Am Sonnabend feierte die Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld zum 20. Mal einen Innungstag. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) erklärte, das Handwerk vor reglementierenden Zugriffen Europas schützen zu wollen. Er beschwor die anwesenden Meister, die handwerklichen Traditionen fortzusetzen.

Zerbst. Zwei Enkel in Bayern, zwei in Sachsen-Anhalt. Reiner Haseloff spricht zu Anhalt-Bitterfelder Handwerksmeistern über seine Enkel. "Einen solchen Kindergarten wie in Bayern, der reichsten Region Deutschlands, würde ich in Sachsen-Anhalt keinem zumuten wollen." Reiner Haseloff, Minister und CDU-Ministerpräsidentenkandidat kommt überraschend privat daher an diesem 20. Innungstag der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld am Sonnabend in der Zerbster Stadthalle. Sorgen mache er sich, natürlich. Dass der "auswärtige" Sohn auch künftig vergeblich nach der individuellen Chance für seine Familie in Sachsen-Anhalt sucht. "Aber er sucht sie, genau wie viele andere. Das weiß ich genau", so Haseloff. Das Land müsse mehr Kraft in die Darstellung der Möglichkeiten für den Fachkräfte- wie den akademischen Nachwuchs legen. "Dann kommen unsere jungen Leute auch zurück."

Haseloff spricht über die großartigen Leistungen in Sachsen-Anhalt seit 1990, aber speziell auch bei der Überwindung der Finanzkrise. Am Freitag erst hätten ihn Amerikaner in Berlin erneut gefragt, wie das die Deutschen denn wohl angestellt hätten. "Ich weiß, dass einen wesentlichen Anteil daran, wie die Krise hier bei uns gemeistert wurde, gerade auch das Handwerk hat", so der Minister. Es sei mit seinen auf Nachhaltigkeit, Beständigkeit und Bodenständigkeit ausgelegten Geschäfts- prinzipien weit weniger zu erschüttern gewesen. "Sie gehen keine unnötigen Risiken ein. Sie denken nicht in Quartalsabschlüssen. Sie glauben noch an ein persönliches Lebenswerk. Sie haben sich geschlossen der Krise gestellt und hohe Innovationskraft bewiesen. Dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich danken", war Haseloff schwer in Fahrt.

Sein Blick ins Handwerkerleben des nächsten Jahrzehntes erbrachte eine naheliegende Vision: Beständigkeit. Rund 30 000 Handwerks- betriebe gebe es in Sachsen-Anhalt mit rund 141 000 Beschäftigten. Jeder siebte Erwerbstätige und mindestens jeder vierte Azubi habe einen Handwerksmeister zum Chef. "Es ist wichtig, keinen Traditionsabriss zuzulassen. Das Handwerk ist in den Kommunen schon seit dem Mittelalter die das Leben entscheidend mitgestaltende Gruppe. Das Handwerk ist bei uns fest verwurzelt. Das muss der Zukunft weitergegeben werden."

Was manchem Handwerksmeister sicherlich schwer fällt angesichts boomender Wirtschaft, aber knapper Kassen. "Es gibt diese diffusen Ängste, entstanden auch durch die globalisierte Welt. Ich empfehle, dass wir Sicherheitsanker setzen. Das sind die Werte guten handwerklichen und kaufmännischen Handelns. So, dass man ruhigen Gewissens in den Schlaf kommt. Wer als Lehrling dies in der Handwerker-familie erfahren hat, verinner-licht es und gibt es weiter. Bilden Sie also unbedingt auch künftig aus!"

Mit der Image-Kampagne "Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von Nebenan" habe das deutsche Handwerk selbst etwas zur Verbesserung des Images getan. Handwerk, so Haseloff, sei "alles andere als verstaubt und vertrottelt". Jedoch würde eine weitere "Reserve" – die rund zehn Prozent der Schulabgänger ohne Schulabschluss – so nicht erreicht. "Das muss in die gesellschaftliche Diskussion. Ich sage: Wer heute keine Ausbildungsstelle bekommt, der hat selbst zu wenig getan. Da müssen sich auch die Familien stärker um ihre Kinder bemühen." Bis 2016 werde die Differenz zwischen Eintritt ins Rente- und ins Erwerbsalter auf rund 155 000 angestiegen sein. "Das heißt: Jeder bekommt Arbeit. An der Arbeit liegt es nicht. Daher ist auch die Zukunftsangst unter den Schülern heute schon weg. Aber damit es klappt mit der Ausbildung, muss die Schulleistung stimmen."

Haseloff erklärte ferner, er sei "an der Seite des Handwerks, sollte es erneut zu einem Versuch der europäischen Nachbarn kommen, sich daran abzuarbeiten". Das deutsche Handwerk sei ein Qualitätssiegel. Deren Abschaffung dürfe man nicht zulassen. "Jeder, der in ein französisches Hotelzimmer gegangen, die Dusche aufgedreht und dann heil herausgekommen ist, weiß, was ich meine."

An den Anhalt-Bitterfelder Kreishandwerksmeister Roland Prokop und dessen Wunsch nach Unterstützung gegen das Schweinemastprojekt auf dem Zerbster Flugplatz gerichtet, erklärte Haseloff unter spontanem Beifall des Saales, er wolle seine "Hausaufgaben machen". Wenn die Bevölkerung etwas partout nicht wolle, müsse man das ernst nehmen. "Ich kann hier nicht den Wunderonkel spielen. Ich werde mich aber zu dem Thema persönlich informieren und alles dafür tun, dass es zu einem vernünftigen Ausgleich kommt."