Die Kritik an der geplanten Anhebung der Gewerbesteuer wird lauter. Auch die Kreishandwerkerschaft Wernigerode lehnt die Pläne der Stadtverwaltung strikt ab.

Wernigerode l Der Silstedter Unternehmerstammtisch hat den Stein ins Rollen gebracht. Jetzt geben ihm Wernigerodes Handwerker weiteren Schwung. "Die Anhebung der Gewerbesteuer ist Gift für unsere ortsansässigen Handwerksbetriebe", sagt Ulrich Reinhardt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wernigerode, im Volksstimme-Gespräch. "Deshalb lehnen wir diese Pläne strikt ab", erklärt er - selbst wenn die Mehreinnahmen der Stadtkasse für ein so hehres Ziel wie die Schierker Ortsentwicklung benötigt werden.

"Unsere Unternehmen können auch nicht über ihren Schatten springen, wenn sie investieren wollen", argumentiert Reinhardt. Dem pflichtet Kreishandwerksmeister Heinz Sallier bei. Denn er und seine Kollegen hätten mit noch ganz anderen Belastungen zu kämpfen. So mit der Erhöhung der Rundfunkgebühr, dem sogenannten Wassercent sowie stetig steigenden Sprit-, Energie- und Rohstoffpreisen: "Wir können nicht alles auf unsere Preise aufschlagen und damit einfach an die Kunden weitergeben. Irgendwo gibt es Grenzen."

Ihrer Meinung nach schaden die Pläne im Rathaus nicht nur den Handwerkern, sondern dem Wirtschaftsstandort Wernigerode insgesamt. Denn mit einem Hebesatz von geplanten 440 Prozent bewege sich die 35000-Einwohner-Kommune auf Großstadt-Niveau. Schon jetzt gehöre sie mit 400 Prozent zur Spitzengruppe vergleichbarer Städte in Ostdeutschland.

Aus Sicht der Kreishandwerker - schaft - sie vertritt im Altkreis Wernigerode rund 1100 Betriebe mit mehr als 5000 Beschäftigten - sollte die Stadtverwaltung ihre Ausgaben reduzieren, wenn für notwendige Investitionen die Eigenanteile fehlen. "Ist es notwendig, ein neues Industrie- und Gewerbegebiet oder einen zweispurigen Kreisverkehr zu bauen, nur weil es dafür großzügige Förderungen gibt?", fragt Ulrich Reinhardt. "Natürlich sieht man manches kritischer, wenn man Geld selbst erwirtschaften muss", so der Handwerker-Chef. Er appelliert an die Stadträte, die Anhebung der Steuer nicht zu beschließen. "Eine maßvolle Erhöhung hätten wir vielleicht mitgetragen. Aber der Sprung auf 440 Prozent ist einfach zu hoch."