Klima

Zehntausende demonstrieren in Berlin: Jubel für Thunberg

20.000 Teilnehmer waren angemeldet, es kamen aber deutlich mehr in die Berliner Innenstadt. Eine berühmte junge Umweltschützerin trug wohl auch dazu bei.

Von dpa 24.09.2021, 16:13 • Aktualisiert: 27.09.2021, 14:07
Demonstranten mit Plakaten.
Demonstranten mit Plakaten. David Young/dpa/Symbolbild

Berlin - Zwei Tage vor der Bundestagswahl haben viele zehntausend Menschen zusammen mit der Initiative Fridays for Future in Berlin für mehr Klimaschutz demonstriert. Sie liefen am Freitag in einem langen Zug vom Reichstagsgebäude, in dem der Bundestag seinen Sitz hat, durch das Regierungsviertel. Unter den Demonstranten war auch die 18-jährige schwedische Initiatorin von Fridays for Future, Greta Thunberg. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im „mittleren fünfstelligen Bereich“. In ganz Deutschland gingen vor allem jungen Menschen auf die Straßen. Die Demonstrationen waren Teil des internationalen Aktionstags für mehr Klimaschutz.

Bei einer Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude kritisierte Thunberg die Bundesrepublik scharf. „Deutschland ist der viertgrößte Kohlendioxid-Ausstoßer in der Geschichte und das bei einer Bevölkerung von 80 Millionen Menschen“, sagte Thunberg auf Englisch vor dem Reichstagsgebäude. „Deutschland ist objektiv gesehen einer der größten Klima-Bösewichte.“ In ihrer Rede, die von Applaus begleitet wurde, forderte sie eine Veränderung des „Systems“. Man könne sich aus der Krise nicht „herausinvestieren, bauen oder kaufen“. Umso länger man so tue, „desto mehr Zeit verlieren wir“.

Für Thunberg gab es neben Beifall auch Gekreische und von Teenagern Rufe wie: „Ich liebe dich Greta“ und „Oh mein Gott, ich habe Greta gesehen“. Viele filmten ihren Auftritt mit Handys. Nach der Kundgebung verließ sie gemeinsam mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und begleitet von Polizisten den Platz. Zuvor hatten drei ältere Männer sie bedrängt und mit Gesten beleidigt.

Luisa Neubauer, die wohl bekannteste deutsche Stimme der Bewegung, kritisierte die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) für ihre Klimapolitik. „Einen Sommer lang musste sich Olaf Scholz anhören, dass sein durchgeknallter Plan, Kohle bis 2038 laufen zu lassen, zum Scheitern verurteilt ist“, sagte Neubauer. „Wir haben die Parteien dazu gezwungen einen Sommer lang über Klimapolitik zu reden, obwohl ihre Programme dafür nicht ausreichen, und das wissen sie auch selbst. Kein Wunder, dass Sie dann lügen müssen, Herr Laschet.“

Die Berliner Demonstranten riefen in Sprechchören: „Wir alle für 1,5 Grad“. Auf Plakaten standen Slogans wie „Fight für Climate Justice“, „Oma was ist ein Schneemann“ oder „Die Natur verhandelt nicht“. Unter den größtenteils jungen Demonstranten waren viele Schüler, die an dem Tag einen Schulstreik ausriefen. Eine Gruppe von Kindern aus der 3. bis 6. Klasse rief im Chor: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“. Der zehnjährige Sasha sagte: „Wir wollen nicht, dass die Welt kaputt geht und mit Plastik voll ist.“

Andere Teilnehmer skandierten Parolen aus der linksradikalen Szene wie „Anti-Capitalista“. Auf dem Vordach eines Hotels an der Friedrichstraße standen zwei Frauen, die an dem Hungerstreik für mehr Klimaschutz nahe dem Reichstagsgebäude teilgenommen hatten. Sie zündeten sogenannte Rauchtöpfe, aus denen schwarzer Rauch über die Demonstration zog.