Zehn Ein-Euro-Jobber sind derzeit im Altenpflegeheim "Bethanien" beschäftigt, einige von ihnen bereits seit Jahren. Am 31. Dezember ist ihr letzter Arbeitstag. Ihre Arbeit könnten dann per Bürgerarbeit Beschäftigte übernehmen. Die Ein-Euro-Jobber kommen dafür nicht in Frage. Sie fühlen sich deshalb durch dieses neue Angebot für Arbeitslose benachteiligt.

Oschersleben. Vorlesen, Spazierengehen, auch einfach nur Händchenhalten und Zuhören – dafür hat das Altenpflegeheim "Bethanien" neben drei fest angestellen Betreuern zehn Ein-Euro-Jobber zur Verfügung. Einige bereits seit fünf Jahren. "Kontinuität ist besonders wichtig, denn die Alten, vor allem die Demenzkranken, brauchen Zeit, um sich an neue Menschen zu gewöhnen und Vertrauen zu fassen", legt Einrichungsleiterin Kerstin Odenbach Wert auf die Langfristigkeit.

Doch diese endet am 31. Dezember, da die Ein-Euro-Jobs nicht verlängert werden, was bisher im Rahmen der Regeln immer praktiziert wurde, berichtet Sonja Huth namens aller zehn per 1. Januar vor der Beschäftigungslosigkeit Stehenden. Warum ist Kerstin Odenbach da nicht konsequent und stellt die acht Frauen und zwei Männer an, zumal sie beteuert, auf ihre Mitarbeit angewiesen zu sein? "Die Leistungen, die die Ein-Euro-Jobber erbringen, sind zusätzlich und werden nicht von der Pflegekasse finanziert", begründet sie, weshalb sie die intern als notwendig erachtete und geschützte Arbeit nicht normal bezahlen könne.

Die Stadt Oschersleben beteiligt sich an der Bürgerarbeit, einem neuen Förderangebot der Arbeitsagentur. Vorgesehen ist die Umwandlung der so genannten Ein-Euro-Jobs im sozialen Bereich in Bürgerarbeitsplätze, allerdings nicht alle, erfuhr die Volksstimme auf Nachfrage von Cynthia Rösler aus der Pressestelle der Agentur für Arbeit in Magdeburg. "Es wird im Jahr 2011 noch Ein-Euro-Jobs geben, aber nur noch etwa halb so viele wie bisher, in Oschersleben wie in Haldensleben, Wolmirstedt und Wanzleben", ergänzte sie.

Kerstin Odenbach hat für die Betreuung sowohl Ein-Euro-Jobs als auch Bürgerarbeit beantragt. "Ihre" Ein-Euro-Jobber bekommt sie aber nicht als Bürgerarbeiter, und der drohende Personalwechsel macht ihr Sorge.

Die zehn Betroffenen sind sauer, dass sie als Bürgerarbeiter nicht in Frage kommen. Endlich von Hartz IV weg, hätten sie sich gefreut. "Wir engagieren uns und drehen nicht nur Däumchen wie manch anderer, und dafür stehen wir dann ohne Job da. Das ist ungerecht", fasst Sonja Huth die Empfindungen zusammen.

Dass sie nicht als arbeitslos gelten und deshalb für die Bürgerarbeit nicht in Frage kamen (siehe Info-Kasten) empört die Frauen und Männer noch mehr. Doch die Auskunft des Job-Centers, die sie so erzürnt, sei völlig korrekt, bestätigte Cynthia Rösler: Wer eine geförderte Arbeit hat oder in einer Qualifizierung steckt, zählt nicht als Arbeitsloser.

"Wir engagieren uns und stehen dafür dann ohne Job da"

Die Empörung fachte zusätzlich an, dass die Nichtverlängerung nicht etwa durch das Job-Center mitgeteilt wurde, sondern Kerstin Odenbach davon bei einer Informationsveranstaltung des Landkreises erfuhr. "Die Frage der Verlängerung kann immer erst dann endgültig beantwortet werden, wenn der Finanztitel des folgenden Jahres bekannt ist. Da dieser noch nicht bekannt war, wurden die Kunden auch zunächst nicht informiert", begründete Cynthia Rösler.

Die zehn Betreuer von "Bethanien" erhöhen per 1. Januar also die Arbeitslosenzahl im Bereich Oschersleben. Dem gegenüber stehen 533 von laut Statistik 580 arbeitslosen Bewohnern der Kernstadt Oschersleben, die innerhalb der Bürgerarbeitsphase 1 bisher angesprochen wurden, teilte Cynthia Rösler mit. 60 von ihnen seien nicht mehr als arbeitslos registriert, weil sie Arbeit fanden, qualifiziert werden oder beispielsweise wegen fehlender Mitwirkung aus der Statistik fielen. Die Phasen 1 bis 3 (siehe Kasten) dauern sechs Monate; wie viele Bürgerarbeitsplätze ab Januar 2011 nötig sein werden, stehe deshalb noch nicht fest. Ge–plant sind, so Cynthia Rösler, 180 im grünen und sozialen Bereich. Konkrete Einsatzorte konnte sie der Volksstimme noch nicht benennen.

"Die Aktivierungsphase könnte man sich bei uns sparen; wir können unseren Wecker stellen und pünktlich aufstehen, wir sind qualifiziert, haben Weiterbildungen absolviert", verstehen Sonja Huth und ihre Kollegen die Förderlogik nicht. Cynthia Rösler hält dagegen, dass auch bisher nicht geförderte Arbeitsuchende in den Genuss einer Unterstützung kommen sollen.

Dass es den Altenheimbewohnern nicht so egal ist, wer sie betreut wie einem Harkenstiel, wer ihn bewegt, ist ihr auch klar: "Im Job-Center wird die persönliche Eignung für den Bürgerarbeitsplatz berücksichtigt."

Was das Dilemma weder der Ein-Euro-Jobber in "Bethanien" noch das der Heimbewohner löst, die auf vertraute Gesichter verzichten müssen.