Der Rententrend in Sachsen-Anhalt zeigt dramatisch nach unten. Experten rechnen einer Studie zufolge mit einem Absinken der durchschnittlichen Rente um etwa ein Drittel.

Magdeburg l Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) hat in einer Studie die zukünftige Rentenentwicklung simuliert. Für das Gebiet der neuen Bundesländer kommt die Studie zu dramatischen Aussagen.

Innerhalb der nächsten 20 Jahre wird die durchschnittliche Rente hierzulande um etwa ein Drittel sinken. Während Männer derzeit etwa 900 Euro Rente bekommen, müssen sich die heute 40- bis 50-Jährigen mit durchschnittlich 600 Euro begnügen.

Vorausgesetzt, die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen-Anhalt verlaufe positiver als heute prognostiziert, erhöht sich der Durchschnittswert auf lediglich 700 Euro, so die DIW-Studie. Schuld an der Misere sind nach Auffassung der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland die Brüche in der Einkommensbiografie vieler Ostdeutscher nach der Wende.

Viele Menschen, die nach 1990 nur geringe Einkommen aus ABM und Niedriglohnjobs beziehen konnten, bekommen sehr viel weniger Rente als Menschen, die in der DDR vollbeschäftigt waren. Derzeit besteht die heutige Rentnerschaft noch zum Großteil aus Menschen, die in der DDR gearbeitet haben. Deshalb ist die Gesamtlage auch noch ausgeglichen. Doch das werde sich bald ändern, heißt es.

Bereits heute leben in Sachsen-Anhalt etwa 6000 Menschen im Rentenalter, die nur über eine sehr niedrige Grundsicherung verfügen. Beispiele für von Altersarmut Betroffene gibt es viele. Sigrun Pfeifer (61), Diplom-Wirtschaftlerin aus Magdeburg, muss mit 650 Euro Erwerbsminderungsrente auskommen. Eintrittsgelder, Bücher und erst recht einen Urlaub kann sich die Magdeburgerin nicht leisten. Kurt Gehrmann aus Genthin holt sich regelmäßig Lebensmittel bei der Genthiner Tafel im Haus der Diakonie. "Ohne das Angebot hier wäre ich schon lange erledigt", sagt Gehrmann. Nur 576 Euro Rente bezieht der 72-Jährige. Nach einem schweren Unfall im Alter von 42 Jahren bekam er eine Berufsunfähigkeitsrente und verdiente sich als Wächter in verschiedenen Genthiner Betrieben etwas dazu. "Wie ein Bettler" sei er sich das erste Mal vorgekommen, als er bei der Genthiner Tafel Lebensmittel bekommen hat. Dass er so etwas mal erleben müsste, das hätte er sich als Berufstätiger in der DDR niemals vorstellen können. Seite 3