Dieter Frinken, Mentor der Wolmirstedter Schülerlotsen, könnte sich, wenige Stunden vor Jahresende, selbstzufrieden zurücklehnen. "Das kann ich aber nicht", erläuterte der Verkehrs-Experte gestern Vormittag auf dem Weg zum Verkehrsgarten, wo er auf Grund der extremen Wetterlage immer mal wieder nach dem Rechten schaut, "denn auch 2011 wartet viel Arbeit. Da will man gut vorbereitet sein. Und Erfolg verpflichtet, dies wissen auch meine Schülerlotsen."

Wolmirstedt. Denn hinter den 36 Schülerlotsen – 30 kommen von der Leibniz- und sechs von der Gutenbergschule – liegt mit absoluter Sicherheit das erfolgreichste Jahr seit der Gründung vor sechs Jahren. "Unsere Verkehrshelfer haben nicht nur ihre Mitschüler täglich sicher zur Schule gebracht", so der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, "nein, sie haben sich auch erstmals bundesweit gut in Szene gesetzt."

Der Grundstein dafür wurde 2004 gelegt, kann sich Dieter Frinken noch gut erinnern. Denn der umtriebige Mann gehörte zu denen, die seinerzeit aus einer Not eine (erfolgreiche) Tugend machten. "Dem Umbau der Geschwister-Scholl-Straße vor nunmehr sechs Jahren fielen auch die drei Fußgängerampeln im Bereich Bauernweg, der Samsweger Straße und der Gipfelstraße zum Opfer. Während im Bereich der Bauernweges und der Samsweger Straße weitsichtig reagiert wurde und längst ein Kreisverkehr die Situation entschärft, standen vor allem die Mädchen und Jungen des Gymnasiums, der Diesterweg-Grundschule, der Gutenberg- und der Leibnizschule an der Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße/Gipfelstraße auf ihrem Weg zur Schule vor einem ernsthaften Verkehrsproblem."

Das im August 2004, mit Beginn des Schuljahres, im Beisein des Landrates Thomas Webel und des Innenstaatssekretärs Rüdiger Erben, bis auf den heutigen Tag sehr nachhaltig entschärft werden konnte.

Wie Dieter Frinken mit berechtigtem Stolz betonen kann, ist nämlich seitdem in diesem Bereich kein Schüler in einen Unfall verwickelt beziehungsweise verletzt worden, "hat sich also der tägliche Einsatz gelohnt".

Seit der Gründung der AG "Verkehrshelfer" wurden von den Schülern über 3000 ehrenamtliche und unentgeltliche Stunden für die Schulsicherung geleistet. Die Stunden kommen zusammen, weil täglich zwischen sechs und sieben Schüler ihren Lotsendienst versehen, dabei cirka vier Stunden am Tag diese verkehrsintensive Kreuzung sichern. Auch wenn Jahr für Jahr vier bis sechs Mädchen oder Jungen nach der Beendigung der Schule ausscheiden, gibt es in Wolmirstedt kein Nachwuchsproblem. Allein in diesem Monat wurden vier neue Verkehrshelfer an der Leibnizschule ausgebildet. Ein hartes Stück Arbeit, wie der Vorsitzende der Kreisverherswacht versichert: "Jeder Schüler muss eine theoretische Ausbildung von jeweils fünf Mal 1,5 Stunden absolvieren. Am Ende gibt es eine schriftliche Prüfung, wo mindestens 18 von 22 Fragen richtig beantwortet werden müssen. Wie gut die Schülerloten aus Wolmirstedt Bescheid wissen, stellten sie in diesem Jahr beim Landesausscheid in Haldensleben unter Beweis. Gegen stärkste Konkurrenz aus Halle/Saale belegten die Wolmirstedter die ersten drei Plätze. Der Sieger Nico Knackmuß überzeugte beim Bundesausscheid in Düsseldorf mit dem siebenten Platz.

Seit 1953 messen übrigens die besten Schülerlotsen der Bundesrepublik alljährlich im fairen Wettstreit ihr Wissen. Wenn es nach Dieter Frinken geht, dann soll es zumindestens in Zukunft nicht ohne den Landessieger aus Sachsen-Anhalt passieren. Das heißt, der Verkehrs-Experte macht sich in der Landesverkehrswacht für einen jährlich stattfindenden Landesausscheid (was bisher noch nicht der Fall ist) stark und weiß in Erich Thiede, Präsident der Landes-Verkehrswacht Sachsen-Anhalt, einen großen Befürworter an seiner Seite.