im Erdgeschoss des Gebäudes weist eine Dauerausstellung mit entsprechendem Leitsystem in Wort und Bild auf die Entwicklung der optischen-mechanischen Telegrafie hin, zeigt das Telegrafiersystem im europäischen Vergleich auf und informiert beispielsweise über verschiedene Telegrafencodierungen, die ausschließlich der militärischen Nutzung galten.

Die Station in Neuwegersleben wurde nach umfangreichen Restaurations- und Sanierungsmaßnahmen der übrig gebliebenen Ruine im Jahre 2001 für die Öffentlichkeit zugängig gemacht und ist die einzige, originalgetreu wiederhergestellte Station in Sachsen-Anhalt.

Der Signalmast ist voll funktionstüchtig

Der Signalmast ist voll funktionstüchtig und lädt mit seinen Funktionshebeln alle interessierten Besucher zum telegrafieren ein. Der Telegrafenturm ist in der Zeit von April bis September an jedem letzten Sonntag im Monat geöffnet, ebenso wie am Pfingstmontag und zum Tag des offenen Denkmals. Individuelle Besichtigungen und Führungen außerhalb der Öffnungszeiten sind über die Verbandsgemeinde Westliche Börde unter Telefon (039403)9910 möglich.

Eine Festveranstaltung zum 180-jährigen Bestehen der Telegrafenlinie ist für den Freitag, 6. September, im Schloss Ampfurth geplant, wo sich die ehemaligen Station Nummer 16 befunden hatte.