Blankenburg. Für dutzende Menschen aus Blankenburg und Umgebung ist schon am 23. Dezember Bescherung: Im "Laden ohne Kasse" der "Harzer Tafel" können sie – zum letzten Mal in diesem Jahr – für einen symbolischen Preis Obst, Gemüse, Brot, Brötchen und manch Leckerei einkaufen – gesponsert von Märkten und Unternehmen der Region. In der Kleiderkammer gleich nebenan gibt es bestens erhaltene Sachen zum Anziehen und zum Spielen. Einen Tag vor Heiligabend kommen diese "Gaben" gerade recht.

"Dieses Angebot hilft unheimlich beim Wirtschaften", sagt Wolfgang M. (Name der Redaktion bekannt). Seit Jahren bezieht er mit seiner Gattin Ursula den Hartz IV-Regelsatz. "Mit 57 bekommt man keine reguläre Arbeit mehr", ist der ehemals Selbständige realistisch. Immerhin hat er über die Jahre den ein oder anderen Ein-Euro-Job annehmen können: "Damit ist man unter Leuten und weiß, dass man nicht ganz sinnlos dahin lebt."

Die Fahrt aus ihrem Heimatdorf nach Blankenburg nehmen sie alle zwei Wochen aber nicht nur auf sich, weil ihnen in der "Alten Schule" in der Oesig die Möglichkeit geboten wird, Lebensmittel preiswert zu bekommen. "Hier sind wir unter Menschen. Die Helferinnen der Tafel kennen uns schon. Sie sind so freundlich", sagen beide unisono. "Am Anfang haben wir uns geschämt und gedacht: ,Jetzt ist es schon soweit gekommen, dass wir so etwas in Anspruch nehmen müssen.‘ Aber der Stamm in Blankenburg ist wie eine große Familie." Immerhin hilft deren Angebot auch, zumindest der Enkelin heute ein paar Weihnachtsgeschenke unter den Gabentisch zu legen: "Wir geben etwa 50 Euro aus – für eine DVD und ein preiswertes Schnurlostelefon – aber mit Anrufbeantworter", sagt Wolfgang M. stolz. Die Eheleute selbst schenken sich nichts. "Das haben wir ohnehin noch nie gemacht. Nach 30 Jahren Ehe wissen wir, was wir einander bedeuten."

Für Anke Gehrcke, die den "Laden ohne Kasse" für die AWO Quedlinburg organisiert, sind die Angebote in der Oesig eine Herzensangelegenheit. Der große Zuspruch gibt ihr Recht. Immerhin sind inzwischen 159 Erwachsene und 72 Kinder als Kunden registriert. Doch ausgerechnet am letzten Ausgabetag müssen sie sich gedulden. Aufgrund der spiegelglatten Straßen können die AWO-Transporter nicht alle Märkte anfahren und kommen später als sonst zur Blankenburger Ausgabestelle. "Das ist einfach zu riskant. Wir hoffen, dass wir wenigstens an Heiligabend wieder Ilsenburg, Darlingerode und Schauen anfahren können", sagt Fahrer Klaus Fraust, der zusammen mit Marcel Meyer auch heute Lebensmittelspenden von den Märkten und Bäckern abholt.

Während Anke Gehrcke ihren Fahrern und auch den Großmärkten für deren Weihnachtsaktionen dankt, sammelt Ursula M. unter den Kunden Geld für die Frauen der Tafel ein. "Vielen tut es schon weh, einen Euro abzugeben. Aber die ehrenamtlichen Helfer stehen das ganze Jahr über hier und müssen sich manchmal einiges anhören", sagt sie.

Für Anke Gehrcke sind solche Momente Ansporn, sich noch mehr zu engagieren. Ihr großer Wunsch für 2011 ist ein "Haus mit Herz" für Blankenburg – mit einem "Restaurant mit Herz" und einem Möbellager. "Wenn alles klappt, können wir es eventuell am 8. März eröffnen."