Alle Termine zum Weltblutspendetag in Sachsen-Anhalt
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Magdeburg | In einem Kühlraum des Uniklinikums Magdeburg deutet Silke Schulze auf Blutkonserven mit dem Symbol des Deutschen Roten Kreuzes. "Diese mussten wir zukaufen," sagt die Pressesprecherin der Blutbank in dem vier Grad kalten Raum.


Andere Konserven tragen das Kürzel MD. "Das sind unsere", so Schulze. In der Blutbank der Uniklinik lagerten Anfang Juni ungefähr 470 Blutkonserven, von denen circa 300 in der Blutspendestelle im ersten Stock der Blutbank gefüllt wurden.

15 Prozent weniger Spender seit 2008

Nur weil täglich Menschen zum Blutspenden in die Blutbank kommen, funktioniert die Versorgung des Uniklinikums mit Blutkonserven. Doch die Blutbank verzeichnet einen Spenderrückgang, den auch Spendenaufrufe wie zum Weltblutspendetag am Sonntag nicht kompensieren können. Seit 2008 hat die Blutbank gut 15 Prozent ihrer Spender verloren. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Sachsen-Anhalt verzeichnete in gleichen Zeitraum einen ähnlichen Spenderrückgang.

Verantwortlich für den Verlust an Freiwilligen ist nach Aussage der Uniklinik unter anderem der Geburtenknick der Wende. Junge Spender werden seltener geworben und werden weniger häufig Mehrfachspender. Die Spender, die wiederkommen, überaltern. Die Zahl der regelmäßigen Spender stieg in Sachsen-Anhalt seit 2008 nur im Segment der über 50-Jährigen.

Marvin Treu kam vergangene Woche zur Blutspende ins Uniklinikum. Der 19-Jährige glaubt, dass viele seiner Altersgenossen keine Zeit für die Blutspende freihalten wollen. "Manche sind gar nicht informiert, und andere schieben andere Dinge vor", sagt Treu. Der Gesundheits- und Krankenpfleger in Ausbildung war in Begleitung seiner Eltern, die ebenfalls regelmäßig Blut spenden.

Teurer Zukauf von Blutkonserven

Pressesprecherin Schulze sagt, dass sich die Menge an Blutkonserven, die das Klinikum zukaufen muss, seit 2008 annähernd verdoppelt hat. "Wir sind in einem Loch und strampeln", sagt sie. Letztes Jahr kostete der Zukauf von gut 6.000 Konserven die Klinik ungefähr 640.000 Euro. Blutkonserven halten 35 Tage. Der Lagerbestand schwankt, je nachdem welche Operationen durchgeführt werden.

"Eine Lebertransplantation kündigt sich nicht an, ein Unfall auf der Autobahn 14 auch nicht", sagt Schulze. "Wenn der Rettungshubschrauber kommt, müssen wir reagieren." Bei unfallchirurgischen Eingriffen oder Organtransplantationen werden oft 20 oder sogar 30 Blutkonserven benötigt.

Ungefähr 48 Prozent der Erstspender an der Uniklinik waren 2014 unter 24 Jahre alt. Im Jahr 2006 waren es noch 54 Prozent. Kinder, die in den Jahren mit den niedrigsten Geburtenraten in Sachsen-Anhalt geboren wurden, sind jetzt 19 Jahre und 21 Jahre alt. Von 1990 bis 1992 halbierte sich die Geburtenrate in den neuen Bundesländer annähernd. Statt 1,5 Kindern brachte jede Frau durchschnittlich nur noch 0,8 Kinder zur Welt.

Junge sind seltener Mehrfachspender

Dramatischer als der Rückgang bei jungen Erstspendern an der Uniklinik ist der Rückgang der Mehrfachspender in der Alterskategorie der 18- bis 24-Jährigen. Während 2006 noch 27 Prozent der jungen Spender wiederkamen, waren es 2014 nur noch 19 Prozent. Einen ähnlich drastischen Rückgang gab es bei den 35- bis 44-jährigen Mehrfachspendern.

Wegen Wegzügen und dem demographischen Wandel schrumpft die Einwohnerzahl Sachsen-Anhalts. Doch ein Anstieg der Operationen pro Kopf sowie die Einführung neuer operativer Eingriffe am Uniklinikum Magdeburg ließen den Blutkonserven-Verbrauch des Krankenhauses seit 2006 annähernd konstant bleiben.

Das Deutsche Rote Kreuz versorgt in Sachsen-Anhalt kleine Krankenhäuser mit Blutkonserven und fängt den gestiegenen Bedarf der Unikliniken mit eigener Blutbank in Magdeburg und Halle auf. Während 2004 noch durchschnittlich 70 Spender zu den mobilen Spendestationen des DRK in Sachsen-Anhalt kamen, waren es 2014 nur noch durchschnittlich 50 Spender. Weil Spendentermine so unrentabel wurden, bot das DRK in Sachsen-Anhalt vergangenes Jahr gut 180 Termine weniger an. Trotzdem genügend Spender zu finden ist da schwer.

"Verstaubtes Image" der Blutspende

"Von Jahr zu Jahr müssen wir mehr Aufwand betreiben", sagt Nico Feldmann, Abteilungsleiter des Blutspendedienstes beim DRK Sachsen-Anhalt. "In der Tat sind es die Jungen, die fehlen."
Feldmann sagt, dass mobile Blutspendeangebote zum Beispiel an Gymnasien Junge zum Blutspenden animieren könnten. Neben demographischen Faktoren sieht er die mangelnde Teilnahme junger Leute als Folge des "verstaubten Images" der Blutspende. "Die Masse der Spender ist über 50 Jahre alt", so Feldmann. "Wenn man in die Zukunft schaut, dann wachsen die da raus."

Auch beim DRK gingen die Anteile der Spender unter 50-Jährigen zurück. Am schwächsten vertreten war 2014 die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen mit nur gut 12 Prozent. Die größten Verluste verzeichneten die 40- bis 49-Jährigen, deren Beteiligung zwischen 2009 und 2014 von gut 30 Prozent auf gut 24 Prozent zurückging.

Zuviele Möglichkeiten, Gutes zu tun

Eine Blutspende dauert von Anmeldung bis zum Imbiss danach ungefähr eine Stunde. Nach dieser Stunde müssten viele Menschen in ihrem Alltag gezielt suchen, so die Pressesprecherin Schulze. Sie glaubt, dass die Bereitschaft zur Blutspende in der Bevölkerung weiterhin groß ist. "Prinzipiell glaube ich nicht, dass die Bereitschaft im Denken zurückgegangen ist. Aber es gibt heutzutage sehr viele Möglichkeiten, Gutes zu tun", so Schulze. "Wir machen es den Leuten eher schwer, denn wir arbeiten mit Nadeln."

Blutspender Marvin Treu glaubt, dass der Nachwuchs die Sache selbst in die Hand nehmen muss. "Eigentlich müssten junge Leute andere junge Leute animieren", sagte er.

 

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