Gehrden (dap). Der Ortschaftsrat Gehrden ist geschlossen gegen die Errichtung von Windkraftanlagen zwischen Gödnitz und Güterglück. Die eindeutige Position bezogen die Ratsmitglieder auf ihrer Sitzung vorgestern Abend. Damit sprachen sie sich gegen die Ausweisung eines neuen, rund 200 Hektar großen Eignungsgebietes für Windenergie direkt vor ihrer Gemarkungsgrenze aus. So jedenfalls sieht es die Geschäftsstelle der regionalen Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg vor. Ob deren Vorschlag tatsächlich realisiert wird, das entscheidet die Regionalversammlung der Planungsgemeinschaft morgen.

In Gehrden zumindest stößt das Ansinnen auf Ablehnung. "Ich bin dagegen", betonte Ortsbürgermeister Bernhard Mücke. Und das nicht nur, weil die Windräder "schlecht aussehen". Als Gegenargumente führte er ebenfalls das in unmittelbarer Nähe befindliche Biosphärenreservat Mittelelbe sowie das an Gehrden angrenzende Landschaftsschutzgebiet an. Außerdem "hatten wir dieses Jahr wieder Großtrappen hier", erzählte Mücke. Im Mai und Juni hat er die geschützten Vögel beobachtet. In dem Zeitraum hätten sie sich ständig hier aufgehalten. "Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei", bedauerte er. Seiner Ansicht nach sollte den vom Aussterben bedrohten Trappen die Chance zur Wiederansiedlung gegeben werden.

"Ich bin dafür, dass wir uns als Ortschaftsrat gegen die Windräder positionieren", erklärte der Ortsbürgermeister. Der Meinung war auch Christa Siegel. "Ich finde, wir sollten abstimmen", regte sie an. So kam es, dass sich die Ratsmitglieder gegen den Bau eines Windparks südlich ihres Dorfes aussprachen. Stattdessen unterstützen sie die kürzlich gegründete Bürgerinitiative (BI) "Für Tourismus+Natur+Vogel-zug, gegen Windkraftanlagen". Diese hat mittlerweile auch eine Unterschriftensammlung gestartet. "Ich hoffe, dass alle Bürger von Gehrden da unterschreiben", bemerkte Mücke. Viele haben es inzwischen getan. Von 96 Unterschriften, die sie mit zwei weiteren Frauen im Ort gesammelt hat, konnte Christa Siegel an dem Abend bereits berichten.

Insgesamt hatte die BI bis zum Dienstag schon 777 Unterschriften in Zerbst und den Ortsteilen der Stadt zusammengetragen. Eine Kopie der Listen überreichte BI-Sprecherin Katrin Sadurski an dem Tag dem Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt. Zugleich übergab sie ihm einen offenen Brief. In diesem wirbt die Bürgerinitiative um Unterstützung für ihr Anliegen. Sie bittet darum, dass die Stadt ihr bereits abgegebenes, positives Votum zur Ausweisung dieses neuen Windenergieeignungsgebietes korrigiert.

Statt durch weitere "Verspargelung" der Landschaft "soziale, kulturelle und wirtschaftliche Potenziale auf lange Zeit zu vernichten", setzt sich die BI für den Erhalt der Lebensqualität der Bürger im ländlichen Raum, den Erhalt der Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt sowie die Weiterentwicklung des Tourismus ein. Vor dem Hintergrund fordert sie die Aufstellung eines Bebauungs- und Entwicklungsplanes für den betreffenden Bereich, "der die Anbindung des Elberadwanderweges an die Station der Deutschen Bahn und die Infrastruktur des Dorfes Güterglück unter Einbeziehung der stillgelegten Bahntrasse Barby-Güterglück zum Inhalt haben muss". Auf dieser Grundlage könnten weitere Ziele wie zum Beispiel die Einrichtung einer Draisinenstrecke mit Fahrradmitnahme in Angriff genommen werden. Auch allen Zerbster Stadträten, an die sich das Schreiben ebenfalls richtet, geht der offene Brief zu.