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Winterwetter im Nordwesten Sturm „Elli“ zieht ab, Frost kommt – Probleme im Bahnverkehr

Schneeverwehungen, eingefrorene Weichen und gestrandete Autos: Die Folgen von Wintersturm „Elli“ sind vielerorts noch immer zu spüren. Wie es weitergeht – und wo es Hindernisse gibt.

Von dpa Aktualisiert: 10.01.2026, 17:02
Der Fernverkehr soll langsam wieder anrollen.
Der Fernverkehr soll langsam wieder anrollen. Moritz Frankenberg/dpa

Hannover/Bremen - Niedersachsen und Bremen haben Wintersturm „Elli“ überstanden – doch das öffentliche Leben kommt nur langsam wieder in Gang. Die Deutsche Bahn kündigte an, dass der Zugverkehr auf mehreren wichtigen norddeutschen Fernverkehrsstrecken noch bis voraussichtlich Sonntag ausfällt. Der Regionalverkehr rollte in Niedersachsen und Bremen nur schrittweise mit Beeinträchtigungen an. Viele Land- und Kreisstraßen sind noch gesperrt, da es Schneeverwehungen gibt oder Straßen zu glatt sind.

Der Schneefall und auch der Sturm haben inzwischen zwar nachgelassen, in einigen Städten und Kreisen ist der ÖPNV noch eingeschränkt oder ganz eingestellt. An der Küste wurde der Fährverkehr wieder aufgenommen.

Allerdings drohen neue Beeinträchtigungen durch Frost und Glätte. In der Nacht zum Sonntag soll es bitterkalt werden. Die Temperaturen sollen laut Vorhersage auf bis zu minus 15 Grad sinken. Ein Überblick, wie es im Nordwesten aussieht:

Probleme im Fernverkehr rund um Hannover

Zwar nahm die Bahn auf der wichtigen Verbindung Hamburg-Bremen-Osnabrück-NRW den Fernverkehr am Mittag wieder auf, Probleme gab es wegen frostiger Witterung aber insbesondere am und um den Bahnknoten Hannover. „Schneeverwehungen machen bereits geräumte Gleise wieder unbefahrbar und weitere Räum- und Erkundungsfahrten nötig“, teilte die Bahn mit. Weichen seien weiterhin eingefroren und blockiert.

Reisende müssen daher nach wie vor mit Einschränkungen und Zugausfällen rechnen. Bis Sonntag sollte auf mehreren Strecken der Fernverkehr ausgesetzt bleiben. Dazu zählen etwa:

  • Hannover – Ruhrgebiet
  • Hannover/Hamburg – Berlin
  • Amsterdam – Hannover
  • Norddeich/Emden – Hannover/Ruhrgebiet

Regionalverkehr soll anlaufen

Auch im Regionalverkehr der Bahn kommt es weiterhin zu Ausfällen. Am Vormittag sollten auf Strecken Erkundungsfahrten gemacht werden. „Sofern diese erfolgreich verlaufen, werden wir schrittweise den Betrieb aufnehmen. Es kann dabei zu einem verringerten Platzangebot kommen“, teilte die Bahn mit.

Für mehrere Bahnlinien wurde angekündigt, dass Regionalbahnen vom Mittag oder Nachmittag an wieder fahren sollten. Das galt etwa für die Strecken RE1 (Norddeich(Mole) – Hannover) und RE8 (Bremerhaven-Lehe – Hannover). 

Metronom-Linien fahren nach und nach

Das Bahnunternehmen Metronom begann, den Zugverkehr wieder aufzunehmen. „Nach der witterungsbedingten Zwangspause kommt der Metronom-Zugverkehr im Norden Schritt für Schritt wieder in Fahrt“, teilte das Unternehmen am frühen Nachmittag mit. So seien die Strecken zwischen Hamburg und Uelzen sowie Hamburg und Bremen wieder mit vollem Tempo befahrbar. Nach und nach sollen mehr Züge eingesetzt werden.

Zuvor hatte Metronom vor allem Probleme mit zahlreichen eingefrorenen Weichen gemeldet. Der Zugverkehr auf den Linien des Regionalbahnbetreibers Erixx soll voraussichtlich erst am Sonntag weitgehend wieder anlaufen.

Viele Unfälle durch Schnee und Glätte

Zuvor hatte Wintersturm „Elli“ am Freitag und in der Nacht zu Samstag landesweit auf den Straßen für zahlreiche Unfälle gesorgt. Nach Angaben der Polizeidirektion Osnabrück kam es allein in ihrem Einsatzgebiet von den Ostfriesischen Inseln bis zum Teutoburger Wald bis Samstagfrüh zu 140 Einsätzen. Davon waren knapp 70 Unfälle mit überwiegend glimpflichem Ausgang. Im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg kam es zu knapp 55 witterungsbedingten Unfällen. Zwei Menschen wurden bei Unfällen auf der A1 bei Heidenau sowie auf der A7 bei Bispingen schwer verletzt.

In Wilhelmshaven und im Landkreis Friesland sorgten Schneeverwehungen für 56 Einsätze ohne Verletzte. Zahlreiche Straßen waren laut Polizei zeitweise blockiert gewesen, da Autos und Lastwagen feststeckten oder quer auf der Fahrbahn standen. Teilweise seien Straßen über mehrere Stunden nicht passierbar gewesen. Nach und nach wurden Fahrbahnen geräumt, sodass festgefahrene Fahrzeuge geborgen werden konnten. Dabei unterstützten Landwirte mit ihren Traktoren.

Einzelne Verspätungen an Flughäfen

An den Flughäfen in Hannover und Bremen lief der Betrieb trotz winterlicher Bedingungen am Samstag weitgehend regulär. Einzelne Flüge starten oder landen jedoch verspätet, vereinzelt mussten auch Flüge abgesagt werden, wie Sprecherinnen der Flughäfen mitteilten. „Die Schneemengen sind geringer als am Vortag, daher laufen die Räumarbeiten schneller“, sagte die Sprecherin des Flughafens Hannover. „Trotzdem müssen alle Flugzeuge einzeln enteist werden, was Zeit in Anspruch nimmt.“

Fährverkehr läuft, aber Verschiebungen möglich

An der Nordseeküste normalisierte sich der Fährverkehr von und zu den Ostfriesischen Inseln, nachdem der Betrieb vielerorts wegen niedrigen Wasserständen am Freitag eingestellt worden war. Von Norddeich nach Norderney fuhr am Samstagmittag eine erste Fähre mit vielen Menschen und Lieferanten an Bord, die zur Insel wollten, wie ein Sprecher der Reederei Norden-Frisia sagte. In den kommenden Tagen kann es bei einzelnen Fährverbindungen laut den Fährgesellschaften aber weiterhin zu Ausfällen oder anderen Abfahrtszeiten kommen. Reisende sollten sich vorab informieren.

Rodeln im Harz und am Kronsberg

Trotz der vielen Störungen und Verkehrsbehinderungen konnten manche auch die schönen Seiten des Winterwetters genießen. Am Kronsberg in der Region Hannover wurde gerodelt. Snow-Kiter ließen sich auf Snowboards mit Drachen über die schneebedeckten Wiesen ziehen.

Etliche Wintersportler hatten sich im Harz eingefunden. Allerdings herrschte starker Wind, die Wurmbergseilbahn in Braunlage war geschlossen. Auch am Hexenritt waren nur ein Schlepplift und ein Förderband geöffnet. Laut Polizei herrschte viel Betrieb, es gab aber noch genügend Parkplätze.

Auch der Rodellift in Torfhaus war geöffnet, die Parkplätze demnach gut besucht. Am Matthias-Schmidt-Berg in Sankt Andreasberg waren die Lifte in Betrieb. „Es war ein normaler Samstag, der Wind war aber sehr ungemütlich“, sagte Betreiber Karsten Otto. Zumindest gab es strahlenden Sonnenschein. Auch am Bocksberg in Hahnenklee waren alle Wintersportanlagen geöffnet.

Busse und Bahnen bleiben in Depots

Der Busverkehr rollte nur in manchen Städten wieder an, etwa in Braunschweig und Oldenburg. In Osnabrück blieb der städtische Linienverkehr dagegen am Samstag eingestellt. „Trotz weitgehend freier Hauptstraßen sind Steigungen, Endwenden und Haltestellen weiterhin nicht sicher befahrbar“, teilten dort die Stadtwerke mit. Die Sicherheit aller Fahrgäste habe absoluten Vorrang.

Auch in der Landeshauptstadt Hannover fuhr wenig. Die städtischen Buslinien und die Buslinien im Umland blieben bis zum Nachmittag eingestellt. Die Stadtbahnen fuhren nur im Tunnel und an angrenzenden, oberirdischen Haltestellen, wie die Üstra mitteilte. Die S-Bahn Hannover fährt laut Betreiber Transdev weiterhin nur sehr eingeschränkt auf einigen Linien.

In Bremen war der Straßenbahnverkehr zwar zunächst wie angekündigt gestartet, kam dann aber schnell ins Stocken. Der Busverkehr lief dagegen.

Fußballspiele abgesagt

Das Winterwetter hatte auch Auswirkungen auf den Sport. Die Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und der TSG 1899 Hoffenheim im Weserstadion wurde wegen des starken Schneefalls abgesagt. Ein Nachholtermin soll zeitnah bekanntgegeben werden. Auch das Spiel zwischen dem FC St. Pauli und RB Leipzig in Hamburg fällt aus.