Halle/Zug (dpa) l Der Mord an einer jahrelang vermissten Frau aus der Schweiz kommt am kommenden Montag in Halle vor Gericht. Auf der Anklagebank sitzt ein 42 Jahre alter Mann - ein schon verurteilter Doppelmörder. Er war 2010 wegen heimtückischen Mordes an einer Rentnerin und einem Arzt im Südharz zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

Die 76-Jährige und den 64 Jahre alten Mediziner hatte der Mann nach Überzeugung des Gerichts 2008 ermordet, um an Geld und ein Auto zu gelangen - um damit vor einer anderen Haftstrafe aus Deutschland fliehen zu können.

Die Schweizerin soll er schon ein Jahr vor dem Doppelmord von Mansfeld (Landkreis Mansfeld-Südharz) umgebracht haben, auch um an eine EC-Karte zu gelangen. Bis die skelettierte Leiche der Frau im Februar 2011 schließlich entdeckt wurde, hatten Ermittler zwar ein Verbrechen vermutet und den 42-Jährigen aus Sachsen-Anhalt auch im Visier - beweisen konnten sie jedoch nichts. Der jetzt Angeklagte hatte zwischenzeitlich ausgesagt, die Frau, die er in der Schweiz kennengelernt hatte, sei bei einem Streit aus dem Auto gefallen - es sei ein Unfall gewesen. Ihre Leiche habe er im Rhein versenkt. Bis heute bestreite er einen Mord an der Frau, sagte ein Sprecher des Landgerichts in Halle.

Eigentlich sitzt der 42-Jährige seit seiner Verurteilung wegen des Doppelmordes ohnehin für immer hinter Gittern. "Mord verjährt aber nicht", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle mit Blick auf die weitere Anklage gegen den Mann. Der Tod der Frau müsse gesühnt werden. Selbst im Bodensee, dessen Ufer in der Schweiz und in Deutschland liegen, hatten die Ermittler nach ihr gesucht, im Rhein, in Wäldern, in ihrer Heimatregion Rotkreuz im Schweizer Kanton Zug sowieso - die Verkäuferin war einfach weg. Der aus dem Südharz stammende Angeklagte hatte in der Schweiz gelebt, nach dem Doppelmord von Mansfeld war er dort in einem Biergarten festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden - so war er ins Visier geraten.

Erst im Winter 2011 - der mutmaßliche Mörder saß längst wegen der anderen Taten im Gefängnis - machten Forstarbeiter in Sachsen-Anhalt die entscheidende und zugleich grauenvolle Entdeckung. Nahe dem früheren Wohnort des Doppelmörders in Deutschland fanden sie in einem abgelegenen Waldstück die Reste eines Skeletts. Anhand von DNA-Spuren war den Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft in beiden Ländern bald klar: Das sind die sterblichen Überreste der vermissten Frau aus der Schweiz.

Nach Ansicht der Ermittler hatte der Angeklagte die Frau an einen Baum gefesselt und getötet. Von dem Ort, an dem sich der Doppelmord von Mansfeld ereignet hat, ist der Fundort der skelettierten Leiche der Schweizerin nur einen Katzensprung entfernt.