Magdeburg l Es ist eine schwierige "Geburt", bis das Schiffshebewerk wieder läuft. Gewünscht hatte sich die Stadt, dass ihr Wasserfahrstuhl schon im Sommer 2012 funktioniert und die ersten Touristen ihn bestaunen können. Daraus wurde nichts, denn der Zustand der Technik hatte seit der Stilllegung der Anlage 2006 erheblich gelitten. Das Hoffen geht für dieses Jahr weiter, allerdings, so Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche, laufen die Sanierungsarbeiten recht gut. "Wir hoffen, dass die Anlage noch in diesem Sommer in Betrieb genommen werden kann." Zum Saisonstart im Mai wird es aber leider nichts.

Das liege vor allem an drei Problemen: Erstens der lange Winter, der viele Arbeiten deutlich verzögert habe.

Zweitens gab es bei den sogenannten "Leonard-Umformsätzen" große Verschleißprobleme. Diese Umformsätze verwandeln Drehstrom in Gleichstrom, der für die elektrischen Antriebe benötigt wird. Zwei Umformsätze hat die Anlage, beide stammen aus den 1930er Jahren und benötigten eine neue Ankerwicklung. Das sei sehr aufwendig gewesen und habe Zeit gekostet, so Nitsche. Glücklicherweise konnten beide auch repariert werden. Einer wurde mit Hilfe eines Autokrans in der vergangenen Woche wieder eingesetzt, der zweite soll in den kommenden Tagen folgen.

Das dritte Problem waren und sind die elektrischen Schleifkontakte für die Stromabnahme am Trog des Schiffshebewerks. Auch diese waren stark verschlissen und mussten erneuert werden, da es zu Wackelkontakten kommen könnte, erklärte Rainer Nitsche dazu. Und auch hier sei man froh, dass eine Reparatur überhaupt möglich war. Man hätte die Anlage zwar anfahren können, doch bestand die Gefahr, dass der Schiffsfahrstuhl mitten im Betrieb stehen bleiben könnte. "Das Risiko war uns zu groß."

Dabei sprach Nitsche den drei Mitarbeitern (ein Ingenieur, zwei Techniker), die das technische Denkmal wieder in Gang bringen sollen, sein Lob aus. "Die machen eine gute Arbeit."

Ein "Damoklesschwert" schwebt aber noch über dem möglichen Eröffnungstermin (der noch nicht feststeht) im Sommer: die Tore der Anlage. Sechs sind es an der Zahl und "die müssen natürlich funktionieren", sagt Rainer Nitsche. Das Problem: Ob das so ist, könne nur unter Vollast, also wenn die Anlage in Betrieb ist, getestet werden. Die Toranlage sei komplett geschmiert und gefettet, jedoch waren die Tore schon sehr lange nicht mehr in Bewegung. Mit einer Mischung aus Zuversicht und Bangen blickt man folglich dem Tag des ersten Betriebsversuchs entgegen. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sei es natürlich von Vorteil, dass wichtige technische Probleme jetzt ans Tageslicht kommen. Diese würden dann umgehend gelöst. Der Betrieb des technischen Denkmals wird bekanntermaßen "auf Verschleiß gefahren". Das heißt, so lange alles funktioniert, bleibt das Schiffshebewerk in Betrieb. "Alles, was wir jetzt reparieren oder erneuern, kann uns später nicht kaputtgehen", so die einfache Formel von Rainer Nitsche.

Zu den Kosten des Projekts konnte der Wirtschaftsbeigeordnete noch nichts Konkretes sagen. "Wir sind gerade dabei, alles zusammenzurechnen. Aber klar ist, es wird eine nicht unbedeutende fünfstellige Summe am Ende dabei herauskommen."

Am Sonntag, 21. April, wird übrigens um 10 Uhr der "Tag der Industriekultur" am Schiffshebewerk eröffnet.