Potzehne l Eine ganze Woche lang soll es ab dem heutigen Montag wieder Protestaktionen "um und im" Gefechstübungszentrum des Heeres Altmark geben. Am Sonntag bezogen die ersten Militärgegner ihre Zelte im "War starts here - Camp nahe Potzehne.

Der Eingang ist rund um die Uhr mit vier bis fünf Wachposten besetzt. Denn auf der rund ein Hektar großen Wiese zwischen Potzehne und Parleib herrscht schon reger Betrieb. "Fünfzig bis einhundert", Leute seien schon angereist, sagt Sprecher Farin Skemp, der seinen bürgerlichen Namen nicht nennen möchte - vor der Presse solle sich niemand in den Vordergrund rücken, erklärt er. Etwa 300 bis 500 Militärgegner würden insgesamt erwartet. "Bei einzelnen Aktionen könnten es durchaus noch etliche mehr werden", schätzt er ein.

Vor Ort sind die Teilnehmer des Internationalen Diskussions- und Aktions-Camps "War starts here" im vergangenen September schon gewesen. Geplant haben die Organisatoren auch in diesem Jahr Protestaktionen gegen das nahe Gefechtsübungszentrum des Heeres. Einige davon, so das "Teach In", das heute ab 14 Uhr am Letzlinger Bahnhof zum Thema Massaker an der Isenschnibber Feldscheune stattfinden wird, sind öffentlich. Zu weiteren Workshops an anderen Tagen sind indes nicht alle Gäste willkommen, da wolle man eher unter sich sein.

"Wer bei uns vorbeischauen will, mal einen Kaffee trinken", sei aber herzlich eingeladen, versichert der Camp-Sprecher. Auch im vergangenen Jahr habe es schließlich schon viele Gespräche mit Bürgern gegeben - unter anderem mit Letzlinger Einwohnern - "die sich teilweise nicht getraut haben, sich öffentlich zu uns zu bekennen."

Ein Eindruck den viele Letzlinger so wohl nicht wiedergeben würden. Die Präsenz der Bundeswehr wird - auch als Arbeitgeber - in der Region allgemein akzeptiert. Das Camp der Militärgegner hatte im vergangenen Jahr indes für viel Unruhe gesorgt.

Und die genau ist eingeplant. Es seien Mahnwachen rund um das Gefechtsübungszentrum aber auch "Übergriffe rund um und im GÜZ" angedacht, sagt "Farin Skemp"."Praktisch das gleiche Spiel wie im vergangenen Jahr".

Dass in diesem Jahr während der gesamten Protestwoche gar kein Übungsbetrieb auf dem Truppenübungsplatz stattfinde, sei übrigens nicht relevant für die Protestler, versichert der Camp-Sprecher auf Nachfrage. "Wir haben das zwar erst im Nachhinein erfahren, es spielt aber keine Rolle." Mit dem Schutz der eigenen Leute, zum Beispiel vor Unfällen auf dem Gelände des GÜZ habe diese Entscheidung nichts zu tun.

Ohnehin glaube auch keiner der Campteilnehmer an eine Gefahr. Auch nicht vor noch im Erdreich vorhandener Munition. "Da ist doch schon seit Jahren nichts mehr passiert."

Passieren soll indes einiges auf dem GÜZ-Gelände: Sicher sei, "dass wir dort auch kritische Parolen hinterlassen werden". Und zwar voraussichtlich in der Farbe Rosa. Eine Sachbeschädigung, die "das Militär aushalten muss", wie die Militärgegner finden. "So viel Rosa wie nötig wäre, können wir gar nicht verteilen."

Dass dabei Protestler in Gewahrsam genommen werde, sei möglich, gibt der Camp-Sprecher zu. "Eventuell gibt es dann auch wieder Verhaftungen". Im vergangenen Jahr seien es seiner Information nach 24 Personen gewesen. Wer am Camp teilnehme werde aber während des Vorbereitungstages am Freitag auch auf die rechtlichen Vorschriften hingewiesen versichert er.

Auf mögliche Auseinandersetzungen mit den Demonstrationsteilnehmern bei den verschiedenen Aktionen und Mahnwachen in dieser Woche bereitet sich derzeit auch die Polizei vor. Insgesamt sollen 600 Beamte zum Einsatz kommen, insbesondere am Aktionstag, am Sonnabend, 27. Juli, zu dem die Campteilnehmer noch "viele Besucher" erwarte, die sich nur an diesem Tag an den Mahnwachen beteiligen werden.

"Bislang ist aber noch alles ruhig", sagt Polizeisprecherin Tina Beck von der Polizeidirektion Nord. Vor Ort sind gestern zunächst zwei Einsatzwagen der Polizei. Als ein Campteilnehmer die Beamten fotogafiert, reagieren die allerdings ärgerlich. "Sie wollen nicht, dass wir Sie fotografieren, also unterlassen Sie das bitte auch Ihrerseits", fordert einer der Polizisten den Hobbyfotografen auf. Eine Reaktion darauf gibt es nicht. "Wir haben auch das Gefühl, dass die Polizei in diesem Jahr friedlicher mit uns umgeht", sagt "Farin Skemp". Auf mögliche "Polizeischikanen" werde man "diesmal" aber anders reagieren, als im vergangenen Jahr: "Wir werden sofort anwaltlich dagegen vorgehen."