Klimawandel

Winter wieder zu warm - Ein Februar der Extreme

Wieder einmal zu warm und am Ende voller Kontraste und Rekorde: Der Winter 2020/21 hatte es in sich. Der Klimawandel spielte dabei auch eine Rolle - gerade beim frühlingshaften Ausklang.

Von Eva Krafczyk, dpa
Gregor Fischer
Gregor Fischer dpa

Offenbach (dpa) - Schnee und Frost hielt der diesjährige Winter ebenso bereit wie Biergartenwetter, das die ersten Menschen schon zu kurzen Hosen und bauchfreien Tops greifen ließ.

Zwar lagen die Tage mit Höchstwerten von 20 Grad und mehr schon nahe am März und damit am meteorologischen Frühlingsanfang, doch auch über die drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar betrachtet war es - wieder einmal - zu warm, so der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner vorläufigen Winterbilanz mit den Auswertungen seiner rund 2000 Messstationen. Genauer gesagt: Es war der zehnte zu warme Winter in Folge.

Der Temperaturdurchschnitt lag im Winter 2020/21 bei 1,8 Grad und damit um 1,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung immer noch 0,4 Grad, hieß es. Die Werte beziehen sich dabei auf den meteorologischen Winter, der im Gegensatz zum astronomischen immer am 1. Dezember beginnt und mit dem letzten Februartag endet.

Gerade im Februar gab es vor allem in der Nord- und der Osthälfte Deutschlands wieder einen "richtigen" Winter mit reichlich Schnee. Anfang Februar sorgte eine extrem seltene Grenzwetterlage für Schnee und Eis im Norden, während im Süden milde Temperaturen herrschten. Vor allem in Thüringen und in Osthessen herrschten in den Nächten Gefrierschranktemperaturen um minus 20 Grad. Den deutschlandweit tiefsten Winterwert verzeichnete Mühlhausen-Görmar, nordwestlich von Erfurt, am 10. Februar mit minus 26,7 Grad.

Mit knapp 180 Litern Niederschlag pro Quadratmeter erreichte der Winter 2020/21 fast genau seinen Sollwert von 181 Litern pro Quadratmeter. Am 28. Januar fiel dabei in Bernau-Goldbach im Südschwarzwald mit 87,4 Litern pro Quadratmeter die größte Tagesmenge. Im Schwarzwald wurde auch mit lokal um die 585 Litern pro Quadratmeter die deutschlandweit größte Gesamtsumme gemessen. Bereits gefallene Schneemengen in den Alpen und später auch den Mittelgebirgen führten Ende Januar mit einsetzendem Tauwetter und kräftigen Regenfällen im Westen und Süden zu großem Hochwasser.

Trockenheit war dagegen etwa in Teilen von Sachsen, Thüringen und Brandenburg ein Problem: Dort blieb es im ganzen Winter bei kaum 50 Litern Niederschlag pro Quadratmeter.

Beim Sonnenschein verzeichneten die Meteorologen ein deutliches Plus. Mit mehr als 175 Stunden überschritt die Sonnenscheindauer im Winter 2020/21 ihr Soll von 153 Stunden im Vergleich zur Periode 1961 bis 1990 deutlich. Im Vergleich zur Periode 1991 bis 2020 lag die Sonnenscheindauer geringfügig über dem Klimawert von 170 Stunden. Am sonnigsten war es am Alpenrand, wo sich die Sonne bis zu 285 Stunden zeigte. Am wenigsten ließ sie sich im äußersten Norden, dem Taunus sowie dem Sauerland mit teils weniger als 125 Stunden blicken.

Bemerkenswert war im Februar auch der Temperaturanstieg nach der Kälte. Hatte es zunächst so ausgesehen, als könnte der Monat überdurchschnittlich kühl ausfallen, legte das Wetter einen Rekord-Umschwung hin. Besonders extrem fiel der Wechsel in Göttingen aus: Während dort am 14. Februar noch ein Tiefstwert von minus 23,8 Grad gemessen worden war, betrug der Höchstwert am 21. Februar 18,1 Grad - also ein Anstieg um 41,9 Grad.

Um etwas auch nur annähernd Vergleichbares zu finden, mussten die Wetterforscher weit in die Vergangenheit zurückgehen: Der bisherige Rekord war im Mai 1880, also in der Frühzeit der Wetteraufzeichnungen, festgestellt worden. Damals sei ein Temperaturanstieg von 41 Grad innerhalb von sieben Tagen gemessen worden, sagte ein Sprecher des DWD. In Hamburg stieg die Temperatur am 22. Februar zum ersten Mal in der Geschichte der Wetteraufzeichnung mit einem Höchstwert von 21,1 Grad in einem Wintermonat über die 20-Grad-Marke.

Doch nicht nur das: Erstmals in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen wurden nach DWD-Angaben in Wintermonaten an sechs hintereinander folgenden Tagen Temperaturen von 20 Grad und mehr gemessen. "Es gab schon mehrmals drei Tage hintereinander, zuletzt im Jahr 2019", sagte ein DWD-Sprecher. "Nun hat sich das auf Anhieb verdoppelt - da zeigt sich ganz deutlich die Klima-Erwärmung." So schön die milden Temperaturen für viele Menschen nach den langen Wintermonaten auch seien - Klimaforscher und Meteorologen seien angesichts dieser Werte sehr beunruhigt.

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