Mit 900 Euro helfen Ochtmersleber einer vom Hochwasser betroffenen Familie in Breitenhagen. Eine Abordnung aus dem Bördedorf übergab die Spende persönlich und kehrte mit mulmigen Gefühlen zurück. Und mit einem Versprechen.

Breitenhagen/Ochtmersleben l Ihren Geburtstag 2013 wird Sabine Löw aus Breitenhagen wohl in Erinnerung behalten. Ihre Kinder sind in der Ausweichwohnung in Calbe, ihr Mann ist auf Montage. Zum Gratulieren steht eine Abordnung aus Ochtmersleben vor der Tür.

Während der Volksstimme-Foto-Olympiade hatten die Ochtmersleber Spenden gesammelt und 100 Euro von der Siegerprämie drauf gepackt. Weitere Dorfbewohner haben spontan die Spendensammlung aufgestockt. Insgesamt sind 900 Euro zusammengekommen. Das sollte einer durch die Flut in Not geratenen Familie mit Kindern zu gute kommen. Die Ochtmersleber hörten von Familie Löw in Breitenhagen.

Ortsbürgermeister Günter Kohl hat eine große Geburtstagstorte von Bäcker Braumann nach Breitenhagen mitgebracht, die Gäste aus der Börde überreichen frisch gepflückte Blumen aus dem heimischen Garten und ein Kuvert mit den 900 Euro.

Kein Grün, modriger Geruch und überall Container

Auf ihrem Grundstück im Elbe-Saale-Winkel blühen in diesem Sommer keine Blumen mehr. "Auf unserem Weg zu den Löws fuhren wir über viele Umleitungen, wohl wegen der Folgen des Hochwassers. Wir sahen wie abgestorben wirkende Baumalleen, ein modriger Geruch lag in der Luft. Der erste Mensch in Breitenhagen begegnet uns mit einem Mundschutz, mehrere Wochen nach Hochwasser", erzählt Kerstin Pitschmann von der Ochtmersleber Feuerwehr. Grau bestimmt das Bild von in Breitenhagen. Überall stehen Container.

Der Geburtstagsstrauß bringt Farbe und Freude mit. "Bei unserem Aufbruch in Ochtmersleben waren wir unsicher gewesen. Wir wussten nicht, wie wir auftreten sollten, wie wir empfangen werden würden und ob wir die richtigen Worte finden werden. Sabine Löw hat uns mit einem Lächeln begrüßt und sich sehr über die Blumen gefreut", erzählt Kerstin Pitschmann und berichtet: "Wir durften uns das Haus anschauen, sahen herausgerissene Fußböden, Decken, Tür- und Fensterrahmen. Dort, wo der Rauputz noch an den Wänden ist, sahen wir, wie hoch das Wasser gestanden hatte - etwa 1,60 Meter hoch und das zwei Wochen lang. In den Räumen stehen Entfeuchter. Wann soll das bloß wieder bewohnbar sein? Im Moment könnte man nur die obere Etage ausbauen. Alles ist der Flut zum Opfer gefallen. Die Familie musste schnell raus, als der Damm gebrochen war. Mitnehmen konnten sie nichts. Am schlimmsten sei es gewesen, die Zimmer der zwei fünf- und neunjährigen Kinder nach der Flut auszuräumen, hat uns Sabine Löw erzählt", berichtet Kerstin Pitschmann.

Ochtmersleber versprechen weiterhin ihre Unterstützung

Das Grundstück mit Haus, Hof und Nebengelass war der große Traum der jungen Familie gewesen, das Wohnhaus gerade erst fertig geworden. Jetzt ist alles dahin.

Kerstin Pitschmann berichtet: "Die Ausweichwohnung in Calbe hat die Familie für sechs Wochen bekommen, dann müssen sie dort wieder raus. Mit der Versicherung ist noch nicht alles geklärt und für die nötigen vielen Behördengänge hat die berufstätige Mutter eigentlich gar keine Zeit. Sie wissen noch nicht, ob sie das Haus überhaupt wieder ausbauen. Das hieße, nochmal ganz von vorn anfangen und im Moment fehlt die Kraft dazu."

Die Ochtmersleber bekommen das Gefühl, mehr helfen zu müssen und bieten ihre Hilfe an: "Wir kommen auch mit unseren Leuten wieder und packen mit an\'. Ein Anruf genügt."

Die Verabschiedung ist herzlich. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend fahren die Ochtmersleber wieder zurück in ein heiles und sauberes Zuhause. "Der Besuch wirkt bis heute nach", sagt Kerstin Pitschmann. Ob sich Familie Löw melden wird? Das Versprechen der Ochtmersleber steht.