Über sexuelle Ausbeutung von Kindern durch Kontaktaufnahme im Internet referierte am Donnerstag Karin Blumstengel. Sie nutzte den Vortrag auch, um die Anwesenden zu diesem Thema wachzurütteln.

Zerbst. "Jedes Kind kann ein Opfer werden." Dieser Satz saß, als Karin Blumstengel am Donnerstagabend einen Vortrag über die Gefahr der sexuellen Ausbeutung durch Kontaktaufnahme im Internet sprach. Dazu hatten die Rechtsanwälte Jahnke & Handrich sowie die Steuerberatungsgesellschaft Schmidt & Partner und Steuerberaterin Christiane Schwenke eingeladen. Aktiv waren sie mit Einladungen auf den örtlichen Anwaltsverein, das Amtsgericht, Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Landkreis und die Stadt Zerbst zugegangen. Doch die Resonanz war ernüchternd. Insgesamt 18 Personen folgten dem Vortrag, davon überwiegend Mitglieder hiesiger, sozial engagierter Vereine und Institutionen sowie Lehrer.

Und so nutzte Karin Blumstengel die Möglichkeit, immer wieder Tipps und Anregungen in den Vortrag einzustreuen, wie dieses Tabu-Thema im Elternhaus oder in der Schule aufgegriffen werden kann. Für besonders wichtig hält sie dabei die sexuelle Aufklärung der Kinder sowie die Ausbildung von Medienkompetenzen für Kinder, Lehrer und Pädagogen. "Studien haben belegt, dass zum Beispiel Jungen eher sorglos mit diesem Thema umgehen und sexuelle Ausbeutung im Internet eher verschweigen", sagt Blumstengel. Als mögliche Unterrichtslektüre empfahl sie daher für Schüler von 12 bis 16 Jahren das Buch "Im Chat war er noch so süß".

Im Elternhaus sind Kinder meist wenig darauf vorbereitet, dass sie im Internet möglicherweise sexuell belästigt werden. "Die Eltern sollten den Kindern klarmachen, dass ihre Freunde dort nicht zwingend das sein müssen, was sie vorgeben zu sein." Außerdem sollten sie sagen, dass persönliche Fotos und Daten dort nichts zu suchen haben. Blumstengel empfahl über Filtersoftware oder Voreinstellungen am Rechner nachzudenken, die den Zugang zu pornografischen Seiten sperren. Außerdem nannte sie mit "Wildwasser" und "kibs" Anlaufstellen für Opfer mit Möglichkeit der Online-Beratung. Beide arbeiten geschlechterspezifisch – erstere ist Anlaufpunkt für Mädchen, "kibs" bietet Informationen und Angebote für Jungen und junge Männer.

Denn neben der sexuellen Ausbeutung online droht die Gefahr, dass sich Kinder auf reale Treffen mit Internet-Bekanntschaften einlassen. "Ein Kontaktabbruch nach sexuellen Belästigungen durch die Kinder ist nicht selbstverständlich", betonte Blumstengel. Es sei wichtig, nicht zu vergessen: "Die Schuld liegt immer beim Täter."