Bei einem Meilenlauf beträgt die Distanz eine englische Meile, also 1609,344 Meter. Doch die Entfernung, die die Stadtbibliothek und die Kreisvolkshochschule in Zerbst bei ihrer zweiten gemeinsamen Lesemeile am 25. November zurücklegen, ist eher ein Marathon und das ist eine sehr gute Nachricht.

Zerbst. Drei Frauen sitzen gebeugt über einer langen Liste. Die drei Frauen sind Martina Marzok-Stück, Geschäftsstellenleiterin der Kreisvolks- hochschule, Standort Zerbst, Margitta Benecke, Leiterin der Stadtbibliothek und Sophie Schäfer, Bibliothekarin. Punkt für Punkt gehen sie die einzelnen Stationen der zweiten Zerbster Lesemeile durch. Der Beginn jeder Lesung, jede Schule, jedes Seniorenheim, jede Kindertagesstätte, jeder Buchladen – alle, die mitmachen und alle Vorleser sind auf der Liste festgehalten. "Unsere Meile wird in diesem Jahr viel länger", freut sich Margitta Benecke. "Schon die Premiere im vergangenen Jahr war ein voller Erfolg", erinnert sie sich. "Damals hatten wir 15 Vorlesestationen in Zerbst und 500 Zuhörerinnen und Zuhörer. In diesem Jahr haben wir 28 Stationen", sagt sie und es klingt ein wenig Stolz in ihrer Stimme mit.

"In diesem Jahr sind die Ortsteile von Zerbst dabei", ergänzt Martina Marzok-Stück. "Sie gehören zu uns und das machen wir auch mit der Lesemeile deutlich. Auch in den Ortsteilen haben wir mit unserer Lesemeile gleich Interessierte und gute Partner gefunden."

Gute Partner, das sind auch die Kreisvolkshochschule und die Stadtbibliothek seit Jahren. Als es im vergangene Jahr darum ging, sich am Bundesvorlesetag zu beteiligten, wurde die Idee zur Zerbster Lesemeile geboren. Eine gute, trag- und ausbaufähige Idee, wie der Erfolg bewies und beweist. "Wir hatten bei der Premiere 40 Vorleser, in diesem Jahr sind es noch mehr. Alle machen das ehrenamtlich und unentgeltlich", betont Margitta Benecke. "Wir haben wieder prominente Zerbster aus Politik, Kultur und Wirtschaft dafür gewinnen können. Auch Eltern, Großeltern, Buchhändler und viele andere lesen wieder vor."

Die Zuhörer können Wünsche äußern

Die Vorschläge, welche Bücher ein Stück weit vorgelesen werden, unterbreiteten die Bibliothek oder die Vorleser. "Aber natürlich konnten auch die Zuhörer Wünsche äußern", so Sophie Schäfer, die seit September das Projekt "Zweite Zerbster Lesemeile" mit intensiv vorbereitet hat.

Neben den Lesungen in Schulen, Kindereinrichtungen und Seniorenheimen, gibt es bei der zweiten Ausgabe der Lesemeile auch öffentliche Veranstaltungen. In der Francisceumsbibliothek startet beispielsweise am 25. November um 15 Uhr eine öffentliche Führung, im Seniorenheim Frauentorplatz wird um 10 Uhr und im "Seniorentreff" Breitestein um 14.30 Uhr zu "Geschichte im Advent" eingeladen.

"Besonders freuen wir uns darüber, dass sich auch die Schule für geistig Behinderte am Heidetor an der Zerbster Lesemeile beteiligt", so Martina Marzok-Stück. "Die Kreisvolkshochschule bietet ja Kurse für Analphabeten und Ungeübte an. Die Mitglieder der Gruppe Analphabeten im 7. Semester trägt selbst verfasste Gedichte vor. Das ist eine große Leistung", sagt sie anerkennend.

Den Abschluss der 2. Zerbster Lesemeile gibt es ab 19 Uhr in der Stadtbibliothek. "Wir möchten mit und an diesem Tag natürlich auf das Lesen aufmerksam machen, auf die Freude und den Spaß, den man dabei empfindet. Wir möchten das Lesen weiter kultivieren, denn es verleiht der Phantasie Flügel und öffnet Horizonte", so Margitta Benecke, Leiterin der Stadtbibliothek.