Das deutsche Tierschutzgesetz unterscheidet zwischen Straftatbeständen und Ordnungswidrigkeiten. Der Straftatbestand der Tierquälerei wird im Paragraph 17 näher bestimmt. Hier drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen.

Strafbar macht sich, wer Wirbeltiere ohne Grund tötet oder solchen Tieren aus Rohheit Schmerzen oder Leiden zufügt. Ein Tier aus Abneigung, Bequemlichkeit, Langeweile oder zum Abreagieren einer seelischen Spannung zu töten, ist strafbar. Dies gilt auch bei schmerzloser Tötung mit vorheriger Betäubung.

Im Mai 2002 wurde der Tierschutz auch in das Grundgesetz aufgenommen. Vor wenigen Wochen stimmte der Bundesrat einer Neufassung des Tierschutzgesetzes zu. Es schützt jetzt zum Beispiel Tiere in Zirkusbetrieben besser und verbietet Brandkennzeichnungen von Fohlen. Ab Januar 2019 wird es verboten sein, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren.

Tierquälerei bei Hunden kommt laut der Veterinärämter in Dessau-Roßlau und Magdeburg eher selten vor. Die Behörden beschlagnahmen Hunde aber nicht nur wegen Tierquälerei, sondern zum Beispiel auch bei Seuchenverdacht oder Sterbefällen der Halter. (os/wiki)

Ein Fall von schwerer Tierquälerei hat sich in Dessau-Roßlau zugetragen. Die Behörden haben das Tier beschlagnahmt. Der Hund durfte seinen Zwinger jahrelang nicht verlassen und war stark abgemagert.

Magdeburg l Bereits im Herbst vergangenen Jahres war das Veterinäramt von Dessau-Roßlau dem Hinweis einer Anwohnerin gefolgt und hatte mit Unterstützung der Feuerwehr den Bobtail aus seiner misslichen Lage befreit. Das Tier lebte in einem Zwinger auf einem Gehöft in Roßlau.

"Der stark verunsicherte Hund war bis auf die Knochen abgemagert und sein Fell völlig verfilzt", erzählt Catrin Rhode, Leiterin des Dessauer Tierheimes, wo der Hund hingebracht wurde. Nach ihrer Information habe der Bobtail, von dem kein Name bekannt war, den Zwinger schon jahrelang nicht mehr verlassen.

"Er war bis auf die Knochen abgemagert."

Die Halter seien ein älteres Ehepaar gewesen. "Er ist gestorben, und sie lebt inzwischen in einem Altersheim", erzählt die Tierheim-Leiterin. Über die näheren Umstände, warum der Hund ein so langes Martyrium erleiden musste, kann sie nichts sagen. Rhode: "Aber so einen extremen Fall von Verwahrlosung hatten wir schon mehrere Jahre nicht mehr." Der Hund wurde geschoren, von Ungeziefer befreit und dann über Monate "aufgepäppelt". Er ist zwar halb blind, taub und kann sein Wasser nicht mehr halten, aber sein "Restzustand" hat sich inzwischen gebessert.

Die Mitarbeiter im Tierheim gaben dem Hund einen Namen. Er heißt jetzt "Knut". In Dessau sollte "Knuti" seine letzten Jahre aber nicht im Tierheim-Zwinger verbringen. Deshalb wurde im Magdeburger "Altenheim für Hunde" angefragt - mit Erfolg. Seit einigen Tagen trottet "Knut" mit vier anderen Altersgenossen durch den "Altersheim"-Garten. Dort einen Platz zu bekommen, ist für alte unvermittelbare Hunde so etwas wie ein Fünfer im Lotto.

Das "Altersheim" wird von einem Magdeburger Tierschutzverein organisiert, der nur 13 Mitglieder zählt. Die Stadt hat dem Verein in Nachbarschaft eines Gewerbehofes ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Dort gibt es eine Unterkunft für fünf Hunde, eine Küche und einen großen Freilaufbereich. Hunde aus vielen Städten Sachsen-Anhalts haben auf diesem Gnadenhof schon ihre letzten Jahre verbracht - nun auch "Knut". Birgit Krise vom Verein "Hunde-Altersheim" hat den Bobtail schon in ihr Herz geschlossen. "Ungewöhnlich für so einen alten Hund ist, dass er ständig spielen will", erzählt sie. Das freie Herumlaufen und der Kontakt mit den anderen, etwa gleich großen Hunden in der Anlage haben ihm neues Leben eingehaucht.

"Viele Hinweise wegen Nachbarschaftsstreit"

"Es gab mehrere Bewerberhunde für einen frei gewordenen Platz. Auf Grund seines besonderen Schicksals haben wir uns aber für Knut entschieden", so Birgit Krise.

Tierquälereien wie im vorliegenden Fall sind auch aus Sicht der Behörden glücklicherweise die Ausnahme. Juliane Eigendorf, Amtstierärztin in Dessau-Roßlau, sagt: "Wir hatten 2012 genau zehn Beschlagnahmungen von Hunden in der Stadt. Aber darunter fallen zum Beispiel auch Beschlagnahmungen nach Sterbefällen von Haltern oder Krankenhauseinlieferungen."

In Magdeburg ist die Lage ähnlich. Veterinäramtsleiter Eike Henning: "Wir sind 2012 in der Stadt zwar etwa 80 Hinweisen nachgegangen. Aber in weit mehr als die Hälfte aller Fälle hatten die Vorkommnisse keine strafrechtliche Bedeutung." Vielfach handele es sich um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Echte Fälle von Tierquälerei seien selten. "Das bekomme ich auch in Gesprächen mit Amtskollegen in den Landkreisbehörden bestätigt", so Amtsleiter Eike Henning.