Magdeburg (dpa). Nach langer Arbeitslosigkeit sollen sie im Garten wieder verschüttete Tugenden entdecken. Pünktlich zur Arbeit erscheinen, Aufgaben erledigen, im Team arbeiten, freundlich sein. Das Modell der Tafelgärten ist schon in vielen Bundesländern aufgegriffen worden. Die Idee ist: Arbeitslose bauen in leerstehenden Kleingärten Obst und Gemüse an, das an die Tafeln für bedürftige Menschen geht.

Der Tafel-Bundesverband berichtet von rund 30 solcher Projekte. Magdeburg dürfte mit dem Start 2006 aber zu den Vorreitern gehört haben.

Manfred Welzel steht im Garten Nummer 119 einer Gartensparte am südlichen Ortsrand von Magdeburg. Der 57-Jährige war viele Jahre zu Hause. Er ist in Lemgo (Nordrhein-Westfalen) auf dem Land aufgewachsen, zog nach der Wende wegen seiner Frau in den Osten, kam aber beruflich nicht so recht auf die Beine.

"Wenn man einmal arbeitslos ist, hat man verloren", ist Welzels Erfahrung. Acht, neun Jahre blieb er ohne Job, eine Maßnahme folgte der anderen. Dann kamen die Tafelgärten, und er blühte auf.

65 Männer und Frauen arbeiten in rund 100 Parzellen, jede ist gut 400 Quadratmeter groß. Das Projekt bringe allen etwas, sagt Ray Küddelsmann, Teamleiter aus dem Jobcenter in Magdeburg. "Die Teilnehmer fühlen sich gebraucht, haben eine sinnvolle Beschäftigung, und ihre Arbeit kommt einem guten Zweck zugute." Letztlich ist das Ziel, die Ein-Euro-Jobber ein Stück weit näher an den Arbeitsmarkt zu bringen. Viele seien im fortgeschrittenen Alter - der Durchschnitt liegt bei 50 Jahren, einige hätten Schulden, auch Obdachlose seien dabei. "Es geht um Stabilisierung und darum, einen regelmäßigen Rhythmus zu schaffen", sagt Küddelsmann.

Das Gros der Ernte wird in der Suppenküche der Magdeburger Tafel verarbeitet, die täglich rund 80 bis 100 Bedürftige mit Mittagessen versorgt. Sie wird wie die Tafelgärten von der städtischen Qualifizierungsgesellschaft AQB getragen.

Die Tafel in Magdeburg gibt laut Geschäftsführerin Alexandra Rießler täglich rund 300 Lebensmittelbeutel aus. Die Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen - wie die Zahl der Ausgabestellen. "Mit der Kundenzahl erhöht sich aber nicht die Menge der Spenden", sagt Rießler. Die Ernte aus den Tafelgärten erweitere das Angebot.