Seit Jahren dümpelt der Heumarkt vor sich hin - trotz zentrumsnaher Lage. Das wird wohl auch so bleiben, zumindest so lange, bis über die seit Jahrzehnten geplante Verlängerung des Strombrückenzuges endgültig entschieden ist. Zumindest die Wobau verspricht Investitionen im Viertel.

Brückfeld l Brückfeld, einer der ältesten Stadtteile Magdeburgs, stellt sich als ein sehr uneinheitlicher Siedlungsraum dar. Während die Bewohner der Angersiedlung mit Discounter, Baumarkt und Shops an der Berliner Chaussee versorgt sind, haben es die Menschen am Heumarkt weniger gut. Sie bemängeln die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten. Lediglich auf längere Sicht ist Besserung in Sicht: Der Heumarkt könnte deutlich an Attraktivität gewinnen, neue Bewohner und damit auch Einzelhandelsgeschäfte anlocken.

Neben einigen Neubauten aus DDR-Zeiten wird der Stadtteil derzeit von einer Freifläche dominiert. Die Brache direkt an der Ecke Brückstraße/Cracauer Straße aber gilt als unbebaubar. Grund: Sie wird seit Jahrzehnten für die große Strombrückenerweiterung freigehalten.

Doch der hintere Bereich des Brachlands, also in Richtung "Zuckerbusch", kann und soll möglichst zeitnah bebaut werden. Ein Entwicklungsträger will hier ein zentrumsnahes Wohngebiet mit schmucken Reihenhäusern errichten.

Die Stadt und der Investor befinden sich nach Volksstimme-Informationen auf der Zielgeraden bei ihren Verhandlungen.

Gordischen Knoten zerschlagen

"Die Stadt ist nicht abgeneigt, dass die Fläche bebaut wird", erklärt der Amtsleiter des Stadtplanungsamtes, Heinz-Joachim Olbricht, gegenüber der Volksstimme. "Für die Entwicklung des Heumarktes wäre dies sogar sehr positiv."

Für den vorderen Bereich an der Kreuzung Cracauer Straße stehe vor konkreten Bauplänen aber zunächst die endgültige Klärung der Verkehrsführung der Strombrückenverlängerung. Olbricht: "Wir müssen abwägen, inwieweit dort eine Bebauung den Brückenbau einschränken und am Ende womöglich zu höheren Kosten für die Stadt führen könnte. Auch die Möglichkeit, dass künftige Bewohner der Wohnanlage Einsprüche gegen den Straßenbau erheben könnten, muss bedacht werden."

Olbricht weiß, wie die offenen Fragen zu beantworten sind: "Es muss endlich eine Lösung für die Strombrücke her. Denn erst, wenn das Brückenkonzept endgültig steht, kann man auch für diesen Stadtteilbereich neue Möglichkeiten in Angriff nehmen." Um dies zu erreichen, soll für die weitere Entwicklung des Heumarkts ein städtebaulicher Rahmenplan erstellt werden.

Aktuell hat das Umweltministerium die Pläne zur Strombrückenverlängerung gestoppt. Grund sei eine Gefährdungvon Flora und Fauna durch das Projekt. Die umweltfreundliche Alternative, nämlich eine freitragende Pylonbrücke, ist für die Landeshauptstadt unbezahlbar. OB Lutz Trümper will in Gesprächen mit dem Umweltminister nach einem Kompromiss suchen, sagte er jüngst vor dem Stadtrat.

Wobau kündigt Sanierung an

Nicht nur Stadträte, sondern auch Anwohner fragen sich unterdessen, ob die Verlängerung der Strombrücke überhaupt so viel Platz benötigt. Eine Bebauung der Fläche im Bereich der Straße Am Zuckerbusch ist aus Sicht vieler durchaus schon lange möglich.

Mehr Chancen auf schnelle Veränderung haben indes die Plattenbauten in der Neubausiedlung am Heumarkt. Derzeit sehen die meisten Häuser äußerlich unsaniert aus. Doch zumindest die Bewohner der Brückstraße 4 bis 9 dürfen sich freuen. Die Wobau plant an den alten Plattenbauten die Instandsetzung und Dämmung des Giebels sowie die Instandsetzung der Fassade und der Balkone. Alle Arbeiten sollen noch im ersten Halbjahr 2012 begonnen werden, bestätigt die Wobau-Pressestelle auf Volksstimme-Nachfrage. Sobald es das Wetter zulässt, sollen die Arbeiten am Giebel starten.