Arbeit

Gewerkschaftsbund sieht gute Gründe für höheren Mindestlohn

Von dpa 17.09.2021, 14:12 • Aktualisiert: 18.09.2021, 22:03
Euromünzen und Euroscheine liegen auf Entgeltabrechnungen.
Euromünzen und Euroscheine liegen auf Entgeltabrechnungen. Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Schwerin - Wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat der Deutsche Gewerkschaftsbund seine Forderung nach einem höheren gesetzlichen Mindestlohn und mehr Tariftreue untermauert. Von einer Anhebung des Mindestlohns von derzeit 9,60 auf 12,00 Euro würden Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern überdurchschnittlich profitieren, erklärte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter am Freitag in Schwerin.

Einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge führe ein höherer Mindestlohn nicht nur in Niedriglohn-Branchen wie Gastgewerbe oder Einzelhandel zu besserer Bezahlung. Mehr Geld sei auch für Beschäftigte in Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Büros zu erwarten. „Nach unseren Berechnungen würde es für knapp 200.000 Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern zum Teil deutliche Lohnerhöhungen geben, die Zahl der Aufstocker würde sich verringern“, erklärte Schlüter. Das Land könne mit zusätzlichen Steuereinnahmen rechnen - nicht nur durch höhere Einkommen, sondern auch durch mehr Konsum. Neben Frauen zählten Beschäftigte in kleineren Betrieben ohne Tarifbindung zu den Hauptbegünstigten.

Schlüter richtete an die künftige Landesregierung die Erwartung, sowohl die Wirtschaftsförderung als auch die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Tariftreue der Firmen zu binden. Die SPD war mit diesem auch von der oppositionellen Linksfraktion unterstützten Vorhaben am Widerstand ihres Koalitionspartners CDU gescheitert. Auch die Wirtschaft lehnt das ab. Mecklenburg-Vorpommern gilt als das Bundesland mit dem niedrigsten Lohnniveau, insbesondere weil gut bezahlte Industrie-Arbeitsplätze fehlen.