In Dahlenwarsleben gibt es eine kleine Kneipe. Buhtzis Kneipe. Um die Öffnungszeiten dieser kleinen Kneipe wird heftig gestritten. Selbst Silvester darf sie nur bis 22 Uhr offen sein. Wegen der Lärmbelästigung. Dieser Streit beschäftigt sogar das Landesverwaltungsamt.

Dahlenwarsleben l Die kleine Kneipe am Dorfplatz von Dahlenwarsleben darf abends bis 22 Uhr öffnen. Keine Minute länger. Auch Silvester ist zu dieser Zeit Schluss. Das ärgert den Betreiber Stefan Buhtz, sowie die Besitzer Christine und Detlev Wahrburg maßlos. Sie möchten täglich bis 24 Uhr öffnen und zu zehn Großveranstaltungen im Jahr einladen. Doch daraus wird vorerst nichts. Die Nachbarn fühlen sich durch den Lärm gestört und die Behörden geben ihnen Recht.

Stefan Buhtz schieben sich Zornesfalten auf die Stirn, wenn die Sprache auf die Öffnungszeiten seiner kleinen Kneipe kommt. Dass er 22 Uhr schließen muss, sieht er als geschäftsschädigend an. "Was glauben Sie, wie das bei der Fußballeuropameisterschaft war", sagt er, "in ganz Deutschland gab es Public Viewing, nur wir hatten zu." Ähnlich sei es bei Karnevalsveranstaltungen gewesen. "Wenn wir 22 Uhr schließen, müssen wir schon um 17 Uhr mit dem Karneval anfangen", sagt er, "aber wer läuft schon um 17 Uhr mit einem Kostüm durch das Dorf?"

Und nun Silvester. An eine Party ist nicht zu denken. Jedenfalls an keine, die bis über den Jahreswechsel hinaus reicht. Auch am 31. Dezember gilt: In Buhtzis Kneipe ist ab 22 Uhr Ruhe.

Im vergangenen Jahr hat es eine Ausnahme gegeben. "Wir konnten Silvester feiern, aber um 24 Uhr stand die Polizei vor der Tür", so Stefan Buhtz. Da war die Partylaune dahin.

Die Nachbarn, die sich gegen die längeren Öffnungszeiten auflehnen, möchten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Aber sie haben die Nase von dem Streit ebenso voll, wie Stefan Buhtz. "Wir hatten früher selbst eine Gaststätte", sagt die Frau, "aber da gab es keine Nachbarn, die wir hätten stören können." Sie weiß, wie in einer Gaststätte Silvester gefeiert wird. "Im Grunde habe ich auch nichts dagegen, wenn an so einem Abend länger geöffnet ist", sagt sie, "aber als zum Jahreswechsel 2011/2012 in Buhtzis Kneipe gefeiert wurde, haben ein paar Gäste unser Haus mit Böllern beschossen. Und es kam anschließend niemand und hat sich entschuldigt."

Nicht alles am Gaststättenlärm empfinden die Nachbarn als störend, auch wenn sie viel mitbekommen, weil beide Häuser sind sehr eng miteinander verbunden sind. Gaststätte und Schlafzimmer Wand an Wand liegen. Normale Gespräche, Toilettengeräusche und das Stühlerücken während des Gaststättenbetriebes nehmen die Nachbarn nicht als Lärm wahr. Das bestätigen sie gegenüber dem Bauordnungsamt des Landkreises Börde. Als außerordentlich laut wird Musik bei Feiern empfunden. Außerdem stört es, wenn Gäste nachts beim Verlassen der Gaststätte laut reden, sowie das Stühle- rücken beim Aufräumen.

Gaststättenbetreiber Stefan Buhtz räumt ein: "Bei manchen Veranstaltungen ging es lauter zu. Das hätte nicht sein dürfen." Inzwischen hat er Maßnahmen getroffen. Die Fenster werden 22 Uhr verschlossen, die Eingangstür wurde an die Stirnseite des Hauses verlegt, weg von den Nachbarn. Genützt haben diese Maßnahmen nichts. 22 Uhr muss er schließen. Auch wenn sich auf Unterschriftenlisten etwa 300 Bürger dagegen ausgesprochen haben.

Damit der Lärm nicht nur subjektiv bewertet, sondern auch objektiv gemessen wird, gaben sich Lärmgutachter die Klinke in die Hand. Anwälte und Behörden beschäftigen sich ebenfalls mit dem Fall. "Wir haben ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben", sagt Christine Wahrburg. Am 4. November 2011 wurde im Auftrag der Gaststättenbesitzer im Haus der Nachbarn gemessen. Der Gutachter der Familie Wahrburg bescheinigte, dass sowohl die Trennwand zwischen Gaststätte und dem Wohnhaus der Nachbarn als auch die Trittschalldämung in der Gaststätte Öffnungszeiten auch nach 22 Uhr gestatten würden.

Landkreis schickt Baugutachter

Das Bauordnungsamt des Landkreises schickte ebenfalls Gutachter. Die kamen offenbar zu einem anderen Ergebnis. "Durch die Behörden des Landkreises wurde der Antrag auf Verlängerung der Öffnungszeiten negativ beschieden", so der Pressesprecher Uwe Baumgart. Mehr will er nicht sagen. Nur soviel: "Laufendes Verfahren." Das liegt nun bei der nächsthöheren Instanz, beim Landesverwaltungsamt. Dort ist noch nichts entschieden. "Wir erwarten in Kürze ein Ergebnis", sagt Gabriele Städter, Pressesprecherin des Landesverwaltungsamtes.

Fakt ist: Stefan Buhtz wird auch Silvester ab 22 Uhr alle Gäste aus der Gaststätte schicken und kein Glas Bier mehr verkaufen, egal, wieviele Menschen sich auf dem Dorfplatz einfinden. Wie sich das anfühlt, hat er schon während der Maifeier erfahren, als vor seiner geschlossenen Kneipe bis in den Morgen getanzt wurde.

Und natürlich drängt sich die Frage auf: Warum haben die Nachbarn das Haus nebenan bezogen? "Als wir es 1992 gekauft haben", sagt die Nachbarin, "war die Kneipe noch eine Eisdiele, die zwischen 20 und 21 Uhr geschlossen hat. Wir würden sofort hier weg gehen. Aber wohin?"