Da schaut man doch ein zweites Mal hin! Flauschig und verspielt wuseln Wölfe, Füchse, Tiger, Katzen und zahlreiche weitere Tierarten vor dem Maritim Hotel an der Otto-von-Guericke-Straße. Das ist jedoch kein Fall fürs Veterinäramt. Schließlich sind diese Tiere auch nur Menschen. Menschen, mit handgefertigten Kostümen, sogenannten Fursuits (zu deutsch: Fell-Anzüge). Sie nennen sich Furries. Furries sind Darstellungen von Tieren mit menschlichen Eigenschaften - sowie Fans der Szene.

Seit Mittwoch und bis morgen bietet sich zum dritten Mal den Magdeburgern der (tierische) Anblick am Rande der Eurofurence Convention. Diese nun 18. Eurofurence läuft unter dem Titel "Animalia Romana" - römische Tiere.

Begonnen hat das fluffige Massentreffen mit 19 Teilnehmern an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins in Kaiser-Wilhelm-Koog im Jahr 1995. Dieses Jahr in Magdeburg sind knapp 1300 Teilnehmer inklusive Organisatoren, Helfer und Sicherheitsleute beim größten europäischen Treffen der Fury-Fans mit dabei. Die Teilnehmer kommen aus insgesamt 34 verschiedenen Staaten: Mit darunter sind fast alle Länder Europas, die USA, Australien, Kanada, Russland und Israel. Der Grund für ihr Treffen ist so simpel wie typisch für die gutgelaunten Furries: "Wir wollen Spaß haben, alte Freunde treffen und einen kreativen Austausch erleben", sagt der stellvertretende Pressesprecher des Trägervereins Eurofurence, Lynard.

Lynard heißt er nicht im echten Leben. Für diese fünf Tage hat jeder Teilnehmer seinen Alltagsnamen abgelegt und den Namen seiner selbst kreierten Figur angenommen. Der älteste Teilnehmer ist übrigens über 90 Jahre alt.

In allen zwölf Vortragsräumen des Maritim Hotels finden täglich Veranstaltungen statt: Puppenspiele, Musikveranstaltungen, Film- und Literaturvorstellungen und einiges mehr. Als besonderes Schmankerl ist in diesem Jahr Peter S. Beagle als Ehrengast eingeladen.

Beagle veröffentlichte 1968 sein bis heute bekanntestes Werk: "Das letzte Einhorn" und schrieb das Drehbuch des 1982 erschienenen gleichnamigen Zeichentrickfilms, der zum Kassenschlager in den Kinos wurde.

Der 73-jährige US-Bürger erklärt interessierten Furries, wie die ersten Schritte eines werdenden Fantasy- und Märchenbuchautors gesetzt werden könnten. Zudem erzählt er von der Geschichte hinter seinem Werk "Das letzte Einhorn". Er gibt Anekdoten seines Lebens preis und berichtet von besonderen Momenten seiner Karriere.

Die Veranstaltung ist nur für angemeldete Gäste. Aber wer die exotischen Spaßvögel, beziehungsweise Spaßfüchse, -löwen und so weiter, selbst erleben möchte, sollte bis morgen mal die Augen in der Altstadt weit offen halten. Vielleicht huscht irgendwo ja ein zweibeiniges und liebenswertes Kuschel-Raubtier um die Ecke.

   

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Fellgestalten in Magdeburg

Halb Mensch, halb Tier? Mehr als 1000 Fans skurriler Tierkostüme vom Werwolf bis zur Comicfigur treffen sich noch bis Sonntag in Magdeburg zur 18. Eurofurence. In Workshops, bei Vorträgen und in zahlreichen Shows geht es ganz um die Fabelwelt der Furry-Fans. Das Wort Furry stammt aus dem Englischen und bedeutet pelzartig oder mit Pelz bekleidet. Die Veranstaltung mit Künstlern und Fans aus 34 Ländern wurde bereits zum dritten Mal von ehrenamtlichen Helfern organisiert.

Fotos: Uli Lücke