Der Rosengarten ist neu gestaltet, der Halbschalenturm der Burganlage saniert und Festnetz-DSL installiert. Vieles konnte dieses Jahr in Lindau realisiert werden. Im Ortschaftsrat zog Ortsbürgermeister Helmut Seidler jüngst ein Resümee.

Lindau l In Anbetracht des bevorstehenden Jahreswechsels blickte Ortsbürgermeister Helmut Seidler auf der jüngsten Ratssitzung auf 2011 zurück. Kurz ging er auf die verschiedenen, teils seit Längerem geplanten Maßnahmen ein, die in den vergangenen Monaten realisiert werden konnten. Sehr viel Geduld erforderte die herbeigesehnte Erschließung von Lindau für schnelle Internetverbindungen. Anfang Dezember konnte schließlich das neue DSL-Breitbandnetz offiziell in Betrieb genommen werden, das fortan Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 16 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Außerdem besteht die Option, die Bandbreite auf 50 Megabit auszubauen, wie Seidler anmerkte.

Rund 486000 Euro flossen insgesamt in das Projekt. Bei 87,5 Prozent lag der bewilligte Fördersatz, was 424000 Euro entsprach. Das Geld stammte aus dem Fonds der europa¨ischen Union fu¨r den la¨ndlichen Raum und floss im Rahmen der so genannten "RELE- Richtlinie", mit der die la¨ndliche Entwicklung in Sachsen Anhalt - und hier konkret das Breitband - gefo¨rdert wird. Der Eigenanteil der Ortschaft Lindau belief sich auf gut 62000 Euro.

"Mittlerweile verfügt Lindau auch über LTE"

"Mittlerweile verfügt Lindau auch über LTE", informierte Seidler. Mit dieser neuen Form der Mobilfunktechnik lassen sich im Umkreis von fünf Kilometern ebenfalls höhere Internet-Übertragungsraten erreichen. Das Angebot richtet sich an alle Privathaushalte und Firmen, die nicht ans Festnetz-DSL angeschlossen werden können. Das betrifft vor allem die Ortsteile Lietzo, Quast und Kerchau.

Dank endlich bewilligter Zuschüsse konnte in diesem Jahr ebenfalls eine sechsstellige Summe in die weitere Instandsetzung der Burganlage investiert werden. Auf rund 101000 Euro addierten sich am Ende die Gesamtkosten zum Abschluss der notwendigen Maßnahmen an der Vorburg. Dabei betrug die Förderung über das europäische Leader-Programm etwa 61000 Euro.

Mit dem Geld erfolgte zum einen die Sanierung der äußerst maroden Nordmauer. Lockere Steine wurden entfernt und die mächtigen Stützpfeiler wiederhergestellt. Daneben fand eine Nivellierung der Mauer statt, die durch eingebaute Absätze der Höhe der Oberburg angepasst und deren Mauerkrone mit Ziegelsteinen befestigt wurde. Zum anderen rundet der rekonstruierte Halbschalenturm jetzt das Bild im unteren Burgbereich ab.

Sanierte Nordmauer wertet Vorburg optisch auf

Mit dem symbolischen Banddurchschnitt wurde im April die Deetzer Straße wieder für den Verkehr freigegeben. Auf einer Länge von rund 320 Meter war der Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und Siedlungsweg saniert worden. Die Maßnahme umfasste die Erneuerung des Regenwasserkanals, der Borde und des Gehwegs. Darüber hinaus erhielt die Fahrbahn einen frischen, vier Zentimeter starken Asphaltüberzug.

Die Gesamtkosten lagen bei gut 245000 Euro. Über die Dorferneuerung gab es Fördermittel in Höhe von rund 50000 Euro. 122000 Euro steuerte der Landkreis Anhalt-Bittelfeld bei, der als Baulastträger der Straße für die Borde und die Fahrbahn aufkommen musste. Darin inbegriffen war ebenfalls ein pauschaler Zuschuss für den Regenwasserkanal.

Das so genannte "Schlaglochprogramm" zur Beseitigung von Winterschäden ermöglichte es dem Kreis dann noch, die Fahrbahn der K 1249 zwischen Lindau und Deetz zu erneuern. Auch die Lindauer hofften, Geld aus diesem vom land aufgelegten Fördertopf für die dringend notwendige Sanierung der gemeindeeigenen Straße zwischen Lindau und Kerchau zu erhalten. "Der Kampf ist nicht positiv ausgegangen", konstatierte der Ortsbürgermeister. So sind die vielen tiefen Löcher eben einmal mehr nur geflickt worden. Dafür allerdings konnte der Radweg nach Lietzo repariert werden, wie er erwähnte.

Zu den umgesetzten Projekten gehörte ferner die Neugestaltung des Rosengartens im Lindauer Flecken, für die 2000 Euro im Haushalt zur Verfügung standen. Die Wacholderbüsche und die Weide verschwanden. Im Gegenzug wurden weiß und rosa blühende Rosen, Lavendel, Gra¨ser, Geranien, Silberteppich, Salvien und Astern gepflanzt. Neben der optischen Aufwertung durch die pflegeleichten, niedrigen Gewächse diente die Maßnahme dazu, den historischen Angercharakter des Fleckens besser sichtbar zu machen.

"Der Kampf ist nicht positiv ausgegangen"

Seinen Jahresrückblick nutzte Helmut Seidler ebenfalls, um den Bürgern und Firmen zu danken, die den Ortschaftsrat 2011 begleitet und unterstützt haben. Ein Dankeschön richtete er zugleich an den Lindauer Sportverein, den Heimat- und Verkehrsverein, den Carneval Club sowie die Ortsfeuerwehr nebst ihrem Förderverein. Auch die beiden Klangkörper, den Fanfarenzug und den Spielmannszug, vergaß er nicht in der Auflistung all der Aktiven, die tatkräftig zur Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens beigetragen haben. Namentlich dankte er Annemarie Claus und ihrem Team, Gerald Andres und seiner Firma sowie Volker Schub.

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen hatte Helmut Seidler ein Fazit bezüglich der Eingemeindung von Lindau nach Zerbst gezogen. Wie vor Jahren befürchtet, habe der Beitritt zu "Groß-Zerbst" keine Vorteile gebracht, resümierte er. Innerhalb der Einheitsgemeinde hätten sich die Entscheidungswege verlängert und die Bürokratie erhöht, kritisierte er den "Gigantismus". Wie der Ortsbürgermeister schilderte, kehrt sich die eigentlich mehr Effizienz bringende und Geld einsparende Struktur ins Gegenteil um und verursache einen deutlich höheren Aufwand und Kosten.