Kritik am Winterdienst, aber auch positive Nachrichten zur Ortsumfahrung der B81 und zum Wohngebiet Ginsterkopf kennzeichneten die Bürgersprechstunde von Harzer Volksstimme und Bürgermeister Ulf Voigt in Wienrode.

Wienrode. Die Bürgersprechstunde von Harzer Volksstimme und Bürgermeister Ulf Voigt sorgte am Montagabend für einen kleinen Stau im Wartezimmer des Wienröder Gemeindebüros. Zahlreiche Einwohner baten den Ortschef um Hilfe und sprachen Missstände an. So auch Günter Jannoch. Er befürchtet, dass die alten Weiden am Silberbach abbrechen und auf die benachbarten Bungalows stürzen könnten. "Hier ist Gefahr im Verzug", meinte er und schlug vor, die Bäume zu beschneiden. "Außerdem sind viele Misteln in den Ästen. Die Bäume werden nicht mehr lange grün sein", sagte er.

Ein größeres Problem hat Jörgen Niemann. Er wohnt am Waldesruh. "Jahrzehntelang wurde dort Schnee geschoben, aber jetzt nicht mehr", so der Rentner. "Als Wienrode eigenständig war, hat das geklappt." Immerhin sei Waldesruh keine reine Wochenendsiedlung, sondern Wohnsitz mehrerer Familien. "Dort kommt aber kein Notarzt und kein Rettungswagen mehr hin", erklärte er. Den Müll bringe er bereits bis hinunter an die Straße. Aber das Schieben der kompletten 150 bis 200 Meter sei niemandem zuzumuten.

Für Rüdiger Aue ist es unerklärlich, dass der Schulweg und auch an der Harzstraße 6 sowie am Trafohäuschen nicht geräumt werde. "Wenn das Räumfahrzeug mit erhobenem Schild dort rein- und wieder rausfährt – wo ist da die Logik? Kann man das Schild denn nicht unten lassen?", fragte er kopfschüttelnd. Irgend etwas laufe falsch, so der Wienröder. Auch die immer wieder angeführte Begründung, dass das Wenden in bestimmten Bereichen der Harzstraße nicht möglich sei, ließ er nicht gelten. "Früher ging es." Außerdem sei es kein gutes Aushängeschild für die Stadt, wenn ausgerechnet der europäische Fernradwanderweg mit Schnee zugeschüttet ist.

Bürgermeister Ulf Voigt sagte den Einwohnern zu, die Kritikpunkte über das Ordnungsamt an den Technischen Eigenbetrieb weiterzuleiten.

Mit ganz anderen Sorgen plagen sich seit Jahren rund 65 Bewohner der Ginsterkopfsiedlung. Nach jahrelangem Hin und Her hatten sie erreicht, dass ihre Grundstücke im Jahr 2006 als Wohnbebauung in den Flächennutzungsplan der Gemeinde aufgenommen wurden. "Damals war uns von der Kreisverwaltung mitgeteilt worden, dass ein einfacher Bebauungsplan dafür ausreiche", erläuterte Helmut Müller. Die Stadtverwaltung Blankenburg war aber anderer Meinung und forderte einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Obwohl damit auch wieder höhere Kosten verbunden sind, ließen sich die Wienröder darauf ein und gaben Anfang 2008 die entsprechenden Anträge ab. "Seither wurden sie aber nicht bearbeitet", so die Anwohner. Die Krux: Das städtische Bauamt habe die Zustimmung aller Grundstücksinhaber gefordert. Doch mit den Jahren gab es am Ginsterkopf auch wechselnde Eigentümer. Und drei seien nicht greifbar, schilderten die Bewohner.

Ihre Befürchtung, dass ihr Begehren abgelehnt und sie ihre Häuser künftig nicht mehr als ständigen Wohnsitz nutzen dürfen, konnte Ulf Voigt am Montagabend zerstreuen. Bei einem Gespräch mit den zuständigen Mitarbeitern in der vergangenen Woche sei von der Forderung nach 100-prozentiger Zustimmung abgerückt worden. "Wenn die Grundstücksinhaber die Kosten übernehmen, wird ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt", so Voigt. Helmut Müller: "Das ist ja fast ein Nikolaus-Geschenk."

Eine weitere positive Nachricht konnte der Ortsbürgermeister auch Edmund Werner mit auf den Heimweg geben. Er hatte sich als Anwohner der Siedlung am Kamp nach Neuigkeiten zur Ortsumfahrung der B81 erkundigt. Laut jüngstem Schreiben von Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre bleibe zwar die ortsnahe Trassenführung aus Gründen des Artenschutzes für einen dort vorkommenden Schmetterling erhalten. Allerdings werde die alte B81 künftig nicht durch die Ortslage geführt. "Damit haben wir zumindest einen unserer zwei geforderten Punkte erreicht", freute sich Werner, der sich gemeinsam mit Prof. Wolfgang Wetzel dafür stark gemacht hatte. "Es ist wichtig, dass der Ort vom Verkehr entlastet wird. Nach den ersten Prognosen wäre es schlimmer geworden", so Werner. Nun hoffe er, dass mit dem Neubau der Ortsumfahrung auch an den Schallschutz gedacht und keine Raserei provoziert wird.

   

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