Magdeburg. "Snooker ist Technik, Präzision, Konzentration und Improvisation", so beschreibt Trainer Steffen Löwe (30) sein Hobby, das er seit November als Hochschulsport in Magdeburg anbietet. Wie bereits erstmals im Vorsemester können maximal sechs Personen im Snookerclub Magdeburg alles rund um die Billardvariante erlernen – von der Theorie über die Technik bis hin zum taktischen Spiel.

Beim Snooker geht es darum, jeweils abwechselnd eine von 15 roten Kugeln und eine von sechs andersfarbigen Kugeln einzulochen, um so Punkte zu erzielen. Die sechs "bunten" Bälle werden danach wieder auf dem Tisch platziert und bringen, je nach Farbe, verschiedene Punkte. Der Name Snooker bezieht sich dabei auf eine gleichnamige Spielsituation, in der ein Spieler einen Ball, den er laut Regeln anspielen müsste, nicht direkt erreichen kann. Dadurch wird der Spieler zu einer schwierigeren Lösung gezwungen.

Anders als beim bekannten Poolbillard sind die Kugeln und die Löcher kleiner; der Spieltisch ist mit über 3,5 Metern Länge hingegen viel größer. "Und genau darin liegt die Schwierigkeit", weiß Stefan Tiedemann (21), der sich in diesem Semester an der Sportart versucht. "Snooker verlangt einfach eine unglaubliche Präzision." Der Sport- und Technikstudent an der Uni Magdeburg ist im Fernsehen auf das Kugelspiel aufmerksam geworden und eifert besonders in den Wintermonaten gerne den Profis nach. "Bei denen sieht das Spiel so locker und leicht aus", staunt Tiedemann immer wieder.

Einmal pro Woche trainiert der gebürtige Berliner mit anderen Begeisterten in der Ackerstraße. "Wir verstehen uns hier super und die Atmosphäre ist prima", freut sich der Student. Und mit zunehmenden Spielerfolgen steige der Spaß weiter an. "Es ist beispielsweise ein richtig geiles Gefühl, wenn man einen langen Ball über den gesamten Tisch hinweg lochen kann." Doch das soll für den 21-Jährigen erst der Anfang sein. Am Ende möchte Tiedemann ein Break in Höhe von 30 bis 40 aufstellen, also eine Serie von Punkten, bei denen er durchgehend am Tisch ist. Das "Maximum Break" liegt übrigens bei 147 Punkten.

"Außerdem will ich dann mal ein Spiel gegen meinen Trainer gewinnen", grinst der Student Coach Steffen Löwe an. Der 30-jährige Sportwart des Clubs trainiert die Studenten und ist gleichzeitig in der zweiten Bundesliga aktiv. Der zweimalige Vizelandesmeister spielte acht Jahre lang in einem Poolbillardverein, bevor er sich dem Snooker zuwandte. "Das ist definitiv eine große Umstellung", findet Löwe, denn das Spiel sei einfach "viel anspruchsvoller und Erfolgserlebnisse viel seltener." Doch davon sollte sich niemand abschrecken lassen.

Mit dem Sportangebot möchte der Verein junge Leute integrieren. "Wir wollen den Studenten das Spiel näher bringen", erklärt Löwe. "Sie sollen Spaß am Snooker finden und vielleicht am Ende sogar beim Verein bleiben", fügt der Trainer augenzwinkernd hinzu. Seinen größten Moment erlebte Löwe, als er ein Turnier gewann, bei dem als Preis ein Duell gegen einen Profispieler ausgelobt wurde. So durfte er gegen Weltmeister Stephen Hendry, der als erfolgreichster Snookerspieler aller Zeiten gilt, antreten. "Es ist echt aufregend, wenn man vor 1500 Zuschauern spielt, das muss man erst einmal ausblenden", erzählt Löwe. Mit zitternden Knien gelangen dem BWL-Studenten immerhin ein paar Punkte im Duell mit dem siebenfachen Weltmeister. Zum Sieg gegen Hendry hat es aber doch nicht ganz gereicht.

Bis zu solchen Erlebnissen ist es für die Snookerschüler noch ein weiter Weg. Erst einmal stehen die Grundkenntnisse des Spieles im Vordergrund. "Bälle einlochen sollten die Spieler erst einmal beherrschen", erklärt der Trainer. Später könne man im Training dann auch auf Feinheiten, wie das richtige Stellungsspiel, den Aufbau eines Breaks oder das Snookern, also Blockieren seines Gegners, eingehen. Damit das Spiel irgendwann so locker und leicht aussieht, wie bei den Profis im Fernsehen.


*) Norman Fischer studiert an der Hochschule Magdeburg-Stendal Journalistik/Medienmanagement