Mobilität Zwischen Nutzen und Ärger – Leih-E-Scooter in den Städten
Beschwerden über blockierte Gehwege, wechselnde Anbieter und Einnahmenquellen: Wie Thüringer Städte mit Leih-E-Scootern umgehen.

Erfurt/Gera/Eisenach - Probleme mit ausleihbaren E-Rollern gehören auch in Thüringen zum Alltag einiger kommunalen Ordnungsbehörden. „Insbesondere mobilitätsbeeinträchtigte Menschen wie Blinde und Sehbehinderte klagen über behindernd auf Gehwegen abgestellte, umgefallene oder umgeworfene E-Scooter“, fasst Wenke Ehrt aus der Erfurter Stadtverwaltung zusammen. Zudem komme es immer wieder vor, dass E-Roller in die städtischen Gewässer geworfen würden. Die Lösung solcher Probleme sei grundsätzlich Sache des Anbieters.
Erfurt plant spezielle Vereinbarung
In der Landeshauptstadt hatte Ehrt zufolge 2019 die erste Verleihfirma den Betrieb aufgenommen, aktuell seien im Stadtgebiet zwei Anbieter mit insgesamt rund 430 Fahrzeugen aktiv. Weder eine Selbstverpflichtungserklärung noch mehrfach durchgeführte Gespräche mit den Firmen hätten bislang zufriedenstellende Ergebnisse zur Lösung der Probleme gebracht.
Daher plane die Stadt aktuell eine Sondernutzungsvereinbarung. Mit einer solchen Regelung können Kommunen etwa einen größeren Einfluss auf Verteilung der Leihroller im Stadtgebiet haben.
Nicht mehr als 180 Leih-Roller in Gera
Auch in Gera gebe es immer wieder Beschwerden über falsch abgestellte E-Roller, die Gehwege blockierten, so der Leiter des Geraer Tiefbauamts, Silvio Heymann. Zudem sorgten die Reaktionszeiten des Anbieters für Ärger bei der Bevölkerung. Da kein operatives Einsatzteam direkt vor Ort sei, dauere es teils bis zu drei Tage, bis nach einer Beschwerde gehandelt werde.
Abgesehen von Verbotszonen, in denen Roller zwar genutzt, aber nicht abgestellt werden können, und Handlungsaufforderungen an den Anbieter seien derzeit vonseiten der Stadt aber keine weiteren Schritte geplant, sagte Heymann. Laut der bestehenden Sondernutzungserlaubnis ist die Gesamtzahl der Leih-Roller im Stadtgebiet auf 180 begrenzt.
Weniger Probleme in Jena, Gotha und Eisenach
In Jena, wo einer Sprecherin zufolge aktuell rund 350 Leih-E-Scooter in der Stadt verfügbar sind, scheint die Lage entspannter: Probleme gebe es nur punktuell, mit unterschiedlich starken Ausprägungen ja nach Wetter, Tages- und Jahreszeit.
Auch in Gotha gebe es nur vereinzelt Meldungen über umgefallene Scooter, größere Vorfälle seien in der jüngeren Vergangenheit nicht gemeldet worden, hieß es von der Stadtverwaltung. In Eisenach sind einer Sprecherin zufolge nach einer einjährigen Testphase seit Februar 2025 rund 100 E-Roller in der Stadt unterwegs. Auch hier werde die Problemlage als gering eingeschätzt.
Einnahmen durch Sondernutzungserlaubnis
Neben dem großflächigen Angebot von einfachen Fortbewegungsmitteln profitieren die Kommunen auch finanziell von den Scootern – durch Einnahmen im Rahmen der Sondernutzungserlaubnis. In Eisenach wurden einer Sprecherin zufolge Staffelpreise eingeführt, um das Aufstellen für die Anbieter auch bei wenigen Stückzahlen attraktiver zu machen.
Steter Wechsel
Bemerkenswert ist die teils hohe Fluktuation bei den Anbietern. So hatten etwa in Gera seit 2021 nacheinander drei verschiedene Anbieter versucht, Fuß zu fassen. Einer davon sei gerade einmal drei Monate präsent gewesen, so Heymann. Auch in Erfurt habe es seit der Einführung mehrere Wechsel gegeben, so Ehrt.
In Gotha hätten sich die ersten Anbieter aufgrund der immens hohen Vandalismus-Rate ganz zurückgezogen. Seitdem 2024 die aktuelle Verleihfirma ihren Betrieb aufgenommen habe, sei hingegen nur ein Fall von Vandalismus gemeldet worden.
Andere Stadt, anderer Anbieter
Entsprechend divers ist auch das Anbieterspektrum: So ist den Stadtverwaltungen zufolge in Jena und Gera aktuell der Anbieter „Dott“ aktiv, in Erfurt bietet zusätzlich auch „Yoio“ E-Scooter an. In Gotha und Eisenach fahren E-Roller der Verleihfirma „Zeuss“. In Weimar und Ilmenau werden den Sprechern zufolge keine E-Roller angeboten.