Große Ereignisse werfen immer Schatten voraus. So ist es auch bei Vera Feldmann, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Momentan steht die Vollblutschauspielerin wieder im Puppentheater im Stück "Adam Schaf hat Angst" auf der Bühne. Für Vera Feldmann ist dieses Stück ein ganz besonderes: "Georg Kreisler hat Musik und Texte schon vor langer Zeit geschrieben, aber da ist so viel Aktualität drin, sie könnten auch gerade von gestern sein", sinniert sie nach einer Probe im Puppentheater.

Die komplette Geschichte des Schauspielers Adam Schaf ist es, die sie immer wieder reizt. Der alternde Herr steht kurz vor der Rente, hadert mit dem modernen Theater. Sein Auftritt dauert nur drei Minuten, trotzdem ist er gewissenhaft zwei Stunden vor dem Beginn der Vorstellung im Theater. In seiner Garderobe ist er noch einmal der Held, lässt sein Leben Revue passieren. "Das tut er auf so liebevoll-humorige Weise, mit der ganzen Bandbreite der Emotionen, dass der Abend nie schwermütig wird", sagt Feldmann, als spräche sie nicht von einer Figur in einem Theaterstück, sondern einem guten Freund.

Um in die Rolle eben jenes guten Freundes zu schlüpfen, muss Vera Feldmann sich nicht einmal groß verkleiden: "Ich bin ja eher der maskuline Typ. Wäre ich langbeinig und langhaarig, wäre es sicher deutlich aufwendiger, Adam Schaf zu werden", schätzt sie schmunzelnd ein. Sie habe dann aber mit dem Puppentheater-Intendanten Michael Kempchen geredet und gemeinsam kamen sie zu dem Schluss, dass es weder nötig wäre, das Stück auf eine Frau umzuschreiben noch Vera Feldmann optisch zu verkleiden.

Adam Schaf ist also eine besondere Figur, für Vera Feldmann und bereits zahlreiche Zuschauer. "Adam Schaf moralisiert nicht, da wird einfach eine Person gezeigt, mit allem Für und Wider, mit allen Ecken und Kanten. Ich persönlich würde jedes Wort unterschreiben, das Adam Schaf im Stück übers Theater, über das Leben sagt", so Vera Feldmann. Sehr viel von dem, was sie selbst fühle, finde sich in der Figur wieder, so dass es gar nicht nötig ist, sich erst einmal in die Figur einzufühlen.

Gefragt, was sie Adam Schaf vielleicht wünschen würde, nachdem der Vorhang fällt, ist Vera Feldmann zunächst etwas ratlos. Schließlich fällt ihr aber natürlich doch etwas ein. "Vielleicht würde ich ihm wünschen, dass er noch einmal eine richtig große Rolle am Theater bekommt, in der er wichtig ist und richtig zeigen kann, was er auch kurz vor der Rente auf dem Kasten hat. Vielleicht aber sollte man ihm auch wünschen, dass er sich lossagt vom Theater und noch einmal einen ganz anderen Weg einschlägt in seinem Leben, etwas ganz anderes macht. Das Problem ist ja eigentlich nur, dass Adam Schaf selbst nicht so genau weiß, was er will", so Feldmann.

Zuschauer können sich am kommenden Sonnabend ein Bild vom unentschlossenen, sinnierenden Adam Schaf machen. Am 16. Februar steht das Stück um 20 Uhr wieder auf dem Spielplan im Puppentheater. Begleitet wird Vera Feldmann dabei von Manfred Herbst. (aa)

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