Magdeburg. Am letzten Septemberwochenende findet in Buckau ein ungewöhnliches Kunstfestival statt. Die Form ist düster, die Botschaft deutlich: Die Katastrophe steht vor der Tür.

Es ist die Ästhetik der Apokalypse. Nach der großen Katastrophe scheinen alle kulturellen und materiellen Ausdrucksformen der Menschheit wie durch einen Schredder zerstückelt und werden jetzt in Bucktopia neu zusammengesetzt. Das, was gerade vorhanden oder besser "noch" vorhanden ist, der urbane Schrott, wird zu neuen Formen, Gebrauchsgegenständen und Kleidung verarbeitet. Es entstehen Skulpturen, Maschinen oder Kreuzungen aus beiden. Den Soundtrack dazu liefert elektronische Musik mit harten Beats und psychodelischen Klangwelten, Rap und Punk.

Bucktopia ist eine Kunstaktion, die durch Überzeichnung eine Botschaft vermitteln will: Die Katastrophe wird kommen, wenn die Menschheit weiter auf der Überholspur in den ökologischen Abgrund rast. Aber: Der Mensch hat es auch in der Hand, das zu verhindern.

"Wir sind bei der Erarbeitung des Konzeptes für Bucktopia wissenschaftlich vorgegangen und haben das Ganze kulturhistorisch und sozialwissenschaftlich betrachtet", sagt Karsten Heller vom Verein "Rand und Band", der das Festival veranstaltet. Sieben Monate wurde an Bucktopia geplant, seit zwei Monaten werde die "Gegenwelt" auf dem Gelände des "Werk 4", des ehemaligen "VEB Sauerstoff und Acetylen Werks" in Buckau, aufgebaut. Bucktopia steht für Recycling-Kunst, Streetart, Live-Musik, Theater, Satire, für einen kleinen eigenen Kosmos in Magdeburg, für den "Planet Buckau".

Bereits 2011 machte Bucktopia auf sich aufmerksam, in diesem Jahr soll die "Geschichte der letzten Überlebenden der Menschheit, die in Bucktopia eine Zuflucht gefunden haben" fortgeschrieben werden. Dieses Mal wird eine neue Welt aufgebaut, deren Grundstein die Erkenntnis ist, dass "auch aus dem großen Schrecken noch Hoffnung geschöpft werden kann". Bildende Künstler wie etwa Iven Einszehn und Holger Wenke und zahlreiche Bands werden das Programm des Festivals bestreiten, dazu kommen noch Vorträge und Gesprächsrunden. "Es wird auch ein Theaterprojekt mit einem Rollenspiel geben, das an allen drei Tagen stattfindet", sagt Karsten Heller.

Der Verein "Rand und Band" wurde im vergangenen April gegründet. Sein Ziel ist die Förderung von Kunst und Kultur und man will an der Magdeburger Kulturlandschaft mitgestalten. Bucktopia soll nur ein erstes Projekt sein, weitere sollen folgen.

Das "Werk 4" bietet für Bucktopia die besten Voraussetzungen. Im Oktober 2012 wurde es von der "Interessengemeinschaft Werk 4" als Zentrum für Kultur, Sport und Veranstaltungen eröffnet. Experimentelle Künstler sollen dort ebenso Arbeitsmöglichkeiten bekommen wie die Akteure urbaner Sportarten. Im Mittelpunkt vom Werk 4 steht die rund 2000 Quadratmeter große ehemalige Werkhalle, die zu einer Kletterhalle umgebaut wurde.

Das gesamte Werksgelände in der Brauereistraße ist etwa 13000 Quadratmeter groß und schon jetzt ist Bucktopia deutlich zu erkennen. Vom 27. bis zum 29. September wird das Festival dort stattfinden. "Wer Lust hat, kann uns dabei auch noch helfen", sagt Karsten Heller. "Infos dazu gibt es auf unserer Internetseite www.bucktopia.de."

Gefördert wird das Projekt übrigens vom Bundesbauministerium, der Stadt Magdeburg, von den Studierendenräten der Uni und der Hochschule, von mehreren Fachschaftsräten und mehreren Magdeburger Unternehmen.