Die Oschersleber Kindertagesstätte Wawuschel darf sich von nun an "Kompetenz-Zentrum für frühkindliche Bildung" nennen. Dieses Gütezeichen hat sich das Erzieher-Team um Leiterin Susanne Specht durch Teilnahme an einem Modellprojekt vom Land Sachsen-Anhalt und durch ihr persönliches Engagement erarbeitet.

Oschersleben. Für den 12. Oktober standen sechs Ausrufezeichen im Kalender im Büro der Kindertagesstätte Wawuschel. An diesem Tag wurden die Evaluatoren erwartet.

Nach zwei Jahren Engagement für ein Modellprojekt des Landes Sachsen-Anhalt sollten sie sagen, ob sich die integrative Kindertagesstätte, wo 78 behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam betreut werden, fortan "Kompetenz-Zentrum für frühkindliche Bildung" nennen darf. Es folgte die Einladung nach Magdeburg, wo Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff das Zertifikat offiziell überreichte. "Wir waren erleichtert. Denn man darf nicht vergessen, dass in dem Projekt sehr viel persönliches Engagement der Erzieherinnen steckte", freute sich Kita-Leiterin Susanne Specht über die Anerkennung der Arbeit in ihrem Haus. Knapp zwei Jahre lief das Modellprojekt, bei dem sie mit ihren 19 Erzieherinnen den eigenen pädagogischen Ansatz untersuchte. Die Kindertagesstätte arbeitet nach der Lehre von Maria Montessori, und die Mitarbeiter fragten sich, wie sie damit die frühkindliche Bildung stärken. Ein Weg sind zum Beispiel die so genannten lebenspraktischen Übungen – egal ob Semmelbröselreiben oder Wassereingießen. "Das ist Bildung mit allen Sinnen. Alltagsgegenstände haben eine besondere Faszination auf Kinder", ist sich Susanne Specht sicher, die Sozialpädagogik studiert und ein Montessori-Diplom erworben hat. Jedes Kind erlebt, dass es Zuhause nicht alles anfassen darf, was nicht zu den Spielsachen gehört. In der Kindertagesstätte ist das anders. "Sie erfahren dabei, wie sie selbstständiger werden."

Andreas Schmidtgen, Vorstand der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der Einrichtung, ist von diesem Ansatz begeistert, bei dem die Kinder selbst entscheiden, wann sie sich mit ihren verschiedenen Übungen oder Materialien beschäftigen. "Das sind ganz komplexe Lernvorgänge, die dabei ablaufen. Sie üben Konzentrationsfähigkeit ein und entwickeln dabei ihre Persönlichkeit", erklärt er.

Dessen konnten sich die Erzieherinnen jedenfalls versichern, als sie die Übungen speziell für das Modellprojekt in den Blick nahmen, begleitet durch einen Coach und im Austausch mit Jugendamt und anderen Einrichtungen. Erzieherin Doreen Schmidtgen berichtet, was ihr das Projekt persönlich gebracht hat: "Die Bildungsprozesse macht man sich dadurch im Arbeitsalltag stärker bewusst."

Als eines von nur acht Kompetenz-Zentren in Sachsen-Anhalt "soll es darum gehen, sich konzeptionell mit anderen auszutauschen", erläutert Susanne Specht. Gleichzeitig wolle die Einrichtung selbst offen sein für Anregungen. Weiter gelte es, mit dem Jugendamt über die Strukturen frühkindlicher Bildung im alten Bördekreis ins Gespräch zu kommen.

Schließlich sei es zentral, gemeinsam Ideen weiterzuentwickeln. "Die Frage ist ja: Wie muss das Kind von heute lernen, damit es in einer komplexen Gesellschaft, wie wir sie haben, bestehen kann", betont Susanne Specht und führt abschließend durchs Haus, wo im Gang Fotos der Erzieherinnen als Collage an der Wand hängen, auf der sie alle an einem Seil ziehen.

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