Die Görtz Zerbst GmbH Co. KG aus Klein Wanzleben hat ihre Pläne, auf dem Flugplatz Zerbst eine Schweinemastanlage zu betreiben, offenbar aufgegeben. Der im Landesverwaltungsamt Halle bearbeitete Genehmigungsantrag wurde zurückgezogen.

Zerbst/Halle l Ende voriger Woche hat ein Rechtsanwalt im Namen der Görtz Zerbst GmbH Co.KG den Antrag zur Errichtung und zum Betrieb einer Anlage zur Haltung und zur Aufzucht von Schweinen am Standort Zerbst zurückgezogen. Dies erklärte die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes Halle, Denise Vopel, gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Am Vorabend hatte die Zerbster Planungsamtsleiterin Heike Krüger den Bau- und Stadtentwicklungsausschuss über den neuen Sachstand informiert.Sie berief sich auf ein Schreiben des Landesverwaltungsamtes gleichen Inhalts, in welchem ferner die Rückübersendung sämtlicher das Projekt betreffenden Planungsunterlagen erbeten wurde.

Gründe für die Rücknahme des Antrages wurden nicht benannt. Und: "Über eine erneute Antragstellung haben wir keine Kenntnis", erklärte Frau Vopel. Auch Heike Krüger betrachtet das Schweinemast-Projekt vorsichtig als beendet.

Das Projekt, eine Schweinemastanlage auf dem Flugplatz Zerbst zu errichten, ist 2007 erstmals zur Genehmigung eingereicht worden. Das Vorhaben wurde von der Stadt Zerbst, vom Luftsportverein als Grundstücksnachbar, von benachbarten Orten (damals Gemeinden), aber auch von der Bevölkerung vehement abgelehnt.

Dennoch fand im September 2010 ein dreitägiger Anhörungsmarathon statt. Hier konnte jedermann seine zuvor im Anhörungszeitraum eingereichten Bedenken erläutern. Wesentlichen Eindruck hinterließen seinerzeit die Ausführungen des städtischen Fachanwaltes Dr. Kremer, die Erläuterungen von Zerbster Bürgern wie beispielsweise Erwin Erbe und auch die Darlegung von Felix Rätzel. Der Unternehmer betreibt in Pulspforde ein Werk, welches Gewürze verarbeitet. Hier wäre jeglicher fremde Geruchseintrag "tödlich fürs Geschäft", argumentierte Rätzel. Das Werk sei gerade erst auch unter Fördermitteleinsatz erweitert worden. Rätzel gestern: "Ich hab schon Einiges durch mit den Behörden. In diesem Fall aber zolle ich der Stadt Zerbst, den Bürgern, vor allem auch dem Stadtrat und dem Bürgermeister Dank und Respekt. Sie haben Rückgrat gezeigt und sich nicht beirren lassen."

Auch die "Bürgerinitiative gegen Schweinemast" ist froh über den Ausgang der Angelegenheit. Initiative-Sprecher Alfred Schildt: "Eine ausgezeichnete Nachricht. Die Mühen haben sich gelohnt. Der Rückzieher der Schweinemäster ist das Ergebnis entschlossenen Auftretens erst der Straguther Bürgerinitiative, die dann in die Heutige mit Zerbst überging. Es ist das Ergebnis der Arbeit vieler Bürger, Dorfgemeinschaften und des Stadtrates. Wahrscheinlich haben auch die Aktivitäten des Luftsportvereins eine Rolle gespielt, damit der Investor die Aussichtslosigkeit seines Planes erkennt." Die Bürgerinitiative werde ihre Aktivitäten nun "auf Null herunterfahren. Aber sicherlich wird das entstandene Netzwerk weiter bestehen. Wir werden weiter wachsam sein."

Tatsächlich könnte die Görtz KG jederzeit erneut einen Genehmigungsantrag einreichen. Gegen diese Annahme spricht jedoch der Umstand, dass die Getec AG die dem Projekt zugrunde liegende Fläche - die Getec hatte seinerzeit 40 Hektar ihres Flugplatzgeländes an Görtz verkauft - zurückerwerben möchte. Getec green energy-Geschäftsführer Chris Döhring bestätigte dies gestern. "Die Verhandlungen laufen." Zur künftigen Nutzung äußerte er sich vorsichtig. "Das ist noch nicht entschieden. Sollte sich nichts anderes ergeben, wäre eine Bebauung mit Photovoltaikanlagen naheliegend. Unser Solarpark reicht ja bereits bis unmittelbar an die Grundstücksgrenzen."

Außer im Nordosten. Hier grenzt der Luftsportverein an. Dessen Vorsitzender Roland Prokop: "Das Vorhaben aufzugeben ist die einzig logische Schlussfolgerung. Die Nutzungen der Nachbarn lassen kaum weitere Emissionen zu. Wir werden nun weiter am Aufbau unseres Event-Parks arbeiten."

Die der Stadt entstandenen Kosten, etwa für den Fachanwalt, bleiben an Zerbst hängen. Finanzamtsleiterin Evelyn Johannes beschrieb sie "im vierstelligen Bereich".

Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss änderte Dienstagabend den B-Plan-Entwurf für den Flugplatz: Schweinemast-Flächen kommen dort nun nicht mehr vor. Der Plan kommt demnächst im Stadtrat zur Sprache.