Seit inzwischen 20 Jahren empfängt die Zerbster Wasserjette a. D. in Schora Übernachtungsgäste. Und Heidi Kontzog denkt längst nicht daran, ihre Pension zu schließen. "Noch ist es nicht soweit", erklärt die 66-Jährige, die bereits so viele Fremde beherbergt hat. Wenn die Wände ihres Hauses sprechen könnten, hätten sie eine ganze Menge zu erzählen.

Schora. Unzählige Menschen aus den verschiedensten Ländern konnte Heidi Kontzog bereits in ihrer heimeligen Pension begrüßen. "Ich hatte immer eine volle Hütte", schaut die 66-Jährige zurück. Dabei war die Palette der Schlafgäste stets breit gefächert. "Das ging querbeet", erzählt sie von den vielen Künstlern, die genauso bei ihr übernachteten wie etliche Touristen, Handwerker und Familien. "Und auch Liebespärchen", ergänzt die gebürtige Zerbsterin schmunzelnd.

1958 verschlug es sie als junges Mädchen nach Schora und zwar geradewegs in das frühere Bauerngehöft in der Ringstraße 24, das sich geraume Zeit später in eine gemütliche Fremdenunterkunft verwandeln sollte. Damals allerdings diente der einstige Vier-Seiten-Hof noch als landwirtschaftliches Lehrlingswohnheim, in dem Heidi Kontzog ihre dreijährige Ausbildung begann. Als das Wohnheim aufgelöst wurde, zog sie um – erst nach Güterglück, dann nach Dalchau. Dort machte sie schließlich ihren Abschluss als "Kuheutermasseuse". Bei der Formulierung blitzt einmal mehr die Wasserjette durch, die sie 16 Jahre voller Inbrust bei diversen Veranstaltungen verkörperte und als der sie den meisten bekannt ist.

Den Facharbeiterbrief in der Tasche arbeitete Heidi Kontzog bis zur Wende bei der LPG in Schora, wo sie sich mit ihrem Mann Dieter längst ein Nest gebaut hatte. Just aus dem Haus, das sie so gut aus ihrer Lehrlingszeit kannte, schufen sich die beiden ein behagliches Heim.

"Kuheutermasseuse" empfängt Schlafgäste

Als "Pionier der ersten Stunde" eröffnete Heidi Kontzog 1990 ihre Pension. Und die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich warten. Dafür sorgte das Werbeschild an der Bundesstraße 184. Das sollte die Durchreisenden auf das kleine Schoraer Hotel mit der Hausnummer 24 aufmerksam machen. Manch einer interpretierte die Aufschrift jedoch etwas falsch. Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit stand da plötzlich ein Bus mit 24 Personen vor ihrer Tür, erinnert sich die 66-Jährige. Doch soviel Platz hatte sie nicht – weder damals noch heute. "Acht Betten an der Zahl, die reichen mir allemal", reimt die Wasserjette a.D. in ihren Versen, die sie anlässlich des Pensionsjubiläums zu Papier gebracht hat.

Gästebücher erzählen von vielen Besuchern

Darin erzählt Heidi Kontzog in der für sie typischen Art, wie sie rund um die Uhr umherwirbelt, um ihren Schlafgästen eine lauschige Unterkunft zu bieten. "Von null bis 24 Uhr bin ich stets in der Spur und dabei immer froher Natur", bemerkt die lebenslustige Frau lächelnd. Selbst auf Urlaub verzichtet sie da. Nur einmal ging es nach Athen. Unterdessen übernimmt ihr Mann seit nunmehr zehn Jahren die Rolle des Hausmeisters.

Heidi Kontzog erwähnt ebenfalls, dass es ständig irgendetwas am und im Haus zu werkeln gab. So wurden nach der Wende die Fenster erneuert und das Dach neu eingedeckt. Auch erhielten die ganz individuell eingerichteten Einzel- und Doppelzimmer nach und nach eigene Bäder und Toiletten.

"In jedem Zimmer gibt es etwas, das noch aus der DDR stammt", berichtet Heidi Kontzog bei einer kurzen Führung durch ihre Pension. Kein Raum gleicht dem anderem, doch jeder lädt zum Verweilen ein. Zumal es bei all den Bildern, Fotos und Zeitungsausschnitten an den Wänden eine Menge für Besucher zu entdecken gibt.

Und die Übernachtungsgäste genießen das einzigartige Ambiente. Das erfährt man in den Gästebüchern, von denen mittlerweile mehrere gefüllt sind. Zahlreiche Personen haben sich darin mit einigen Zeilen verewigt. Angefangen bei dem verweilenden Pferdezahnarzt über die Besucher der Zerbster Fasch-Festtage bis hin zu den ergrauten Herren, die an den alljährlichen Treffen der Kriegsveteranen in Walter- nienburg teilnahmen.

Die unterschiedlichsten Leute lernte Heidi Kontzog in ihrer beschaulichen Herberge in den vergangenen 20 Jahren kennen. Kommunikationsprobleme gab es da nie wirklich. Spricht man nicht die gleiche Sprache, verständigt man sich eben mit Händen und Füßen, wie sie schildert. Das klappt genauso gut.

Obwohl sie schon 66 ist, denkt Heidi Kontzog bislang nicht daran, ihre Pension zu schließen. "Noch ist es nicht soweit", lässt sie sich den Zeitpunkt offen, wann sie endgültig das letzte Mal Übernachtungsgäste verabschiedet.

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